Schneller Transfer mit FTP-Programmen

Jens Liedtke

Die Qualität von FTP-Clients ist unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von regelrechten Dateikillern bis hin zu umfassend ausgestatteter Profi-Software. Für Betreiber von privaten Webseiten und Blogs beispielsweise ist das zuverlässige Yummy FTP zu empfehlen.

Professionelle Programme für Webdesign wie Dreamweaver oder GoLive verfügen bereits über mächtige FTP-Funktionen. Will man aber beispielsweise mit Blog- oder Content-Management-Systemen auf externen Servern arbeiten, benötigt man dafür oft ein zusätzliches FTP-Programm. Nutzer von Notebooks greifen ebenfalls gern auf diese leis­tungsfähigen Datenschaufler zurück, um wertvollen Festplattenplatz zu sparen und dennoch schnell und unkompliziert Dateien hochladen zu können. FTP-Clients haben also trotz WebDAV und anderer Annehmlichkeiten ihre Existenzberechtigung.
Neben dem einfachen Dateitransfer sind ein übersichtliches Rechte-Management (CHMOD), eine Verzeichnis-Synchronisation oder -Spiegelung, eine FTP-Adressenverwaltung sowie eine Schnittstelle für Eingabe von RAW- und Shell-Commands für aktuelle FTP-Clients Pflicht. Die meisten Programme verfügen in der Tat über solche Funktionen. Der Teufel aber steckt im Detail, und leider rechtfertigt die Qualität manch eines FTP-Clients nicht dessen Preis.
Die am Markt vertretenen Applikationen unterscheiden sich in Bezug auf ihre Funktionen und Qualität zum Teil stark. Kostenlose Programme bieten meist nicht mehr als grundlegende Dateitransfer-Funktionen. Effektives und vor allem benutzer-freundliches FTP-Management ist daher in der Regel zwar nicht kostenlos, bleibt aber im bezahlbaren Rahmen. So ist Interarchy mit seinen rund 60 Dollar schon das teuerste der hier behandelten Tools.

Einfach Ausgestattet

Ursprünglich aus der Windows-Welt stammt BulletProof FTP. Seit 2004 ist es auch für den Mac erhältlich, ist aber leider seitdem nicht mehr aktualisiert worden. Dennoch ist dieser Client insbesondere bei Umsteigern von Windows auf Mac OS beliebt, auch wenn er im Vergleich zu den anderen Programmen einige erhebliche Nachteile aufweist. So fehlt beispielsweise ein Transfermanager, und die Oberfläche lässt sich nicht an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Der Client kann in keinem Punkt überzeugen, wenn man von den Protokollierungsfunktionen absieht, die einen ausführlichen Überblick über den Dateitransfer ermöglichen. Der Preis von rund 25 Dollar (knapp 20 Euro) wirkt daher mehr als überzogen.
Ähnlich spartanisch präsentiert sich FTP Thingy. 10 Dollar kostet diese Minimallösung, mit der sich Dateien hoch- und runterladen lassen, aber mehr auch nicht. Die Bedienerführung ist kaum zu gebrauchen. Außerdem ist FTP Thingy weder stabil noch sonderlich schnell – insgesamt also ebenfalls nicht zu empfehlen. Fatal wirken sich die Verbindungsabbrüche beim Datentransfer aus, die FTP Thingy als Dateikiller entlarven. Daran ändern auch die völlig überzogenen Werbesprüche des Anbieters nichts. FTP Thingy ist daher noch nicht einmal seine 10 Dollar wert.

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Mittelfeld

Dass es besser geht, beweisen andere Programme, die wesentlich mehr Funktionsumfang liefern, stabiler arbeiten und dennoch nicht die Welt kosten. Das 40 Dollar teure Programm CuteFTP gibt mit seinen guten Protokoll- und Synchro­nisationsfunktionen sowie seinem durchdachten Stapel-Management ein ausgewogenes Bild ab, leidet aber an einem langsamen Interface und einer umständlichen Rechtevergabe.
Fetch besticht durch sehr schnelle und stabile Spiegelungsoptionen, ein Dashboard Widget und eine Viel-
zahl an Feineinstellungen. Allerdings wirkt das in die Jahre gekommene, schmucklose Interface von Fetch wenig Mac-like. Von allen hier vorgestellten Programmen bietet Fetch jedoch die beste Übersicht über die Art und Verwendung von Dateien, die auf einem Server abgelegt sind.
Secure FTP zielt auf Anwender ab, die auf einen besonders sicheren Datei-Austausch Wert legen. Dabei setzt es voraus, dass der jeweilige Server SFTP unterstützt. Darüber hinaus hebt es sich mit einem guten Rechte- und Bookmark-Management deutlich von der Konkurrenz ab.
Zudem bietet Secure FTP Funktionen zur Kompression beim Datenaustausch sowie Möglichkeiten zur Steuerung des jeweiligen Servers – soweit dieser es zulässt. Anfängern im FTP-Bereich sind CuteFTP und Secure FTP allerdings nicht unbedingt zu empfehlen, denn beide Programme setzen Kenntnisse im Gebrauch von FTP-Clients voraus: Intuitiv bedienen lassen sich die Programme nicht.

Oberklasse

Seit Jahren beliebt und von vielen Mac-Anwendern zu Recht geschätzt sind Captain FTP und Transmit. Ebenfalls als sehr empfehlenswert erweist sich das weniger bekannte Yummy FTP. Alle drei Programme sind sehr anwenderfreundlich und reich an nützlichen Funktionen. Zur Oberklasse zählt außerdem der leistungsfähige Client Interarchy.
Yummy FTP hebt sich durch einen internen Editor ab, über den sich Dokumente direkt auf einem ­Server bearbeiten lassen. Selbstverständlich lässt sich aber auch so wie bei den drei anderen Programmen ein externer Editor einbinden. Captain FTP und Transmit bieten Bonjour-Funktionen und zusätzlich eine eigene Anbindung an Apples iDisk, womit sich diese Applikationen als die Mac-typischsten erfreulich auszeichnen. Transmit glänzt besonders durch seine sehr guten Vorschau-Optionen und die im Testfeld besten Möglichkeiten zur Rechtevergabe, muss sich aber in puncto Übertragungstempo Captain FTP und Yummy FTP geschlagen geben. Zuweilen hakelt Transmit beim Datentransfer oder beim Verbindungsaufbau zum jeweiligen Server.
An Captain FTP ist das unübersichtliche und langsame Interface zu bemängeln. Hier haben Yummy FTP und Transmit die besseren Karten. Diese beiden Programme lassen sich vielseitig an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Dashboards-Fans dürften sich allerdings über das Widget bei Yummy FTP freuen, mit dem sich Transfers vom Dashboard aus tätigen lassen.
Interarchy macht einen soliden Eindruck und lässt kaum Wünsche offen. Der Client richtet sich an Profis, die viele Daten möglichst effektiv bewegen wollen. Allerdings muss man dafür ein gewöhnungsbedürftiges Interface in Kauf nehmen. Freunde von WebDAV sind in Bezug auf Schnelligkeit und sichere Funktion mit Interarchy bestens beraten, aber auch sonst überzeugt dieses feine Programm mit einer ganzen Menge nützlicher Funktionen wie einem externen Editor oder Secure FTP. Diese Qualität hat ihren Preis: Mit 60 Dollar ist Interarchy nicht gerade ein Schnäppchen.
Durch die Stapelverarbeitung und das Bookmark-Management eignen sich Interarchy, Captain FTP und Transmit für die Verwaltung von mehreren Domains. Yummy FTP zielt eher auf Anwender ab, die einen privaten Webspace bedienen möchten, organisiert aber ebenfalls mehrere Domains.
Von den hier vorgestellten Programmen lassen sich drei nur unter der PPC-Plattform einsetzen. BulletProof, CuteFTP und FTP Thingy sind nicht als Intel-Version erhältlich. Das ist bei erfreulicherweise bei Captain FTP, Fetch, Interarchy, Transmit und Yummy FTP anders. Dass diese Clients auch in deutscher Sprache vorliegen, wird die Entscheidung für eines dieser weitgehend ausgereiften Programme noch weiter erleichtern. Bei diesen Tools kann man – im Gegensatz zu BulletProof FTP – davon ausgehen, dass auch der Kundensupport und die Weiterentwicklung des jeweiligen Programms fortgeführt werden.

Fazit

Wer einen Profi-Client benötigt, sollte zu Interarchy greifen. Für Einsteiger gut geeignet, aber auch im professionellen Kontext einsetzbar sind Transmit und Yummy FTP, das unter anderem mit schnellem Transfer überzeugte.     Jens Liedtke/kl

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