Philips GoGear Muse 3 - Test des Media-Players von Philips

Holger Blessenohl
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Die Zeiten sind schlecht für MP3-Player. Nachdem die Jahre 2000-2010 von Apples iPod ausgehend das Jahrzehnt der kleinen Abspielgeräte waren, dürfte das Jahrzehnt, in dem wir uns nun befinden, deren Untergang bedeuten. Ausgangspunkt ist wieder Apple, diesmal mit dem Ur-Smartphone iPhone. Inzwischen hören die meisten Musik über ihr Handy und nicht mehr über spezielle MP3- oder MP4-Player. Dabei bieten die reinen Musikplayer nach wie vor Vorteile auch gegenüber den besseren Smartphone-Apps. Wir haben uns Philips neues Topgerät GoGear Muse geholt und mal wieder ein wenig Musik gehört.

Philips GoGear Muse 3 - Test des Media-Players von Philips

Design und Bedienung


Der Philips-Player ist kein Neuling auf dem Markt. Schon seit 2009 gibt es das Flaggschiff unter Philips MP4-Playern auf dem Markt. Zumindest was Design und Ausstattung angeht, hat sich beim Muse der inzwischen 3. Generation nicht so viel gegenüber der 2. Generation geändert. Lediglich die Taste unterhalb des Displays ist verschwunden, als letztes Bedienelement ist ein Home-Button geblieben, der auf leichten Druck den User immer wieder auf den Startbildschirm zurückholt. Das sieht erstmal durchaus schick aus und erinnert ein wenig an das Design von Smartphones. Verarbeitung und Materialen machen einen hochwertigen Eindruck. An der oberen Seite befinden sich zwei Lautstärke-Knöpfe sowie der Ein-/Aus-Knopf. Auf der unteren Seite befindet sich der MicroSD-Slot, der interne Speicher des Muse kann so um bis zu 32 GB erhöht werden (bzw. unendlich mit entsprechend vielen Cards). Rechts befinden sich der Lautsprecher-Ausgang sowie ein Mikrofon-Eingang.

Zubehör: Geräuschisolierende Kopfhörer

Wie schon der Muse 2 verfügt auch der neue Philips-Player über einen kapazitiven Touchscreen zur Bedienung. Das 3,2 Zoll große Display bietet leider nur eine Auflösung von 480×320 Pixeln. Für YouTube-Videos reicht das aber und Widescreen-Full HD-Spielfilme will sich hoffentlich niemand auf dem Teil ansehen. Nach dem ersten Start kann man sich in den Einstellungen einige Tutorials ansehen. Die erklären zwar nicht viel mehr als die Grundfunktionen, viel mehr braucht es aber auch nicht. Philips hat dem Muse geräuschisolierende Kopfhörer spendiert, dahinter verbergen sich aber lediglich gewöhnliche In-Ear-Kopfhörer mit passiver Geräuschunterdrückung. Die Klangqualität der mitgelieferten Headphones ist sogar überraschend gut, den Geräuschpegel meiner Büro-Umgebung nehme ich kaum wahr. Da ich persönlich In-Ear-Phones aber nicht mag, wechsele ich schnell wieder zu meinen gewohntem Kopfhörer zurück. Für die individuelle Anpassung hat Philips Ohrstöpsel in zwei weiteren Größen mitgeschickt. Außerdem gibt es ein USB-Ladekabel, über das der GoGear Muse auch mit Musik, Videos und Bildern bestückt wird.

Inbetriebnahme: Like Music nur mit Windows


Philips nennt selbst bei den Systemanforderungen Windows XP ab SP3 als Mindestvoraussetzung für den Betrieb, ich konnte testweise aber problemlos Musikdateien auch einfach mit meinem Linux-PC per Drag&Drop in den Musikordner rüberkopieren, wie ich es von anderen Philips-Playern auch gewohnt war. Muse wird problemlos als externes Laufwerk erkannt. Dieser Weg hat allerdings einen großen Nachteil, weil Philips dem Muse in der neuen Generation eine Like Music-Funktion spendiert hat. Und die funktioniert, anders als die großartige SenseMe-Funktion der Sony Walkman-Serie, nicht im Player, sondern nur über die mitgelieferte Software. Da hat Philips mit Songbird zwar eine grundsätzlich durchaus sympathische MP3-Player-Software aus dem OpenSource-Umfeld gefunden und auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten, dennoch mag ich es nicht, wenn mir Unternehmen vorschreiben, welche Software ich zu installieren habe, um ihre Geräte nutzen zu können (was bis jetzt allerdings noch keinen Hersteller gehindert hat, genau dies dennoch zu tun).

Philips Songbird: Like Music

Widerstrebend installierte ich mir also den Songbird auf meinem Windows-Laptop, der sich bei der Installation gleich noch für zahlreiche Video- und Audiodateien als Standardanwendung registrierte. Weitere kann man später über ein Addon hinzufügen, einmal registrierte wieder abwählen geht aber nicht. So macht man sich natürlich auch keine Freunde. Dann ließ ich Songbird meine Musikbibliothek einlesen, was in kurzer Zeit geschehen war. Damit konnte ich allerdings noch nicht Like Music starten, die Software, die unter Zuhilfenahme von Klangfärbungen ähnliche Musikstücke auch aus völlig verschiedenen Genres zueinander finden lassen sollte. Bei Sonys SenseMe funktioniert dies erstaunlich gut und bringt teilweise überraschende, aber dennoch sehr stimmige dynamische Wiedergabelisten zustande. Während Sony aber einfach nach jeder Änderung der Dateistruktur auf dem Flashspeicher des Players die neuen Songs bewertet und einsortiert, muss man beim Philips GoGear Muse die gesamte Bibliothek einscannen lassen. Das dauert. Wer eine größere Bibliothek hat, sollte den Rechner einfach über Nacht arbeiten lassen.

Der Vergleich: Philips Like Music vs. Sony SenseMe


Dann gibt es bei Like Music auch keine vorgefertigten Musikstimmungen, sondern der User sucht sich einen Lieblingssong aus und Like Music erstellt dann eine Wiedergabeliste mit ähnlich klingender Musik. Daraus ergibt sich der nächste Nachteil gegenüber SenseMe, dass ich keine Kontrolle darüber habe, welche Songs in die Wiedergabeliste geraten. Während SenseMe systembedingt nur meine liebsten Songs beachtet, die bereits auf meinem Player sind, erstellt Songbird aus allen Songs der Musikbibliothek eine Wiedergabeliste. Da sind aber auch einige dabei, die ich nicht mehr so oft hören möchte. Jetzt muss ich also entweder die Wiedergabeliste bearbeiten, was noch mehr Zeit kostet, oder die Liste wie sie ist auf meinen Muse-Player laden. Ändern lässt sich die Liste dann natürlich auch nicht mehr. Ich müsste also jedesmal, wenn sich meine Musikbibliothek mit neuer Musik ändert, meine Wiedergabelisten neu erstellen und auf den Player laden.

Auch die Auswahl selbst ist bei weitem nicht so klug wie bei Sonys SenseMe. Während dort aus Sparten von Klassik bis Noiserock zueinander passende Stücke gefunden werden und sich so eine abwechslungsreiche, dennoch aber passende Zusammenstellung ergibt, bleiben die Songs bei Philips’ Like Music doch recht ähnlich und erinnern eher an Last.fm-Zusammenstellungen. Der direkte Vergleich geht ziemlich eindeutig an Sonys SenseMe-System, Philips muss Like Music noch deutlich besser machen, wenn sie mit SenseMe konkurrieren wollen.

Neben Like Music werden noch einige weitere Addons mitinstalliert, darunter ein CD-Ripper, Concerts, eine Anwendung, die anzeigt, wann Bands auf Tour gehen oder mashTape zum Mixen von Musik aus dem Internet. Außerdem ist der 7digital Music Store über ein Addon in den Songbird integriert.

Full Sound oder Sound Personalization


Neben Like Music bringt der GoGear Muse 3 noch zwei weitere Neuerungen, nämlich Safe Sound und Sound Personalization. Beginnen wir mit letzterem. Klickt man bei laufender Musik auf den Button rechts oben, den mit den drei Strichen untereinander, öffnet sich ein kleines Menü. Hier ist Philips oft gelobte FullSound-Technik voreingestellt, alternativ kann man nun aber auch Individuelle Klangeinstellungen auswählen. Anders als gewöhnliche Equalizer gibt Philips einem Klangfarben zur Auswahl, und das wortwörtlich. Rot steht für Leistungsstark, Gelb für Warm, Blau für Glänzend und Grün für Vocal. Ich habe bei einigen Musikstücken mit den Klangfarben experimentiert und bin dann doch zum FullSound zurück gekehrt. Einerseits weil mir der Klang dort am besten zu sein schien, aber auch weil ich die gewohnten Equalizer-Einstellungen nach Musikstil schneller verständlich finde als mich zwischen Warm und Glänzend zu entscheiden.

SafeSound: Der Sicherheitsgurt fürs Hören

Interessanter ist da schon das Safe Sound-Feature. Dabei geht es um eine Art Sicherheitsgurt beim Musikhören, der einen davor bewahren soll zu lange zu laut Musik zu hören. Das System fährt dabei zweigleisig. Einerseits wird bei der aktuellen Musikwiedergabe das SafeSound-Symbol mit den selbsterklärenden Farben Grün, Gelb oder Rot angezeigt, damit man weiß, wann die Musik zu laut ist. Im Test musste ich den Pegel schon ordentlich aufdrehen, um hier sofort ein Gelb zu bekommen. Rot gab es selbst bei voller Lautstärke zumindest nicht sofort.


SafeSound beachtet zweitens aber auch die Länge, mit der bei einer bestimmten Lautstärke Musik gehört wird. Ein grünes Symbol kann so im Verlauf der Stunden zu einem gelben und dann roten Symbol werden. Außerdem merkt sich der GoGear Muse die Hör-Statistik der letzten Woche, sodass man auch Warnungen erhält, wenn man in den Tagen zuvor bereits zu viel zu laut gehört hat. Über die wöchentliche Übersicht kann man sich auch selber kontrollieren. Und das Beste ist: Wenn man keine Meldungen haben möchte, kann man SafeSound in den Einstellungen auch einfach ausschalten. Ich habe SafeSound während meiner Testphase aber nicht als störend empfunden, was vielleicht auch daran lag, dass ich meistens eher ruhig gehört habe.

Fazit: Guter Player für Vielhörer mit Video-Faible


Ich gehöre nach wie vor zu den Fans von eigenständigen MP3-Playern, gerade wegen der Mixing-Möglichkeiten, die mir Smartphones bislang noch nicht in dem Maße bieten, aber auch wegen der wesentlich kompakteren Bauweise, die ich beim Joggen brauche. Von daher habe ich allerdings auch ein sehr gespaltenes Verhältnis zu den größeren Media- oder MP4-Playern. Hier kann ich tatsächlich keinen echten Mehrwert gegenüber einem Smartphone mehr ausmachen und darunter leidet auch der . Die Like Music Funktion ist im Praxistest leider recht enttäuschend, schneller könnte ich mir vermutlich selber Wiedergabelisten zusammenstellen. Gut gefallen hat mir noch die SafeSound-Funktion, die zumindest für Vielhörer ein sinnvolles Feature ist. Der Klang sowohl mit Philips-Kopfhörern als auch meinen eigenen war bei verschiedenen Musikgattungen überzeugend und gut, ohne einen vom Hocker zu reißen. Zukünftig werde ich mir wohl wieder eher die kleineren Philips-Player wie den ansehen. Eine günstigere Alternative zum iPod Classic ist der Muse aber für alle, die mit ihrem MP4-Player viel Musik hören und auf (Musik-)Videos nicht verzichten möchten.

Wenn Ihr den GoGear Muse kaufen wollt, bekommt Ihr den bei derzeit schon für weniger als 150 Euro.

Habt Ihr noch MP3-Player? Oder genügt das Handy/Smartphone zum Musikhören? Was haltet Ihr von Philips GoGear-Playern? Postet Eure Kommentare unten.

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