App Store und Multitouch für Windows 8: Microsoft erkennt Zeichen der Zeit

Flavio Trillo
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Nach 7 kommt? Genau, Windows 8. Microsoft stellte die nächste Version seines Betriebssystems in den vergangenen Wochen in kleinen Häppchen vor und hat jetzt in einem Blogeintrag diverse Funktionen bestätigt, die einem zum Teil recht bekannt vorkommen. Keine verwaschene Klage über die Kopisten aus Redmond, nur eine unschuldige, harmlose Bestandsaufnahme.

JavaScript und HTML 5: Der neue Startbildschirm

“Touch First” – so der Name der neuen Bedienoberfläche. Sie vereint Elemente von Windows Phone 7 aus dem Smartphone-Bereich mit Funktionen, die bislang Desktop- und Tablet-Varianten des Betriebssystems vorbehalten waren. “Touch First” bedeutet auch, dass auf die Steuerungsmöglichkeit mit dem Finger besonders Acht gegeben wurde. Der Startbildschirm mit seiner Mosaik-Aufteilung ähnelt dem des mäßig erfolgreichen Windows Phone 7.

Mit wischenden Bewegungen navigiert der Anwender über den Startbildschirm von Windows 8, der nicht mehr nur ein einfaches Hintergrundbild mit ein paar Icons und einem Startbutton ist. Große Kacheln mit der Möglichkeit zur Einblendung zusätzlicher Informationen zu jeder App prägen die Oberfläche.  Diese Anwendungen sollen dank HTML5-Basis unter anderem mit Vollbild-Darstellung und hübschen JavaScript-Animationen begeistern.

Gleichzeitig kann nach wie vor auf das zugrundeliegende Dateisystem zugegriffen werden, auf das die HTML5-Plattform aufgesattelt ist. Dies geschieht in der gewohnten Umgebung von Fenstern, Ordnern und winzigen Schaltflächen – und das weckt Erstaunen. Winzige Schaltflächen?

Touch oder doch nicht Touch?

Maus und Tastatur sind zwar nach wie vor geduldete Krücken im Umgang mit immer schlankeren, immer Finger-fixierteren Geräten. Doch für alles, was über die bunte Mosaik-Oberfläche hinaus geht – mit anderen Worten: die eigentliche Bedienung des Computers, wird nach wie vor ein Zeigegerät benötigt. Augenscheinlich verbirgt sich hinter dem stylischen Startbildschirm der gute alte Schreibtisch, den man bereits von Windows 7 sowie den meisten Vorgängern kennt.

Da die Navigation dieser Elemente aber offenbar mit dem Finger etwas fummelig ist, wird in dem unten angehängten Video die Vorschau des Datei-Managers schnell wieder beendet und auf die hübschen Apps des Startbildschirms verwiesen. Ein Versuch also, die mobile mit der stationären Welt zu verschmelzen. Auf den ersten Blick scheint dabei jedoch nicht eine homogene Masse, sondern ein Fett-Wasser-Gemisch entstanden zu sein. Das saftige, geschmackvolle Fett schwimmt an der Oberfläche, darunter das langweilige Wasser. So recht vermengen wollen sich die beiden nicht.

Originell: Der Windows App Store

Auch hat man sich im Windows-Team neue Gedanken um die Distribution künftiger Programme für PCs gemacht. Dass man dabei auf bereits bestehende Konzepte stieß, mag Zufall sein oder auch nicht, in jedem Fall scheint man erkannt zu haben, was funktioniert: Der App Store. Er taucht auf in einer Liste derjenigen Teams, die an Windows 8 arbeiten und zeigt, wie erfolgreich Apples Mac App Store ist. Frei nach dem Motto: “Kennen wir, funktioniert, nehmen wir” war man sich in Redmond nicht zu fein, einen eigenen Online-Store für Windows-Apps zu entwickeln.

Das muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein und soll schon gar nicht bedeuten, dass Microsoft sich bei der Entwicklung seines neuen Betriebssystems strikt an Vorbildern aus Cupertino orientierte. Vielmehr ist es eine Bestätigung, dass Apple irgendetwas richtig gemacht haben muss. Eine Art Lob, eine Hommage, also, eine Verbeugung vor dem Pionier, der als erstes so konsequent einen Download-Shop ins Betriebssystem integrierte.

Weitere Themen: iTunes für Mac, App Store, Windows 8, Microsoft

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