Mac-Sicherheitslösung als Spionage-Tool: Die Kindersicherung

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Es ist ein schmaler Grad zwischen notwendiger Kontrolle der Kinder und massivem Eingriff in die private Kommunikation. Eine Sicherheitslösung für Mac, die im Sommer erscheint, stellt zumindest die Voraussetzung für eine totale Überwachung des Internetverkehrs auf dem jeweiligen Rechner. Unbemerkt von den Kontrollierten.

Mac-Sicherheitslösung als Spionage-Tool: Die Kindersicherung

Im Sommer veröffentlicht Kaspersky ein neues Sicherheitsprodukt namens Kaspersky Security. GIGA liegt eine Beta-Version der Software für OS X vor. Ein Bestandteil davon ist eine Kindersicherung, in der wir den Punkt Soziale Netzwerke fanden. So unscheinbar diese Funktion klingt, so sehr hat es sie in sich.

Denn Soziale Netzwerke ist laut Software die “Kontrolle über Benutzung von sozialen Netzwerken”. Sie “ermöglicht die Kontrolle über Kontakte des Benutzers, die Absendung und den Empfang der E-Mails. Wenn die Kontrolle für die Nutzung von sozialen Netzwerken aktiviert ist, speichert Kaspersky Security alle Nachrichten des kontrollierten Nutzers. Auf dieser Basis kann die Kommunikation mit unerwünschten Kontakten verboten werden”, so die Beschreibung in der Software.

Übersetzt heißt das: Ein Computeradministrator kann hiermit protokollieren, welcher Benutzer eines Computers welche Nachrichten an andere Nutzer von sozialen Netzwerken schickt – ohne dessen Wissen. Selbst, wenn er über ein eigenes, passwortgeschütztes Benutzerkonto am Rechner angemeldet ist.

Die Antworten der Community-Freunde bekommt der Administrator mit dazu, schön übersichtlich im Chat-Design.

Kann man also tatsächlich die gesamte Facebook-Kommunikation der eigenen Kinder – oder anderer Nutzer – mitlesen? “Ja”, bestätigt uns Vartan Minasyan, Head of Product Management bei Kaspersky, “Eltern können kontrollieren, zu welchem Thema eine Konversation lief und sogar einzelne Kontakte blockieren.”

Ein anderer Bestandteil der Kindersicherung – die Web-Kontrolle – zeigt ebenfalls gut, dass sich mit Kaspersky Security der Administrator eines Macs die History von anderen Nutzern des Computers anzeigen lassen kann. Selbst, wenn diese sich durch ihr passwortgeschütztes Benutzerkonto auf dem Rechner “privat” wähnen.

Kontrolle pur also, und zwar sogar unbemerkte Kontrolle. Das Kind muss nie sein Einverständnis oder gar die Zugangsdaten zu den Webdiensten herausrücken. Eine Sicherheitslösung kann somit als Spionage-Tool benutzt werden, ohne dass der Anwender hierfür irgendwelche technischen Kniffe kennen muss. Kinder und Jugendliche können ihre privaten Konversationen vor Kaspersky Security nicht einmal mit einer geschützten HTTPS-Verbindung geheim halten – höchstens mit einem eigenen Rechner.

Die Mac-Software soll in vielen verschiedenen Ländern vertrieben werden. “Ob so eine Kontrolle erlaubt ist oder nicht, hängt von den jeweiligen Gesetzten ab”, so Vartan Minasyan gegenüber GIGA. Die Kindersicherung gebe Eltern lediglich die Möglichkeit, die Kommunikation zu überwachen, so der Entwickler. Ob sie ihre Kinder darüber informieren oder nicht, liege in der Verantwortung der Eltern.

Den kompletten Funktionsumfang der neuen Software werden wir in Bälde vorstellen. Für Windows ist eine derartige Kindersicherung übrigens bereits schon auf dem Markt.

Was meint ihr? Ist diese Art der Kontrolle ethisch vertretbar?

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Weitere Themen: Kaspersky Anti-Virus, Kaspersky


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