Revolution der Schriftenwelt

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Neue Schriften, neue Schriftformate, neue Techniken für Web und Office – in die Welt der Schriften ist Bewegung gekommen.

Die Medienwelt redet wieder über Schriften und ihre Technologien. Wirklich verwunderlich ist die Entwicklung nicht – PostScript und TrueType können ihre grauen Haare kaum noch verstecken. Und während die Prepress-Riege in den vergangenen Jahren mit typografisch anspruchsvollen Schriften und nicht zuletzt mit den typografischen Leckereien von erweiterten OpenType-Schriften gut versorgt wurde, murren die Anwender aus dem Webdesign, aber auch aus dem Office-Bereich zu Recht.

Im Büro

Für den Büroalltag zwischen Times und MS-Office-Programmen hat zumindest ein namhafter Hersteller, nämlich FSI FontShop International, einen großen Schritt gewagt und eine sogenannte Office-Variante seiner Schriften eingeführt. Die für die Verarbeitung von Texten ungeeigneten Schriften im PostScript-Type-1-Format sowie im TrueType-Format sind gänzlich aus dem Angebot verschwunden. Statt dessen bietet FontShop nun verschiedene Office-Versionen an, die den Zusatz Offc tragen. Sie zeichen sich vor allem durch gute Lesbarkeit am Bildschirm sowie im Ausdruck, mit Tabellenziffern als Standardziffern oder auch mit der Verknüpfung der vier Standardstile Regular, Italic, Bold und Bold Italic aus. Im Vergleich zu den ungeliebten, aber nach wie vor verwendeten Dinosauriern Times, Arial und Verdana laufen die Office-Schriften in der Regel schmaler und sind besser lesbar. Natürlich bietet der Schrifthersteller nicht nur überarbeitete, sondern auch eigens für den Office-Bereich erstellte Schriften. So etwa die Axel von Erik Spiekermann, eine schmal laufende Schrift für enge Spaltentexte oder Tabellen, die ungewohnt preisgünstig erhältlich ist. Für den Prepress-Bereich bietet FontShop weiterhin Schriften im OpenType-Format an.
Was bedeutet diese Änderung für den Anwender, der bisher mit Type-1- oder TrueType-Schriften gearbeitet hat? Wie lange die Schriftformate noch von den Layout-, Grafik- und Office-Produkten sowie den Betriebssystemen unterstützt werden, kann niemand vorhersagen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass kurz- oder mittelfristig derart einschneidende Veränderungen in der Software zu erwarten sind. Allerdings kann es dem Designer immer häufiger passieren, dass ein einzelner fehlender Schriftschnitt bei Fontshop nicht erhältlich ist – das Ergänzen der Schriften und Schnitte ist allein schon durch die veränderte Zusammenfassung der Schnitte so nicht mehr möglich. Ein Trost bleibt aber: Die verschiedenen Formate Type-1, TrueType, OpenType und Office sind keine Streithähne und lassen sich harmonisch nebeneinander nutzen – lediglich an die mangelnde Zusammenfassung im Schriftmenü wird man sich gewöhnen müssen.

Webfonts

Noch lauter als die Bürogemeinde rufen jedoch die Webdesigner, und das schon geraume Zeit. Immer mehr digitale Buchstaben und immer weniger Papiererzeugnisse, am liebsten nur noch Print on Demand, zeichnen die Medienlandschaft aus. Somit ist auch die Nachfrage nach Schriften im Prepress-Bereich gesunken und zeitgleich die Nachfrage und der Anspruch an Schriften, die online genutzt und gelesen werden, gestiegen. Doch was bedeutet das neue Interesse an Webfonts für die Schriftenhäuser, die Browserhersteller und letztlich den Anwender selbst? Wie ermöglicht man
typografisch hochwertige Webseiten aus technischer und rechtlicher Sicht?

EOT von Microsoft

Im Bereich der Webfonts begegnet man zwei Formaten, die von sich reden machen: das EOT-Format von Microsoft und das WOFF-Format von Tal Leming und Erik van Blokland.
EOT steht für Embedded OpenType. Dabei handelt es sich um ein Schriftenformat, das von Microsoft speziell für die Einbettung in Webseiten entwickelt wurde. Das Besondere an diesem Format ist die starke Komprimierung, die auf der MicroType-Express-Technologie von Monotype Imaging basiert. EOT-Fonts gibt es schon seit Jahren, allerdings hat Microsoft erst 2007 das Format freigegeben. Mit Hilfe des Web Embedding Font Tools (WEFT) unter Windows beziehungsweise mit ttf2eot auf dem Mac lässt sich eine TrueType- oder OpenType-Schrift in eine EOT-Datei umwandeln. Dabei muss der Anwender die Domain, mit der die EOT-Datei verlinkt werden soll, festlegen.

Kritik für EOT

Kritik erntet die EOT-Technologie hauptsächlich aufgrund ihrer patentierten Komprimierung sowie der URL-Bindung, was bedeutet, dass im Format verschlüsselte Informationen enthalten sind, die die Verwendung der Schrift nur zur Darstellung der verknüpften Website ermöglichen. Auch die Tatsache, dass die EOT-Technologie zurzeit lediglich vom Internet Explorer unterstützt wird, beschränkt die Verbreitung. Wiederholte Versuche von Microsoft, das EOT-Format beim W3C als Webstandard anzuerkennen, scheiterten. Trotzdem präsentieren immer noch einige Hersteller EOT-Schriften als dasjenige Format, das für die Einbettung nach @font-face notwendig ist. Dies ist irreführend, handelt es sich bei EOT doch nur um ein Komprimierungsverfahren für Schriften, damit man bei der Einbettung geringere Datenmengen handeln muss und die Darstellung der Seite den Anwender nicht zur Arbeitspause zwingt. Letztlich lassen sich aber ­genauso andere Schriftformate über @font-face verwenden und einbetten.
Bei den Schriftenhäusern findet das EOT-Format verhältnismäßig breite Unterstützung. Linotype, Adobe und Fontshop bieten entweder Schriften im EOT-Format an oder erlauben zumindest die Konvertierung.


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