Bluetooth-Headset Etymotic etyBLU2 am iPhone im Test

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“Hallo, hallo, ich bin total wichtig.” Das Bluetooth-Headset Etymotic etyBLU2 ist nicht gerade das unauffälligste Produkt. Statt wie ein Geheimagent mit Knopf im Ohr fühlt sich der spazierengehende Telefonist eher wie ein wandelndes Callcenter. Das muss allerdings kein Nachteil sein, fand macnews.de im Test am iPhone heraus. Funktionalität, Sprachqualität, Tragekomfort – ist das Headset etyBLU2 seiner Preisklasse würdig?

Beste Sprachqualität, beste Rauschunterdrückung, bester Komfort, bester Soundkomfort – das behauptet Etymotic von seinem * und lässt sich das Produkt etwas kosten. Einen großen Funktionsumfang kann (und muss) eine derartige Freisprecheinrichtung nicht bieten. Sie muss problemlos funktionieren und eine ordentliche Sprachqualität gewährleisten.

Produktdesign
Das Etymotic etyBLU2 wird wie die meisten Bluetooth-Produkte in ein Ohr gesteckt. Unterschiedlich gestaltete Aufsätze in verschiedenen Größen liegen bei, um einen möglichst optimalen Tragekomfort zu bieten. Ein schwenkbarer Bügel

(abziehbar) kann am Ohr eingehängt werden und dadurch zusätzlichen Halt bieten. Der flexible Arm mit dem integrierten Mikrofon ist nicht wie beim etyBLU (1) abziehbar, sondern fest installiert. Windschutz liegt in zwei Größen bei.

Leicht ist es trotzdem, unauffällig dagegen nicht. Auf der Straße telefonierend sieht man dafür nicht aus, als ob man Selbstgespräche führt.

Mit der Befestigung am Ohr werden wir nicht ganz glücklich: Der große Ohrenaufsatz sitzt noch am besten. Das schwarze Plastikkästchen könnte trotzdem enger an der Wange anliegen. Eher ein optisches denn ein funktionales Problem: An sich sitzt das Produkt fest, Ängste, es könne herunterfallen, gibt es nie. Der Bügel wurde natürlich verwendet, auch wenn die Befestigung am Ohr eher drei als eine Sekunde benötigt wurde. Wie perfekt das etyBLU2 sitzt, ist von Ohr zu Ohr unterschiedlich. Einen im wahrsten Sinne des Wortes angegossenen Sitz dürfte die Individualisierung bringen, sprich:

Das eigene Ohr wird ausgegossen und daraus ein Kopfhöreraufsatz angefertigt. Bei einer Freisprecheinrichtung kommt dies aufgrund des Aufpreises nur für Vieltelefonierer in Frage.

A propos Vieltelefonierer: Ist das Telefonohr nicht immer ganz sauber, verdreckt ein In-Ear-Hörer schnell. Um das Gerät zu schützen, setzt Etymotic auf wechselbare Filter. Das ist etwas fummelig, aber natürlich wesentlich besser, also wenn der Hörer im Wertstoffhof landen muss. Am besten also Ohren putzen, dann muss nichts gewechselt werden.

Funktion
Vor der Benutzung muss der Akku über das beigelegte USB-Kabel geladen werden. Eine orangene LED zeigt den Ladestatus an. Bis zu sieben Stunden Sprechzeit und über 100 Stunden Standby will die aufladbare Lithium-Polymer-Batterie gewährleisten. Wir haben sie nicht auf das äußerste ausreizen wollen, denn total falsch können die Angaben nicht sein: Der Akku hält und hält.

Durch einen langen Druck auf den Herstellerschriftzug wird die Freisprecheinrichtung angeschaltet. Eine blaue, doppelt blinkende LED zeigt die Bereitschaft an, also nichts für schwarze Schlafzimmer. Über Bluetooth (1.1, 2.1 oder neuer) werden iPhone und Headset verbunden, was dank Apples iOS sehr einfach ist. Nach kurzer Zeit blinkt als “Zeichen der Verbundenheit” die LED nur noch einfach, und das Bluetooth-Symbol des iPhones ist hervorgehoben. Die Reichweite ist mit 10 Metern angegeben. In der Praxis lässt sich (wohl je nach Gebäude) sogar der Raum wechseln, ohne dass der Kontakt zum iPhone abbricht.

Das etyBLU2 kann mit bis zu acht Telefonen oder Computern verbunden sein (MultiPoint).

Der Etymotic-Button dient nicht nur zum An- und Ausschalten des Headsets, sondern – durch kurzen Druck – zum Annehmen und Beenden von Telefonaten und zur Steuerung weiterer Gerätefunktionen. Kommt kein Anruf, startet die Betätigung die Sprachsteuerung des iPhones.

Sprachqualität
Ein Headset hält beim Telefonieren nicht nur die Hände frei, sondern kann die Sprachqualität verbessern – zumindest ein gutes. Das Testobjekt ist nicht das billigste seiner Art, es sollte also hier punkten.

Die Formgebung bietet beste Voraussetzungen. Das Mikrofon ist nicht weit vom Mund entfernt – näher als das iPhone-Mikrofon und erst recht näher als Stummel-Headsets. Desweiteren setzt Etymotic eine Rauschunterdrückung ein, die Umgebungsgeräusche 35 bis 42 Dezibel mindern soll. Nachmessen konnten wir das nicht, aber in der Praxis ausprobieren.

In Sachen Geräuschunterdrückung und Sprachqualität macht sich das etyBLU2 trotzdem bezahlt, auch wenn der Frequenzbereich beim Telefonieren zwangsläufig beschränkt ist. Ein langes Telefonat, gestartet an einer viel befahrenen Straße, geendet am Spühlbecken in der Küche, und der Gegenüber bekommt von alle dem nichts mit: “Was, Du bist schon zu Hause?” – “Hast Du nicht den Hall im Treppenhaus über das Telefon gehört?” – “Nein.” Ein überzeugenderes Beispiel für die Wirkung in der Praxis kann es nicht geben.

Auch der “Blindtest” – über das Telefon zwangsläufig – identifiziert das Testgerät eindeutig.

  • iPhone-Mikrofon aktiviert – Sprachqualität? “Ist ok.”
  • 100-Euro-Kabelkopfhörer mit Mikrofon – “Ist ok.”
  • Bluetooth-Headset etyBLU2 – “Jetzt ist sie sehr gut!”

Auch im Zusammenhang mit der iPhone-Sprachsteuerung glänzt das Testgerät. Der Autor dieser Zeilen konnte negative Kommentare zu den gesprochenen Befehlen nicht nachvollziehen, bis er auf dem Weg zur Arbeit 10 Minuten lang versuchte, die richtigen Interpreten aus iTunes über einen Kabelkopfhörer aufzurufen. Testweise auf das etyBLU gewechselt – das iPhone verstand sofort. Nur – Musikhören ist mit dem einzelnen Kopfhörer nicht möglich, also nützt der Erfolg hier wenig. Und es heißt natürlich auch nicht, dass Apples Telefon Ziffern gut versteht…

Im Werbevideo erklärt der Hersteller die Geräuschreduzierung:

Weht unterwegs ein Lüftchen in das Mikrofon, hilft auch eine Geräuschunterdrückung nicht. Aber  der Windschutz wirkt.

Fazit:
Gelegenheitstelefonierer werden angesichts des Preises von rund 110 Euro zunächst schlucken. Wer mit der Ohrbefestigung gut klarkommt, wird mit dem Etymotic etyBLU2 allerdings seine reine Freude haben. Audioqualität und Geräuschunterdrückung sind keine Punkte für gute Laborwerte, sondern zeigen sich in der Praxis als wirklich sinnvoll.

Vorteile:
+ Sehr gute Sprachqualität
+ Wirkungsvolle Unterdrückung der Umgebungsgeräusche
+ Windschutz

Nachteile
- Befestigung nicht Jedermanns Sache
- Keine Tasche

macnews.de-Wertung: 4 von 5 Sternen

Hersteller: Etymotic
Preis: *
Alternativen: Plantronics Discovery 975*, Jabra BT2035

*, Hama Bluetooth-Headset “Metal”
*

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Weitere Themen: Bluetooth: Die wichtigsten Infos zur Funktechnik, iPhone


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