Der zweite Grund sind die Gebrauchtmärkte – Kauft man sich ein Spiel, welches nicht gerade einen fesselnden Multiplayerpart besitzt, ist nach fünf Stunden, bestenfalls 20, die Luft raus und das gute Stück verschwindet im Regal. Verständlich, dass viele das Spiel eher wieder verkaufen. Große Ketten wie Gamestop setzen sogar gezielt auf ein zweites Standbein, bei dem sie Millionen mit dem An- und Verkauf von gebrauchten Spielen umsetzen. Millionen an denen die Spiele-Publisher jedoch nichts verdienen. Spinnt man den Faden ein wenig weiter, dann verdienen Publisher nicht nur nichts am Gebrauchtmarkt – potenziell gehen damit auch Gewinneinbußungen einher. Denn jemand der sich ein gebrauchtes Spiel kauft, investiert sein Geld natürlich nicht in ein “neues” Game. Ein “Problem” welches natürlich auch Konsolentitel betrifft.
So scheint der Weg von Ubisoft, so ungern ich es wahrhaben möchte, der derzeit lukrativste für die Publisher. Raubkopien scheinen “noch” unmöglich und zugleich wird verhindert, dass gebrauchte Spiele weiterverkauft werden können. Denn einmal auf sein Ubi-Konto aktivierte Spiele sind auf ewig an den Käufer gebunden. Klingt ein wenig nach einer unheiligen Ehe und hat leider auch einen faden Beigeschmack. Denn ganz mit dem Gesetz geht dies nicht einher.
Etwas namens Erschöpfungsgrundsatz steht nämlich ganz und gar nicht im Einklang mit dieser “nicht weiterverkaufen” Politik. Denn der Erschöpfungsgrundsatz, der Teil des Urheberrechts an Software ist, besagt, dass sich mit dem Erstverkauf einer Programmkopie einer Standardsoftware das Verbreitungsrecht des Urhebers erschöpft.
Im Klartext – Der Urheber darf nicht untersagen, dass ich das Produkt weiterverkaufe – doch wo kein Kläger, da kein Richter und die wenigsten werden wohl wegen 30 Euro vor Gericht ziehen.
Interessant und beängstigend ist jedoch vielmehr der Gedanke, wohin diese Entwicklung führt. Bereits jetzt sieht man an Beispielen wie Alan Wake, dass eine ehemals angekündigte PC-Version einfach fallen gelassen wird – und auch weitere Hersteller werden sich wohl eher auf die Konsolen konzentrieren.
Gründe hierfür werden an dem exemplarischen Vergleich der Verkaufszahlen der PC und der Konsolen Version von Modern Warfare 2 deutlich. Verkauften sich die Konsolen-Spielen über 15 Millionen mal, wurde nur ein Bruchteil an PC-Versionen umgesetzt. Die Reaktion der PC Gemeinde auf die Einschnitte. Trotzdem hat sich Activison mit Modern Warfare 2 eine goldene Nase verdient. Vielleicht den Gewinn bei Modern Warfare 3 weiter steigern, indem man die Kosten für eine PC-Entwicklung einfach weglässt und den Titel nur für Konsolen herausbringt?
Wie man sich auch dreht und wendet. Es sieht düster für den PC aus – Entweder werden aus Gründen der Gewinnmaximierung in absehbarer Zeit die PC-Versionen ganz fallen gelassen, oder man knüpft soviele Bedingungen an eine PC Version, wie Onlineplficht etc., dass das Spiel für den Käufer uninteressant wird, sich daher schlechter verkauft und unweigerlich zur selben Entwicklung führt – man konzentriert sich nur auf die Konsolen. Sollte darüber hinaus der Kopierschutz von kommenden Ubisoft Games ebenfalls umgangen werden können, schließlich gibt es keinen 100 Prozent sicheren Schutz, dann wird Ubisoft daraus ebenfalls seine Konsequenzen ziehen.
Eine Lösung für dieses Dilemma scheint kaum auszumachen. Ein Ansatz wäre den Reiz für Originalversionen zu erhöhen, um Raubkopien uninteressanter zu machen. Günstigere Preise, hochwertige Packung, beigelegte Goodies. Am Gebrauchtmarkt könnten die Publisher ebenfalls verdienen, wenn sie es so anstellen würden, wie derzeit EA mit Mass Effect 2. Dem Original Spiel liegt ein Code bei, mit dem man sich beim Cerberus Netzwerk weiteren Downloadcontent laden kann. Beim Weiterverkauf ist dieser Code natürlich nicht übertragbar, jedoch kann der neue Besitzer des Spieles einen Extra Zugangscode für 10 bis 13 Euro bei EA kaufen. Ein Modell, welches dem Publisher eine Beteiligung am Gewinn sichert, den Käufer der Gebrauchtversion jedoch nichts aufzwingt.
Vielleicht sollte man sich an diesem Beispiel orientieren und eher Features für den PC-Kunden und nicht gegen ihn entwickeln. Denn auch wenn der Markt schrumpft, sollte man nicht vergessen, dass Microsoft Windows noch immer die verbreiteste Spieleplattform ist und richtig angefasst mehr Möglichkeiten als Einschränkungen bietet.