App-Killer Mountain Lion: Wie Apple Entwicklern den Garaus macht

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Hallo! Ich war einmal eine tolle Mac-Anwendung. Praktisch und simpel, wurde ich nach ein paar Jahren steigender Popularität und zahlreichen Downloads zu einer wahrhaftigen Institution auf den meisten Apple-Computern. Viele konnten sich ihren Mac ohne mich kaum noch vorstellen. Doch dann erwischte es mich hart: OS X Mountain Lion erschien und ich war so gut wie tot.

App-Killer Mountain Lion: Wie Apple Entwicklern den Garaus macht

Ich wurde „gesherlocked“. Ja, es gibt sogar einen festen Begriff für das, was Apple seit Jahren mit mir und meinesgleichen tut. Nämlich Funktionen schanghaien, die von Dritt-Entwicklern lange Zeit erfolgreich auf der Plattform angeboten wurden. Angefangen hat es, zumindest unter dieser Bezeichnung, im Jahre 2002.

Watson war bis zu dieser Zeit eines der populärsten Such-Programme für Inhalte aus dem weltweiten Internetz. Doch dann kam Apples eigene Anwendung namens Sherlock in der Version 3 heraus. „Danke Watson, sie dürfen gehen“, hieß es plötzlich. Für viele Fans der nützlichen Software aus dem Hause Karelia ein frecher Diebstahl am helllichten Tage.

Von diesem Zeitpunkt an hieß es also, Apple habe mal wieder „gesherlocked“, wenn eine weit verbreitete App durch Kernfunktionen des Betriebssystems ersetzt wurde. Was OS X Mountain Lion angeht, das seit dieser Woche im Mac App Store erhältlich ist, dürften gleich mehrere meiner Freunde einen heftigen Schlag erlitten haben.

Als aller erstes fällt einem dabei Growl ein. Die sanften Benachrichtigungen über Neuigkeiten aus System und Programmen haben Viele schon seit Jahren lieb gewonnen. Es ist noch nicht lange her, da verlegten die Entwickler Growl in den Mac App Store, um ihre Kosten decken zu können. Mit einer zunehmenden Verbreitung von OS X Mountain Lion wird das trotz kommerzieller Verbreitung auf einem äußerst effizienten Vertriebsweg noch schwieriger werden.

Warum? Nun, das arme Growl wurde mit der Mitteilungszentrale in Mountain Lion quasi obsolet, nutzlos und ging jeder Daseinsberechtigung verlustig! Mit zwei Fingern schnippt Apple eine treue App in den Abgrund der Vergessenheit.

Das nächste Opfer: To-Do-Apps. Spätestens seit der WWDC-Keynote Anfang Juni ist klar, dass Desktop-Rechner immer mehr Funktionen aus der Smartphone-Welt bekommen. iOS wird OS X — ein Bisschen jedenfalls. Unweigerlich haben es auch die „Erinnerungen“ auf den Mac geschafft. Wie auf iPhone und iPad kann man sich mir nichts, dir nichts zeit- oder ortsabhängig an wichtige Aufgaben erinnern lassen.

Tolle Sache, nur wer geht im Mac App Store oder anderswo auf die Pirsch und sucht nach To-Do-Listen, wenn es bereits eine gibt? Dazu noch eine, die dank iCloud mit allen iOS-Geräten synchron gehalten wird.

Die Liste meiner vom Aussterben bedrohten Artgenossen ist lang. iMessage macht es den Mobilfunkanbietern schwer, sich über SMS den enormen Datenverbrauch aktueller Smartphones quer zu finanzieren und mit den „Nachrichten“ in OS X 10.8 wird das sicherlich nicht einfacher. Die Diktier-Funktion („Siri light“) schasst Programme wie Dragon Dictate von Nuance.

Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Jetzt liegt es an uns, den Programmen und ihren Entwicklern, über die Standard-Funktionen des Betriebssystems hinauszuwachsen! Wir müssen Funktionen erweitern, Bedienungen optimieren und vielleicht an der einen oder anderen Stelle in den sauren Rabattapfel beißen. Was bleibt uns anderes übrig?

Jedenfalls ist das immer noch besser, als gesherlocked in irgendeinem verlassenen Software-Verzeichnis zu enden.

(Bild: Flickr, Autor: ingridtaylar; veröffentlicht unter CC BY 2.0)

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