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Phoenix aus der Asche

Oliver Huq

Totgesagte leben länger. Auch ohne Apple-Beteiligung und mit nur der Hälfte der Aussteller konnte die diesjäh­rige Macworld über 20.000 Besucher verzeichnen. Nicht nur der Veranstalter spricht von einem Erfolg.

Die erste Macworld ohne Apple-Beteiligung fand dieses Jahr vom 9. bis 13. Februar traditionell im Moscone Center in San Francisco statt.
Nachdem Apple vergangenes Jahr bereits angekündigt hatte, in diesem Jahr nicht mehr bei der Messe vertreten zu sein, nahmen viele an, dass damit auch das Ende der Mac-Messe besiegelt sei. IDG World Expo, der Veranstalter, hat dennoch die Organisation der Macworld 2010 gewagt. Mit über 20.000 Besuchern bei rund 250 Ausstellern zieht IDG ein positives Fazit, auch wenn die Zahlen einem Rückgang des Interesses von etwa 30 Prozent entsprechen. Der Termin für die nächste Macworld steht bereits fest: 25. bis 29. Januar 2011.

Keynote

Der wohl am kritischsten beäugte Teil der diesjährigen Macworld war die Keynote, mit der traditionell Apple die Macworld eröffnete. Im letzten Jahr hielt Phil Schiller, Apples Marketingchef, als Vertretung für den erkrankten Steve Jobs die Schlüsselrede. In diesem Jahr holten sich die Veranstalter David Pogue, den bekannten Technikredakteur der „New York Times“, als Moderator auf die Bühne. Dieser leitete die Keynote denn auch – von der Agitation her eher in Steve-Ballmer-Manier – mit den markigen Worten ein: „Steve Jobs isn't here!“ Und er fuhr fort, dass es das erste Mal sei, dass man nicht Apples ... küssen müsse und daher auch Dinge sagen könne wie „AT&T on the iPhone is awful!“. Doch damit nicht genug. Levar Burton, vielen besser bekannt als „Geordi LaForge“ aus der Serie „Star Trek: The Next Generation“, durfte ebenso auf die Bühne wie das Team des YouTube-Projekts „Auto-­Tune the News“. Letzteres durfte über die eingesetzte Technik referieren, die hinter dem Projekt steht, in dem Stimmen bekannter US-amerikanischer Nachrichtensprecher und Politiker so manipuliert werden, dass sie zu einer Melodie passen und dass es so aussieht, als sängen die Personen. Klar, dass eine Kostprobe von Auto-Tune the News, angewandt auf Steve Jobs iPad-Präsentation, folgte.
Alles in allem war die Keynote in voller Halle ein Erfolg. Die Macher setzten auf Entertainment und das Konzept ging auf. David Pogue zog das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann. Im direkten Vergleich zur letztjährigen Schiller-Keynote, die eher langweilig dahinplätscherte, auch ein verdienter Erfolg.

Best of Show

In diesem Jahr gingen die Best-of-Show-Awards der Macworld an die folgenden elf Produkte:

Autopark Die App von Frolicpark soll Strafzettel vermeiden helfen. Sie erinnert an abgelaufene Parkuhren und findet mittels GPS das eigene Auto. Englisch, 3,99 Euro.

Billings Touch Die App ist eine Abrechnungssoftware für das iPhone. Sie ist kostenlos und kann via In-App-Kauf (15 US-Dollar) um eine Mac-Synchronisationsfunktion und direkten E-Mail-Quittungsversand aus der App he­­r⁠aus erweitert werden. Englisch, gratis.

Quickoffice Connect Mobile Suite Office-Anwendung für das iPhone mit Zugriff auf MS-Office-Dateien sowie auf Google Docs, MobileMe, DropBox und Box.net. Deutsch, 7,99 Euro.

SkyVoyager und SkyFi machen aus dem iPhone eine Fernbedienung für GoTo-Teleskope. Die App kostet 11,99 Euro, der GoTo-WiFi-Controller fürs Teleskop rund 150 US-Dollar.

Traffic Pro Diese App der Firma Inrix hilft ­dabei, Staus zu umgehen, und bedient sich der ­aktuellen Verkehrslage. Sie ist derzeit nicht im deutschen App Store verfügbar.

Yapper Online-Service zur Erstellung von iPhone-News-Apps mittels bereits vorhandener RSS-Feeds. 500 US-Dollar.

Doch auch nicht auf das iPhone bezogene Produkte sind in diesem Jahr mit dem Best-of-Show-Award ausgezeichnet worden:

Canson Papershow Digitaler Stift zur direkten Darstellung von Geschriebenem auf einem Display. Kostenpunkt: 200 US-Dollar.

U-Socket Amerikanische Steckdosenleiste mit zwei integrierten USB-Anschlüssen. Kostenpunkt: 30 US-Dollar.

HDMI-zu-Mini-DisplayPort-Connector Konverter, um aktuelle 27-Zoll-iMacs als Display für Xbox, Playstation 3 oder Blu-ray-Player zu nutzen. Kostenpunkt: 150 US-Dollar.

Inklet Ten One Design macht für 25 US-Dollar aus den Multitouch-Trackpads der aktuellen MacBooks (Pros) ein Grafiktablett.

ShowWX Pico-Projektor, der mittels Lasertechnologie ein gestochen scharfes Bild projiziert. Kostenpunkt: rund 500 US-Dollar.

Und sonst?

Neben den bereits aufgeführten Best-of-Show-Gewinnern gab es auch in diesem Jahr viele spannende Produkte zu sehen. Microsoft nutzte Apples Abwesenheit, um mit einem riesigen Banner auf sich aufmerksam zu machen. Die Preview von Office for Mac 2011 lockte ebenfalls, und Maskottchen mit Microsoft-Office-Logos schreckten kleine Kinder und sollen diese unbestätigten Gerüchten zufolge durch die Hallen getrieben haben.
Tell Tale Games überraschte mit „Tales of Monkey Island“ für den Mac und kündigte weitere Mac-Titel an, die bald folgen sollen. Weitere interessante Produkte waren die iPhone-Handschuhe (iTouch Gloves – Touch-Steuerung auch mittels Handschuh), die Gorilla­pod-iPhone-Halterungen, Pinguin-USB-Flash­dri­ves, FastMacs iV Plus (iPhone-Zusatzakku mit Fo­t⁠o­­blitz) und bemalbare iPhone-Schutzhüllen von Trexta.
Viel Beachtung fand auch die Rede von John Gruber, dem Betreiber der Webseite Daring Fireball, in der er Apples zehn größte Probleme ansprach. Gruber präsentierte zwar nichts Neues – Top 1 war die Unersetzbarkeit Steve Jobs –, brachte seine Kritik aber auf den Punkt.

Quo vadis, Macworld?

Zusammenfassend lässt sich mit den Veranstaltern konstatieren, dass auch die erste Macworld ohne Apple ein voller Erfolg war. Daraus jedoch auf die Zukunft schließen zu wollen ist verfrüht. Es muss sich zeigen, wie es IDG in Zukunft gelingt, durch interessante Aussteller und Programmpunkte die Besucher zu lo­cken. Dass es auch ohne Apple geht, ist klar. Dass es mit Apple einfacher wäre, ebenfalls.                    huq

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