Apple lässt den Mac fallen: Willkommen OS X Lion!

Ralf Bindel
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Die Keynote zur diesjährigen Apple-Entwicklerkonferenz brachte es an den Tag: Nicht länger ist die Rede von Mac OS X, das neue System heißt schlicht OS X Lion. Die unscheinbare Änderung besiegelt aber mehr: Apple feiert das Ende des Computers – Es lebe das OS, willkommen in der iCloud-Welt!

OS X Lion, so nennt Apple das neue Betriebssystem für den Mac auf seinen Webseiten nur noch. Es fehlt der Mac, der den Titel des Operationg Systems (OS) auf Unix-Basis bisher anführte. Was gestern Seth Weinraub von 9to5Mac bereits feststellte, passt zur Apple-Richtung: Die Plattform, der Computer spielt keine Rolle mehr, ob Mac, iPhone, iPad, Windows-PC, deine Daten, Musik und Fotos bekommst du ständig und überall. Das ist die Botschaft, die Apple damit offenbar senden will.

Der Bruch ist deutlich. Bisherige Systeme wie Mac OS X Snow Leopard sind noch nicht nur OS X Snow Leopard.

Sicher, die Unterschiede zwischen iOS und OS X sind noch recht groß, da macht uns keiner ein X für ein i vor. Doch was wir gestern in der Keynote gesehen haben, zeigt eigentlich nur, dass Apple sehr konsequent ist: Das OS X wird immer mehr zum Streichelzoo für Apps, das iOS darf mit Notifications und schnellerem Push-Service sogar gegen die “Profi-Systeme“ Android und Blackberry antreten. Für die Mobilisten baut Apple auch gleich einen eigenen MS-Exchange-Service auf, die iCloud. Die kann sowohl Mails synchronisieren als auch uns alle mit Musik, Filmen und Backups und später sicher mit Streaming versorgen. Und bequem und komfortabel ist es auch noch.

Gut, die Profis, die seit 20 Jahren mit Macs arbeiten, wenden sich mit Grausen ab. Ein neues System, das nur noch virtuell vorliegt, dessen Library versteckt ist, das mit Vollfensteransichten, Riesen-Icons und mit der Gestik eines Touchscreens arbeitet, da kann man nur noch zu Windows greifen. Auf Linux läuft leider kein Adobe. Selbst die Switcher befürchten, dass ihre gerade erst entdeckte Sorglosinsel schließlich wird, wie die jüngst verlassene, virenverseuchte Windows-Welt. Allzusehr buhlt Apple doch mit einem noch einfacher zu bedienenden Betriebssystem, das vom Ein- bis zum Einhundertjährigen alle bedienen können. Wohin, wenn nicht zum Mainstream, soll das führen?

Und dann ist Apple doch wieder ganz dort, wo Apple herkam. Bei der Bedienbarkeit. Das Mac OS, pardon, das OS, galt

immer als einfacher als die anderen. Zugänglicher, leichter, mehr Black Box, funktionierte eben, auch wenn es immer die Hardware vom gleichen Hersteller benötigte. Ob mit 1 bis 9, X oder i, das OS war die Basis der Bedienbarkeit, die Oberfläche mit Hintergrund. Klar, auch die Hardware ist einmalig. Eine schmucke Verpackung, solide, teuer, exklusiv, eine eigene Ästhetik. Und damit wird auch noch das meiste Geld verdient, wenn die Ware nur günstig genug produziert wird, Stichwort Foxconn. Schon einmal hatte Apple versucht, sich von der Hardware zu lösen, ganz auf die Bedienbarkeit zu setzen. Ein Apple OS auf allen Rechenkisten und Telefonen dieser Welt? Apple ist zumindest vorbereitet, verdient inzwischen auch als Medienhändler und App-Anbieter nicht schlecht.

Die iCloud könnte also der Anfang vom Ende des Computers sein. Apple folgt dabei nur dem Weg von Google und Microsoft. Den Mac lassen wir hinter uns, selbst die Tablet-Computer und Smartphones, irgendwann auch das Betriebssystem, das geht alles im Browser. Wir erinnern uns: Apple hat auch den Computer bereits aus dem Firmennamen getilgt, warum jetzt nicht auch den Mac aus dem OS? Wichtig ist doch nur die Nutzbarkeit, die Befriedigung von Bedürfnissen. Nicht länger spielen Besitz und Plattform eine Rolle, sondern die Abrechnung nach Nutzung, auch für die Profis, siehe Adobe. Immaterielle Werte sind die Rohstoffe der Zukunft, sie lassen sich handeln, dafür zahlen Menschen Gebühren (und für den Zugang). OS X und iOS, iCloud und Co. sind nur der Anfang, aber konsequent. Es sind die Kunden, die Apple dabei folgen.

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