Jemand hat ein Programm geschrieben, das seinen kompletten Job erledigt – soll er es dem Chef verraten?

Stefan Bubeck

Ein Programmierer hat seinen langweiligen Bürojob wegoptimiert – seit einem halben Jahr hat er nur noch ein bis zwei Stunden pro Woche wirklich etwas zu tun, wird aber für 40 Stunden bezahlt. Sein selbst geschriebener Bot macht mittlerweile die ganze Arbeit. Nun stellt sich die Frage: Ist es richtig, seinen Arbeitgeber so auszutricksen?

Jemand hat ein Programm geschrieben, das seinen kompletten Job erledigt – soll er es dem Chef verraten?

Nicht jeder liebt seinen Job und hat Freude an seinen Aufgaben. Oder wie Stromberg sagt: „Büro ist wie Achterbahn fahren, ein ständiges Auf und Ab. Wenn man das acht Stunden machen muss, täglich, dann kotzt man irgendwann.“ Die Lösung dazu könnte sein, stattdessen einfach gar nichts zu tun – und trotzdem bezahlt werden. Allerdings plagen einen dann irgendwann die moralischen Zweifel, wie ein kurioser Fall aus dem Forum Stack Exchange zeigt.

„Ich füge sogar Fehler ein, damit es echt aussieht“

Der User „Etherable“ stellt in der Community Stack Exchange im Forum „The Workplace“ eine Frage, die eine lebhafte Diskussion ausgelöst hat. Etherable hat einen gut bezahlten Vollzeit-Job, den er sogar von zu Hause aus machen darf, so dass er auch Zeit mit seinem kleinen Sohn verbringen kann. Leider handle es sich um den „langweiligsten Job aller Zeiten“ – es geht um die Aufbereitung und Analyse von Daten auf einem „sehr alten“ System. Nach einem Jahr hat sich Etherable dann ein Programm geschrieben, das jetzt innerhalb von 10 Minuten die Arbeit erledigt, für die „der Typ vor mir einen ganzen Monat“ gebraucht hat – das Management seiner Firma weiß davon nichts. Etherable fügt sogar nachträglich kleine Fehler in seine Ergebnisse ein, damit sie aussehen, als hätte sie ein Mensch erzeugt.

Der Programmierer arbeitet nun nur noch ein bis zwei Stunden pro Woche wirklich (Änderungen, E-Mail-Korrespondenz), wird aber für eine Vollzeitstelle bezahlt. Nun fragt er: „Ist es unethisch, so weiterzumachen und nichts zu sagen? Ich betrüge ja meinen Arbeitgeber nicht – sie bekommen schließlich genau das, wofür sie mich eingestellt haben.“

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Antworten aus der Community: „Du verkaufst Resultate, nicht Arbeitsstunden“

Die zahlreichen Antworten auf Etherables Frage sind nicht eindeutig. Die meiste Zustimmung erfährt ein Kommentar von „User1199“, der sagt: „Du verkaufst Resultate, nicht Arbeitsstunden“ – so gesehen habe der Programmierer nichts falsch gemacht. Er kritisiert allerdings die Verschleierung der Methode durch manuell eingefügte Fehler: Das sei unethisch, da unehrlich. „Sie werden dich nicht feuern, aber ich glaube sie werden dich bestimmt rügen.“

Der User Joe Strazzere empfiehlt dem von Zweifeln geplagten Etherable einen Podcast des National Public Radios namens Everyday Ethics, in dem es heißt: „Moral ist der Unterschied zwischen dem, wozu du ein Recht hast – und dem, was richtig ist.“ Außerdem glaubt er, die Entscheidung sei schon fast getroffen und hakt nach: „Ist das etwa das Vorbild, das du für deinen Sohn sein möchtest?“ Der User „Magisch“ steht voll hinter dem noch nichts ahnenden Arbeitgeber, der seiner Meinung nach „betrogen“ wird: „Sie bezahlen dich, um Vollzeit zu arbeiten. Das tust du nicht.“

Abgesehen von moralischen Aspekten – ob das Vorgehen arbeitsrechtlich durchgehen könnte oder nicht, kann wohl nur ein Blick in den Arbeitsvertrag des Angestellten klären.

Quelle: Stack Exchange

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