Was kann Mac OS X eigentlich alles zuviel?

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Die Frage klingt ketzerisch. Aber nach jahrzehntelanger Aufrüstung sollte es vielleicht auch mal eine Schlankheitskur für Betriebssysteme geben, andernfalls bleibt der unmittelbar spürbare Fortschritt stets zurück.

Betriebssystemen geht es manchmal nicht anders als ihren Besitzern – sie gewinnen über die Jahre an Gewicht, gewöhnen sich daran und provozieren damit immer mehr Unannehmlichkeiten. Wenn Computer immer leistungsfähiger werden, Betriebssysteme und Anwendungen gleichzeitig aber immer anspruchsvoller, dann bleibt der Zugewinn unterm Strich auf der Strecke. Was braucht der Mac also alles nicht?

Mehrbenutzersystem
iPad-Benutzer bemängeln zuweilen, dass ihr elektronischer Begleiter sinnvoll nur von einer einzigen Person zu nutzen ist. Während es nämlich selbstverständlich ist, dass ein iPhone nur seinem Besitzer dienlich ist, kann die iPad-Nutzung durch mehrere Personen durchaus einen Sinn ergeben. Aber wie sieht es denn mit einem ausgewachsenen Macintosh aus? Ist es wirklich nötig, dass dieser von mehreren Personen genutzt werden kann? Wer ist bereit, seinen Computer mit anderen Anwendern zu teilen und sich dazu jedes Mal neu einzuloggen? Und wer ist dazu bereit, den Mac so einzurichten und pflegen, dass alle installierten Werkzeuge auch allen darauf arbeitenden Nutzern verwendet werden? Wird hier nicht ein Überbleibsel aus alten Zeiten künstlich am Leben behalten, dass im tagtäglichen Einsatz längst keine Daseinsberechtigung mehr hat?

Widgets
Widgets sind kleine Programme, die derart winzig sind, dass sie eine eigene Welt brauchen. Oder anders ausgedrückt: Widgets sind so überflüssig, dass man sie nicht laufend sehen will. Mal Hand aufs Herz, wer nutzt laufend Widgets? Wer tut sich deren fortwährende Aktualisierung und Pflege an und wozu das alles? Um zu sehen, wie das Wetter werden könnte, gebuchte Flüge sich verspäten oder wie viel Uhr es in Rio de Janeiro ist?

Java
Reine Java-Anwendungen sind unter Mac OS X das genaue Gegenteil von schön, verfolgen gänzlich andere Bedienungskonzepte und wirken wie Außerirdische in einer Militärparade. Nichts passt hinten und vorne zusammen, klappt besonders gut oder ist auf Anhieb auch nur verständlich. Als plattformübergreifende Lösung ist Java auch nach vielen Jahren noch kein geglücktes Experiment, sondern ein fortwährendes Ärgernis. Warum nicht gleich ganz weg damit?

Bildschirmschoner
Wer benutzt noch einen Röhrenmonitor? Richtig, niemand. Denn wer seinen alten ehemals hochpreisigen Röhrenmonitor im Bestzustand verkaufen möchte, kann sich auf ein Angebot schwarz warten. Und selbst wer ihn originalverpackt mit Blumenstrauß und Glas Wein auf die Straße stellt, muss damit rechnen, dass er irgendwann Moos ansetzt und nur der Wein und die Blumen verschwinden. Und Bildschirmschoner dienen genau dem einen Zweck, nämlich dem Schutz eines Röhrenmonitors vorm so genannten Einbrennen. Aber dieses Problem haben moderne Displays nicht mehr, Bildschirmschoner sind also überflüssig, moderne Displays gehören geschont, indem man ihre Hintergrundbeleuchtung ausschaltet.

iTunes
Apples Musikbibliothekssoftware ist fett, wirr und immer wieder sinnlos anders als Mac OS X – verstehen und bedienen lässt sie sich nur noch aufgrund des Gewöhnungseffektes. Warum Filme? Keine Ahnung. Warum Bücher? Keine Ahnung. Warum Store? Keine Ahnung. Warum iPhone-Datenabgleich? Keine Ahnung. Es sieht fast so aus, als würde iTunes irgendwann ein eigenes Betriebssystem. iTunes muss abspecken, die Zeit ist reif!

iChat AV und FaceTime
Zwei Ansätze zur Videokonferenz vom gleichen Hersteller auf derselben Plattform? Wozu? Und wer soll das alles konfigurieren, wenn es daneben noch Skype gibt, das selbst auf dem iPhone und auch noch per UMTS-Verbindung prima Videokonferenzen ermöglicht? Wieso nicht noch komplizierter und eine dritte Anwendung zum Telefonieren in die klassischen Netze schaffen? Oder alles gleich in iTunes integrieren?

32 und 64 Bit
Apple geht mit gutem Beispiel voran. iTunes ist keine 64-Bit-Anwendung, der Rest der iLife-Suite auch nicht, die iWork-Suite ebenso wenig. Wer sein System in 64 Bit betreibt, verliert durch die Notwendigkeit 32- und 64-Bit-Anwendungen gleichzeitig verwenden zu müssen, teuren Hauptspeicher. Apple sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen und seine eigenen Produkte auf dem aktuellsten Stand halten.

Systemeinstellungen
Wieso gibt es Systemeinstellungen für die Maus, wenn man nur ein Trackpad verwendet? Wieso für MobileMe, wenn man kein Kunde ist? Wieso für die Kindersicherung, wenn man keine hat? Wieso lässt sich der App Store nicht deaktivieren? Eine Systemeinstellung unter „Persönlich“ zum Deaktivieren nicht benötigter Dienste wäre ausgesprochen praktisch und würde die Nutzung eines komplizierten Systems vereinfachen.

Weitere Themen: iTunes, Mac OS X

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