Firefox 4: Die Generalüberholung ist gelungen

Rifkin Zaroc
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Fast zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Firefox 3.0 gibt es seit dem 22. März die Version 4 des beliebten Browsers. Wie nach so langer Zeit zu erwarten, bietet Mozilla eine Rundumerneuerung, die dringend nötig war. Wir untersuchen, ob die Firefox-Modernisierung gelungen ist.

Einst hatte Firefox die marktbeherrschende Stellung des Internet Explorers von Microsoft gebrochen. Seitdem ist eine Menge passiert. Unter anderem hat Google mit Chrome einen Open-Source-Konkurrenten veröffentlicht, der stetig an Bedeutung gewinnt. Als ein grundlegendes Problem von Firefox 3 hat sich dabei die Geschwindigkeit herauskristallisiert. In allen Bereichen kam Firefox 3.x in Tests nur auf einen Bruchteil der Geschwindigkeit von Safari, Chrome und zuletzt auch Opera.

Was ist neu?

Die wichtigste “Neuerung” in Version 4 ist also die gesteigerte Performance, denn in allen Geschwindigkeitstests hat Firefox stark zugelegt. Außerdem ist die Oberfläche deutlich schlanker, sie ist nun ähnlich übersichtlich wie bei den Konkurrenten. Die HTML5-Unterstützung wurde verbessert sowie die Standards WebM (Videowiedergabe) und WebGL (3D-Darstellung) integriert.

Darüber hinaus ist mit der Do-not-track-Einstellung eine Datenschutzoption für die Zukunft hinzugekommen. Die Integration von Add-ons haben die Entwickler komplett überarbeitet, ein Neustart nach der Installation ist nun nicht mehr zwingend notwendig. Diese Neuausrichtung hat aber auch zur Folge, dass die Anpassungen bei den Add-ons größer sein müssen und daher noch nicht alle Erweiterungen im neuen Firefox 4 funktionieren.

Konkurrenzfähige Geschwindigkeit?

Wie erwähnt hebt sich Firefox 4 beim Thema Geschwindigkeit deutlich vom Vorgänger ab. In allen von uns ausgeführten Benchmarktests konnte sich Firefox um ein Vielfaches verbessern und liegt nun in weiten Teilen im Mittelfeld. Möglich wird diese enorme Verbesserung durch die neue Javascript-Engine Jägermonkey.

Auch wenn die Werte im Vergleich zur Konkurrenz nichts Besonderes sind, zeigen sie doch, dass Firefox aufgeholt hat und von nun an in der gleichen Liga spielt. Dieser Eindruck bestätigt sich auch in der Praxis: Insbesondere bei Javascript-Inhalten arbeitet Firefox 4 spürbar schneller.

Neue Standards

Vor kurzem hat Google die Unterstützung für den proprietären H.264 Codec eingestellt, um den eigenen Standard WebM zu stärken. Mozilla stellt sich nun hinter Google und fügt WebM hinzu. Apple und Microsoft setzen aber weiterhin auf H.264, so dass der Codec nicht so schnell an Bedeutung verlieren dürfte. Bei WebGL, einem Standard für hardwarebeschleunigte 3D-Grafiken, arbeiten Mozilla und Google ebenfalls zusammen. Erstmals unterstützt wurde WebGL von Chrome 9, nun zieht Firefox nach. Safari und Opera unterstützen WebGL bisher nur in experimentellen Versionen. Wozu WebGL im Stande ist, zeigen Demos wie der Google Body Browser und Mozillas “Flight of the Navigator”. Im praktischen Einsatz ist WebGL allerdings noch kaum zu finden.

Neben diesen beiden Neuerungen hat Mozilla aber auch die Unterstützung von CSS3 und HTML5 verbessert. Der neue HTML5-Parser für Firefox ist nicht nur schneller, sondern erlaubt nun auch integrierte SVGs (Scalable Vector Graphics) und MathML (Mathematical Markup Language).

Schlanke Oberfläche

Während Firefox 3 häufig als überfrachtet wahrgenommen wird, präsentieren sich Safari, Chrome und Opera deutlich aufgeräumter und bieten mehr Platz für den eigentlichen Inhalt der Webseite. Diesem Trend ist Mozilla mit Firefox 4 gefolgt und hat die Benutzeroberfläche deutlich verschlankt.

So sind die beiden Buttons zum Neuladen und Stoppen einer Seite zu einem einzigen zusammengefasst und verkleinert worden. Dieser ist nun wie das Icon für die Startseite auf die rechte Seite der Navigationsleiste gewandert. Die Leiste für Lesezeichen ist in der Voreinstellung verschwunden, ebenso wie die Infoleiste am unteren Fensterrand, die Tabs sind über die Adresszeile verlegt worden. Die Änderungen erfüllen den gewünschten Zweck: Die aufgerufene Webseite steht absolut im Mittelpunkt.

Wie man diesen Zustand bewertet, ist wohl Geschmackssache. Für das schnelle Surfen zwischendurch eignet sich die schlanke Oberfläche bestens, wer über längere Zeit mit der selben Session arbeitet und häufig Tabs einsetzt, wünscht sich die alten Leisten aber eventuell zurück. Gelungen ist die Überarbeitung dennoch, weil man die Navigationsleisten bei Bedarf auch wieder umkonfigurieren kann.

Panoramaausblick

Ebenfalls zur neuen Oberfläche gehören sollte der Panoramaausblick. Weil die Entwickler mit der aktuellen Umsetzung noch nicht ganz zufrieden sind, ist die Funktion aber in der finalen Version 4 aus dem Interface verschwunden. Wer sie dennoch nutzen möchte, aktiviert sie mit Apfel + Umschalt + E. Im Panoramaausblick werden alle geöffneten Tabs als Thumbnails aufgelistet. So kann schnell zwischen den Tabs gewechselt werden. Es ist aber auch möglich die Tabs, ähnlich wie schon in Opera 11, zu gruppieren und diese Gruppen sogar zu benennen. Ein Wechsel zwischen den Gruppen wirkt sich dann ähnlich aus wie früher die Nutzung von zwei Fenstern desselben Browsers. In der Panoramaansicht sind aber alle Gruppen zu sehen.

Werbe-Tracking

Erst kurz vor Veröffentlichung von Firefox 4 ist der Do-not-track-Header hinzugekommen. Mit diesem können Nutzer den Seitenbetreibern mitteilen, dass keine Aufzeichnung ihres Nutzerverhaltens und der daraus resultierenden angepassten Werbung wünschen. Die damit angestoßene Idee ist gut, braucht aber bisher die Mitarbeit des Seitenbetreibers. Wann und ob die im Do-not-track-Header übertragenen Informationen ausgewertet werden, liegt allein bei ihm. Deswegen sind die Auswirkungen bisher gering und es braucht weiterhin entsprechende Add-ons, um individuelle Werbung zu verhindern.

Fazit

Die Generalüberholung von Firefox war seit langem überfällig, ist dafür aber auch rundum gelungen. In Sachen Geschwindigkeit ist Firefox 4 zwar häufig immer noch ein wenig langsamer als die Konkurrenz, der Abstand wurde jedoch so massiv verkürzt, dass im alltäglichen Gebrauch kein Unterschied mehr zu merken ist. Die aufgeräumte Oberfläche erleichtert das Arbeiten mit dem Browser weiter. Sie lässt sich gegebenenfalls anpassen und hinterlässt einen guten Eindruck. Im Bereich neuer Webstandards kann dank der Integration von WebM und WebGL nur Chrome mit Firefox 4 mithalten. Auch bei der Umsetzung von HTML 5 und CSS 3 macht Firefox Fortschritte. Sogar die von den Entwicklern selbst kritisch gesehene Panoramafunktion lässt sich schon jetzt sinnvoll nutzen.

Denjenigen, die nicht unbedingt auf eines der bisher nicht angepassten Add-ons warten müssen, können wir den Umstieg nur empfehlen. Darüber hinaus ist Firefox 4 auch für all jene wieder einen Blick wert, die Firefox irgendwann aus Performancegründen durch einen schnelleren Browser ersetzt haben.

Zudem ist die neue Entwicklungs-Perspektive von Firefox interessant: Mozilla will den Zyklus der Firefox-Erscheinungen deutlich verkürzen. So ist Firefox 5 bereits für den 21. Juni geplant. Danach soll alle sechs Wochen eine neue Version erscheinen. Mit dieser Veränderung will Mozilla Firefox konstant konkurrenzfähig halten. Man kann also hoffen, dass die guten Ideen des Do-not-track-Headers und des Panoramaausblicks schnell weiter verfolgt werden.

Vorteile:
+ um ein Vielfaches schneller geworden
+ schlankere Oberfläche
+ verbesserte HTML5 Unterstützung
+ WebM und WegGL Unterstützung
+ Do-not-track Funktion
+ Panoramaausblick für Tab-Ordnung

Nachteile:
- noch nicht alle Add-ons verfügbar
- teilweise noch etwas langsamer als die Konkurrenz

macnews.de Wertung: 4,5 von 5 Sternen

Alternativen:
- Safari
- Opera
- Chrome

Linksammlung:
Firefox 4 Download
- Test bei derstandard.at
- macnews.de Meldung zum Firefox Release Candidate
- englischsprachiges Review bei xibl.com

Weitere Themen: Mozilla Firefox, ShowIP, Mozilla Foundation

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