iTunes: Apple kauft Tippfehler-Domains

Ralf Bindel
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Heute schon an morgen denken: Apple möchte, dass man selbst beim Vertippen von “iTunes” auf der korrekten Apple-Webseite der zentralen Medien-App landet. Das Unternehmen hat jetzt 16 Tippfehler-Domains für iTunes.com übernommen. Wir geben Tipps für Investoren und Typosquatter .

Es scheint eine Investition in die Zukunft zu sein: Tippfehler-Domains, die sich in verschiedenen Wortvariationen um eine Marken-Domain ranken. Wie um iTunes.com. Hier hat Apple investiert und 16 Domains übernommen, die so ähnlich klingen. Vielmehr solche, die sich so ähnlich schreiben. Eben die, auf die man gelangt, wenn man sich verschreibt.

Denn selbst Vielschreibern unterlaufen hin und wieder Schreibfehler. Und besonders ärgerlich ist das bei der Eingabe einer Domain im Browser, wenn man den Fehler erst nach der Enter-/Return-Eingabe bemerkt. Selbst schnelle Ladezeiten sind dann noch zu langsam, wenn lediglich die falsche Domain angezeigt wird. Viele Unternehmen beugen dem Frust vor, in dem sie die eigene Domain in vielen Schreibvarianten registrieren.

Domain besitzen, auf Tippfehler lauern

Häufig geraten solche Tippfehler-Domains auch in die “falschen Hände” – wenn der Markeninhaber nicht schnell genug reagiert oder zunächst keinen Wert auf die Domains legt. Manchmal überrascht jedoch auch der Erfolg einer Marke erst später, und dann sind die Fehler-Domains inzwischen im Wert gestiegen. Denn mit Tippfehler-Domains lässt sich durchaus Geld verdienen.

Nicht unbedingt in der Weise, dass man auf den Wertzuwachs und den letztlichen Erwerb durch einen Multi wartet, sondern durch das so genannte Typosquatting. Der Typosquatter registriert ähnlich geschriebene Domains und platziert darauf Werbung, Konkurrenz- oder Pornographie-Angebote. Als Beispiele nennt Wikipedia URL-Varianten der eigenen Marke: Durch Eingabe von www.wiipedia.org, www.eikipedia.org, de.wikipedie.org und www.wilipedia.org gelangt man ausnahmslos auf Webseiten, die Pop-ups, Spyware/Adware und Werbe-Suchmaschinen enthalten.

Damit das nicht passiert und Apple weiter im seriösen Bereich agieren kann, hat Apple nun 16 Tippfehler-Domains für iTunes.com gekauft. Zwar kaufen Unternehmen normalerweise gleich zu Beginn auch die Tippfehler-Domains ein, aber alle angegeben Domains wurden schon 2004 registriert und waren bisher nicht in Apples Hand. Seit dem 31. August gehören sie Apple und leiten derzeit auf die iTunes Startseite weiter. Erworben hat Apple die Domains von der Acebo Enterprises Inc. Was die damit getrieben haben, ist nicht länger aktuell.

Typosquatting mit iTippfehlern

Auch wenn der Kaufpreis der Domains nicht bekannt ist, dürfte sich der Verkauf durchaus gelohnt haben. Vielleicht nicht durch die Investition in die Zukunft, sondern eben durch Typosquatting. So haben die Wirtschaftsinformatik-Experten Tyler Moore und Benjamin Edelman an der US-Universität Harvard ausgerechnet, dass zum Beispiel Google im Jahr rund 497 Millionen US-Dollar über Anzeigen umsetzen könnte, die auf Tippfehler-Domains geschaltet werden.

Wer also gute Ideen für weitere iTippfehler hat, und ein bisschen warten kann, könnte sich schnell noch ein paar passende Domains registrieren und seine Altersvorsorge aufbessern. Vielleicht die zu icloud.com, iphone5.de oder shirley6.com – denn vielleicht heißt das neue iPhone 5 ja Shirley 6, wer weiß?

Aber ach, Typosquatting ist schon durch: Unter http://paderbutze.de/typosquat/ lässt sich schauen, welche Tippfehler-Domains um eine URL möglich, noch frei oder schon registriert sind. Zum englischen iTunes.com sind fast 90 Prozent der möglichen Domains bereits “in Betrieb”, bei icloud.com sind es 85 Prozent. Nur bei den deutschsprachigen Tippfehler-Varianten geht noch etwas.

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