Wie ist das eigentlich mit der Handystrahlung? Gefährlich oder nicht?

Martin Zier
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Als der Boom der Handys so richtig ausbrach, war die Kritik nicht weit entfernt und auf einmal machte sich jede Mutter Sorgen um ihr krebsgefährdetes Kind – und den Hoden ihres Mannes. Das ist so etwa 10 Jahre her – die Diskussion ist noch immer nicht vom Tisch. Und um eins vorweg zu nehmen: Es gibt bis heute nicht den endgültigen Beweis, dass Handystrahlung und Elektrosmog krebserregend sind. Trotzdem berichten wir über den aktuellen Stand der Forschung.

Wie ist das eigentlich mit der Handystrahlung? Gefährlich oder nicht?

Im Mai 2011 stufte die WHO Handystrahlung als “möglicherweise krebserregend” ein – aber was heißt das eigentlich? Nach dem aktuellen Forschungsstand gibt es keine handfesten Beweise oder durchgängige Indizien, die Handystrahlung als Krebserreger nachweisen. Zwar gibt es seltene Hirntumore, die öfter auf der Seite des Handyohrs, also der Seite, an der das Handy des Patienten am Ohr liegt, vorkommen, allerdings ist die Beweislage zu dünn. Es gibt zu viele Faktoren, die sich nicht ausschließen lassen – und diese Art von Hirntumor kommt genauso häufig bei Handy-Nichtnutzern vor.

Es ist verständlich, dass die Diskussion über Handystrahlung bei allen Seiten Misstrauen schafft. Die Verteidiger der Thesen beschuldigen Elektrosmog und thermische Induktion dank der Funkstrahlung von Mobilfunkbetreibern – und die Gegenseite sieht schlichtweg keine schädliche Strahlung, die das menschliche Gewebe verändert.

Es ist bewiesen, dass die Handystrahlung ins Gewebe eindringt und dort (hauptsächlich) als Wärme umgesetzt wird. Das kann für den Glaskörper des Auges oder die Ohren eine unnatürliche Erwärmung bedeuten. Ob das nun aber einen zellulären Unterschied macht, ist bislang nicht geklärt. Obwohl die GSM-Technik seit mehr als 15 Jahren in Betrieb ist, gibt es keine aussagekräftigen Langzeitstudien, die ein näheres Fazit zulassen. Fakt ist: Nach 15 Jahren sind die Krebsraten nicht explodiert, sondern langsam gestiegen. Das ist eher ein natürlicher Prozess, der mit einer immer älter werdenden Bevölkerung daher kommt. Die Menschen werden immer älter – und je älter sie sind, desto gefährdeter sind sie für eine Krebserkrankung.

Der SAR-Wert soll vor großer Handystrahlung schützen

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat bereits den maximalen SAR-Wert, das steht für spezifische Absorptionsrate, begrenzt. Dieser SAR-Wert misst in einem Testdummy, der etwa dieselbe Masse und Dichte wie ein menschlicher Kopf hat, die auftretende Feldstärke im Gewebe, dazu die auftretende Stromdichte und Temperaturerhöhung. Der SAR-Wert lässt damit abschätzen, wie stark das elektromagnetische Feld des Mobilfunkgeräts ist.

Allerdings hat auch dieser SAR-Wert einen gewissen Haken: Handys, die eine schwache Sendeleistung erzielen, werden vom Sendemast in eine höhere Sendeleistungsstufe eingestellt – und damit generiert das Mobiltelefon ein höheres elektromagnetisches Feld. In Kurzform heißt das: Ein niedriger SAR-Wert und eine gute Sendeleiststufe resultiert in eine niedrige Strahlenbelastung. Jedoch bedeutet ein niedriger SAR-Wert nicht gleich, dass auch die Strahlenbelastung niedrig ist.

Außerdem ist ein Sendemast weitaus weniger gefährlich als das Handy selbst. Die Strahlenbelastung eines Sendemasts ist nach wenigen Metern so sehr gedämpft, dass die direkte Nähe zum GSM-Modul des Mobiltelefons viel gefährlicher ist. Außerdem ist die Gefährlichkeit der einzelnen Frequenzen nicht unbedeutend: Während alte Sendemasten bis zu 20 Kilowatt Sendeleistung “in die Luft blasen”, ist der niedrige Frequenzbereich ungefährlicher als die hohen Frequenzen des 3G-Netzes. Mittlerweile senden fast alle Mobilfunkmästen auf weniger als 0.25 Kilowatt Leistung und sind damit weit ungefährlicher als die Strahlung von lokalen Radiosendern.

Der tatsächliche Anstieg von Elektrosmog beträgt nur wenige Tausendstel der allgemeinen Radio- und elektromagnetischen Strahlung. Allerdings gibt es unterschiedlichste Studien, die darauf hinweisen, dass eine Veränderung der Nervenzellen durch geringe Veränderungen im Strahlungsumfeld ausgelöst werden kann – dann aber wiederum unrelevant große Änderungen hervorruft. Man darf nicht vergessen, dass trotz des Magnetfelds der Erde der größte Teil der elektromagnetischen Strahlung, die uns erreicht, von der Sonne ausgemacht wird.

Tipps, um sich weniger Handystrahlung auszusetzen

Dennoch gibt es einige Tipps, mit denen man die Handystrahlung in seinem direkten Umfeld wenigstens etwas verringern kann:

  1. Ein Headset hilft, so ist der “große” GSM-Empfänger nicht direkt am eigenen Ohr und das elektromagnetische Feld ist nicht direkt am Kopf induziert. Lange Telefonate sollten gleich via Festnetz abgehalten werden.
  2. Da die SMS nicht am Ohr, sondern in der Hand geschrieben werden, sind die Strahlenbelastungen natürlich weit geringer, als wenn man miteinander telefoniert.
  3. Bei schlechtem Empfand wird die Sendeleistungsstufe erhöht – also damit auch wieder die Strahlenbelastung erhöht. Selbes gilt für das Telefonieren im faradayschen Käfig, also zum Beispiel ein Auto, denn dadurch werden die Funksignale vom Sendemast abgeschirmt und die Sendeleistungsstufe wird erhöht.
  4. Handystrahlung entsteht auch in der Nacht – wenn nicht unbedingt nötig, sollte das Mobilfunkgerät ausreichend entfernt vom Kopf entfernt liegen, also nicht direkt auf dem Nachtschränkchen.
  5. Strahlenblocker wirken vollkommen kontraproduktiv. Zwar wird die Handystrahlung des GSM-Netzes blockiert, aber das erhöht wiederum die Sendeleistungsstufe, und dadurch wird die Strahlenbelastung wieder erhöht.

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