iTunes Match: Plattenfirmen auf Piratenjagd

Flavio Trillo
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Mit iTunes Match schafft die Plattenindustrie etwas, das sie seit Jahren vergeblich versucht: Die Musik-Piraten zur Kasse zu bitten. Für knapp 25 US-Dollar pro Jahr meldet iTunes an die iCloud, welche Titel aus der Mediathek dort gespiegelt und dem Anwender unterwegs zur Verfügung gestellt werden sollen. Für die Plattenfirmen ein Traum, für Musik-Piraten der Horror. Oder?

Mit iTunes Match der Illegalität entfliehen

Gleich aus welcher Quelle und in welcher Qualität – alle Dateien werden im Format 256 kbit/s AAC gespeichert. Das gibt es so bei keinem anderen Anbieter. Unter diesen Bedingungen wird sich womöglich der eine oder andere so geschimpfte Musik-Pirat überlegen, gemeinsam mit seiner Mediathek über die Planke der Legalität zu gehen.

Genau darauf setzten die großen Label, die Insider-Berichten zufolge einen Anteil von 58 Prozent an den entrichteten Gebühren erhalten werden. Darüber hinaus soll Apple im Voraus zwischen 100 und 150 Millionen US-Dollar gezahlt haben – als Sicherheit, falls das Angebot ein Flop wird. Doch davon geht offenbar keiner der Verhandlungspartner wirklich aus.

Gemischte Gefühle

Ein Sprecher der IFPI (International Foundation of the Phonographic Industry, Weltverband der Phonoindustrie) sagte gegenüber forbes.com: “ ist das jüngste Beispiel für die Annahme neuer Technologie durch die Musikindustrie; sie lizenzieren neue Dienstleistungen, die Urheberrechte respektieren und den Wünschen der Konsumenten nach einer neuen Art und Weise des Zugriffs und des Genusses von Musik entsprechen”.

Man sieht hier also sehr gute Chancen für die gebeutelten Plattenlabel, die durch Musik-Piraterie entgangenen Gewinne über knapp 14,50 US-Dollar pro iTunes-Match-Kunde und Jahr wieder einzufahren. Zumindest in den USA, denn hierzulande ist man vorsichtiger. Britta Lüerßen vom Bundesverband der Musikindustrie, der selbst Mitglied des IFPI ist, deutet die Wünsche der Konsumenten, zumindest in Bezug auf die letzten Jahre, anders.

Es bestehe immer noch ein großer “Wunsch nach Besitz der Musik in irgendeiner Form, wenn man schon für sie bezahlt hat”, so Lüerßen gegenüber macnews.de. Digitale Musik sei zwar insgesamt eine nette Sache, aber die Masse der Bevölkerung könne man mit einem Angebot wie iTunes Match noch nicht erreichen. Allerdings, so räumt sie ein, müsse man aufgrund der Neuerungen seit der WWDC-Keynote die Reaktionen der Menschen abwarten. Es sei nicht auszuschließen, dass solche Wünsche sich angesichts iTunes Match auch mittelfristig ändern können. Keine Frage, immerhin ist dies der erste Dienst seiner Art weltweit.

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