Mit der richtigen Software können Anwaltskanzleien und Rechts­abteilungen ihre Arbeitsabläufe optimieren.
MACup stellt zwei aktuelle Kanzlei­software-Lösungen vor.

Anwalts Liebling?

Bisher sind die professionellen Kanzleisoftware-Lösungen für den Mac recht dünn gesät. Es gibt zwar einige kleinere und sogar kostenfreie Versionen, aber richtige Komplett-lösungen findet man kaum. Wir haben für Sie unter den professionellen Lösungen den alten Hasen auf der Mac-Plattform, Syndikus, und den Mac-Newcomer ReNoStar, der schon vielen Anwälten vom PC her bekannt sein dürfte, jeweils in der Einzelplatz-Version getestet.

SyndiKus

Die plattformübergreifende Kanzleisoftware aus dem Hause Lawconsult ist bereits seit 1993 am Markt. Wir testen sie in der aktuellen Version 5.1.11 für Mac OS X unter Snow Leopard.
Arbeitsablauf Nach der recht zügigen, wenn auch etwas trickreichen Installation kann man gleich loslegen. Dabei ist ein wenig Zeit einzuplanen, um die kompletten Mitarbeiter-, Kanzlei- sowie Mandantendaten in die Anwendung zu übertragen. Die Software ist in einen „allgemeinen“ und einen „besonderen“ Teil gegliedert und ermöglicht so dem Juristen recht intuitives Arbeiten. Während im allgemeinen Teil (Menüpunkt System in der Menüleiste) die Grundeinstellungen für Syndikus vorgenommen werden können, findet man in den nachfolgenden acht Menüleisten-Schaltflächen den besonderen Teil, in dem die klassischen Arbeitsfelder aus dem Kanzleialltag versammelt sind (etwa Mandate, Dokumente, Zeitplaner, Finanzen et cetera). Es gibt auch
spezielle Module, die zusätzlich erworben werden können, zum Beispiel „Objekte“ für Kanzleien mit vielen Immobilienfällen.
Man beginnt einen Vorgang, das klassische Mandat, im Menüpunkt dazu mit dem Anlegen einer Akte. Automatisch findet eine Verknüpfung der Aktendaten mit den persönlichen Daten der Mandanten, Gegner, Gerichtsadressen und so weiter statt. Das ist praktisch, da man so aus jedem Modulfenster alle Verknüpfungen aufrufen kann. So genügt bei Anruf ein Mausklick auf den Menüpunkt Konto in der offenen Mandanten-Akte, um sofort alle ­offenen Posten des Mandanten in den Blick zu bekommen. Ebenso einfach kann man die chronologische Aktenhistorie mit einem Klick auf die Schaltfläche Verlauf als Liste aufrufen.
Word, Kosten und Co Zusätzlich kann man alle Akten, Adressen et cetera mit Unterkategorien versehen, um so einen individualisierten Arbeitsablauf zu gewährleisten. Wiedervorlagen-, Termin- und Aufgabenmanagement beherrscht die Anwendung ebenso wie die Word-Anbindung zur Erstellung von Dokumenten aus der Anwendung heraus. Da Syndikus auf Visual Basic setzt, funktioniert es nicht mit Office 2008, sondern nur bis Office 2004.
Die Anbindung klappte im Test trotz paralleler Installation von Office 2008 ohne Probleme. Bei Bedarf wird auch eine Open-Office- oder Star-Office-Anbindung angeboten. Erwähnenswert ist die integrierte Buchhaltung, die Zahlungseingänge und Sollstellungen optimal erfasst und eine Zuordnung nicht nur aktenintern, sondern auch für den Mandantenvorgang insgesamt erlaubt. Stundensätze, Gerichtskos­ten- und RVG-Kostenrechner sind ebenso integriert wie ein Zinsrechner.

ReNoStar Legal:Office

Die auf PC-Seite relativ bekannte Kanzleisoftware ist auf dem Mac ein Newcomer. Leider merkt man das der Anwendung auch an. Die Darstellung ist nicht optimal und nicht jeder Button macht das, was man erwartet. Die Dokumentation ist recht einfach gehalten und gut nachvollziehbar. Allerdings treten hier oft Ungenauigkeiten durch falsche Bezeichnungen aus der Windows-Welt auf, die zu dem einen oder anderen Missverständnis führen können.
Arbeitsablauf Am Anfang steht die Eingabe der Grundeinstellungen, und nach der Anmeldung mit einem angelegten Nutzer kann man Akten und Mandate anlegen. Die Struktur wirkt teilweise recht willkürlich aneinander-gestückelt. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit lassen sich aber auch hier recht gute Ergebnisse erzielen. Nervig ist die Passwortabfrage direkt nach dem Anmelden. Da ist die Lösung von Syndikus eleganter, die einen Eingabe- und einen Betrachtungsmodus vorhält, um vor unbeabsichtigten Änderungen zu schützen.
Zum Basispaket – legal:office Mac entry – gehören Akten-, Adressen- und Dokumentenverwaltung, Kollisionsprüfung, einfache Leis­tungs- und Zeiterfassung, Gegenstandswertverwaltung, Honorarabrechnung, Inkasso, Textbaustein-System, Anbindung an Microsoft Word (ebenfalls nur bis Office 2004 wegen der Visual-Basic-Makros) und noch mehr. Der Lei⁠s­tungsumfang ist im Vergleich zu Syndikus gerade im Detail abgespeckt und es stehen sehr viel weniger Individualisierungsoptionen zur Verfügung. Einziger Pluspunkt ist die direkte Integration von Online-Recherchemöglichkeiten wie Lexis Nexis, Beck Online und Juris.

Fazit

Syndikus gewinnt den Test mit einer überlegenen Nutzerinterface-Struktur. Einzig das integrierte Wissensmanagement gehört um eine Integration von Online-Datenbanken erweitert. Für Notare, Rechtsabteilungen und andere spezielle Einsatzgebiete gibt es entweder Zusatzmodule (Syndikus) oder angepasste Versionen (legal:office Mac). Für beide Anwendun­gen werden Schulungen angeboten, die in jedem Fall Arbeitsabläufe verbessern helfen.    huq

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