Adobe Photoshop Elements 9: Voller Funktionsumfang für den Mac

Rifkin Zaroc

Die Bildbearbeitungssoftware von Adobe geht in die nächste Runde. Für Mac-Anwender ist Photoshop Elements 9 mehr als ein Update: Jetzt sind auch in der Mac-Version alle Features enthalten, die bisher den Windows Nutzern vorbehalten waren. Neu sind der Organizer und Ebenenmasken, neben einigen Effekten auch die Gesichtserkennung und die Anbindung an soziale Netzwerke.

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Photoshop Elements 9* ist nicht die einzige Neuerung von Adobe: Die Bildbearbeitung lässt sich im Paket mit dem Videobearbeitungsprogramm Premiere Elements 9 erwerben, das erstmals für den Mac erscheint. Der neue Organizer dient dabei als Mediensammler, der auch die Projekte des Schnittprogramms aufnimmt. Griffen viele iPhoto-Anwender bisher nur zur Bildbearbeitung auf Photoshop Elements zurück, können sie jetzt sowohl die Bearbeitung als auch die Medien-Verwaltung in Adobes iPhoto-Konkurrenten vereinen. Und mit Premiere Elements im Bundle könnten sie auch iMovie ersetzen – doch dazu später mehr.

Elements Organizer statt Bridge

Die vielleicht bedeutendste Änderung in Version 9 ist die neue Fotoverwaltung. Dafür setzt Adobe wie unter Windows nun den Elements Organizer ein. Für die Medienorganisation zuständig war in der Mac-Version bisher die Bridge, wie der Organizer ein Extra-Programm neben Elements. In der Creative Suite bleibt das auch weiterhin so. Der Wechsel in PSE 9 ist jedoch sinnvoll, denn der Organizer passt durch seine einfache Bedienbarkeit und zahlreiche nützliche Zusatzfunktionen deutlich besser zu Elements als die Profi-Bridge.

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Mit dem Organizer wird nun auch iPhoto Konkurrenz gemacht. Umsteigern kommt Adobe entgegen, in dem das Programm den Import der gesamten iPhoto-Bibliothek anbietet. Außerdem bringt PS Elements für fast jede iPhoto-Eigenschaft nun Entsprechendes mit: Wie iPhoto erkennt der Organizer ebenfalls automatisch Gesichter von Menschen. Die „Personenerkennung“ ist ohne Training etwas unzuverlässiger als ihr Pendant in iPhoto. Sie lernt aber dazu und erzielt danach eine bessere Trefferquote. Anders als in iPhoto lässt sie sich sogar abschalten.

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Kleinere Bildkorrekturen wie automatische Kontrast- und Schärfeverbesserung können direkt im Organizer vorgenommen werden. Für Funktionen, die dort nicht direkt verfügbar sind, wird automatisch Photoshop Elements gestartet, wo sich das Bild in vollem Umfang bearbeiten lässt. Der Elements Organizer ist ähnlich wie iPhoto in der Lage Fotos automatisch nach den Aufnahmeorten zu sortieren. Die aus iPhoto bekannte und beliebte Kartenansicht vermisst man jedoch.

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Fotos kreativ bearbeiten

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Photoshop Elements (PSE) ist grundsätzlich anders strukturiert als iPhoto. Zunächst öffnet es sich voreingestellt im Vollfenstermodus. Auf der rechten Seite befinden sich die drei wesentlichen Bild-Entwicklungsschritte: Bearbeiten, Erstellen (Fotocollage, Bildband, …), Weitergabe (Online, E-Mail, Flickr, ….). Fotos lassen sich in drei Prozess-Reitern (Vollständig, Schnell und Assistent) bearbeiten. Im Modus „Vollständig“ stehen alle Werkzeuge sowie Ebenen und Spezialeffekte zur Verfügung.

Eine wichtige Neuerung unter den Werkzeugen gibt es bei dem Reparaturpinsel, der nun kontextsensitives Füllen beherrscht. Damit können unerwünschte Gegenstände auf einem halbwegs gleichmäßigen Hintergrund schnell entfernt werden.

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Vorher: Störende Kabel mit Reparaturpinsel behandeln.

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Nachher: Der Reparaturpinsel hat ganze Arbeit geleistet.

Unter dem Punkt „Schnell“ verbergen sich Einstellmöglichkeiten für Beleuchtung, Farbe, Balance und Bildschärfe, außerdem sind dort Werkzeuge zur automatischen Korrektur etwa von roten Augen erreichbar. Zu den Assistenten im dritten Unterreiter zählen neben vielen bekannten auch der neue Unterpunkt „Kreative Bearbeitung“. Hier stellt Adobe verschiedene Spezialeffekte zur Verfügung: Der Lomo-Effekt entwickelt Bilder in der gleichnamigen Kunstrichtung, benannt nach der lichtstarken, russischen Fixfokus-Kamera.

Mit dem Out-of-Bounds-Assistenten kann man Teile eines Fotos freigestellt aus diesem herausragen lassen. Durch Verkleinerung der Bildgröße wird suggeriert, dass eine Person aus einem Foto heraus geht oder ein Gebäude über den Rand hinausragt.

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Der Assistent „Perfektes Portrait“ verhilft durch viele kleine Schritte wie Glätten der Haut (Selektiver Weichzeichner) und Entfernen von Schönheitsfehlern zu einem deutlich verbesserten Portrait. Außerdem gibt es Assistenten zum Erstellen von Pop-Art Fotos und zum Spiegeln von Fotos. Dank der ausführlichen Erklärungen, zum Teil mit Lehrvideos, lassen sich die Effekte leicht umsetzen und laden zur kreativen Gestaltung ein.

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Photomerge: Bild-Stil übertragen.

Besonders ein „Perfektes Portrait“ gelingt so recht einfach und könnte Bewerbungsfotos den entscheidenden Glanz verleihen. Und endlich ist es auch in Photoshop Elements möglich, mit Ebenenmasken zu arbeiten. So lassen sich Teile eines Bildes ausblenden (maskieren) oder mit einem anderen Hintergrund versehen. Nützlich ist das zum Beispiel bei teilkolorierten Schwarzweißfotos oder teilentfärbten Farbfotos.

Bilder weiter verarbeiten

Eine interessante Ergänzung dürfte der nun integrierte Upload von Bildern zu Flickr oder Facebook sein, den es bei iPhoto schon seit längerem gibt. Bei der ersten Benutzung authentifiziert man sich mit seinem Account, danach klappt der Ablauf reibungslos. Erfreulich ist, dass Fotos automatisch entsprechend den jeweiligen Vorgaben verkleinert werden. Deutlich erweitert wurde die Möglichkeit, Bildbände, Grußkarten und Collagen zu gestalten. Die Layouts sind optisch überwiegend ansprechend gestaltet und lassen sich schnell und ohne viel nach zu arbeiten füllen. Die Ergebnisse sind denen von iPhoto vergleichbar, deswegen ist besonders ärgerlich, dass Adobe in Deutschland mit keinem Anbieter zum Ausdrucken der Fotoalben kooperiert. Immerhin ist ein PDF Export möglich, so dass man, wenn man nicht selbst drucken will, mit etwas Mehraufwand eine Druckerei oder einen Fotodienstleister dafür finden kann. Trotzdem ist iPhoto in diesem Punkt dank direkter Bestellfunktion überlegen.

Fazit

Photoshop Elements 9* ist ein gelungenes Bildbearbeitungsprogramm für den Hobbyanwender. Viele automatische Korrekturen und eine einfache Handhabung ermöglichen es auch dem Gelegenheitsanwender, gute Ergebnisse zu erzielen. Version 9 bringt vor allem für den Mac eine Reihe wichtiger Neuerungen. Der Organizer fügt sich gut in das Gesamtpaket Elements ein und ist dank iPhoto-Import schnell zu integrieren. Mit dem nun automatisierten Upload zu Flickr und Facebook erhält ein lange ersehntes Feature Einzug in Photoshop Elements. Der Funktionsumfang wurde deutlich erweitert, um viele kreative Funktionen zum Experimentieren, wie etwa den Out-of-Bounds-Effekt, aber auch um einige wirklich nutzenorientierte wie den Assistenten für ein Perfektes Portrait. Die Ebenenmasken machen nun sogar anspruchsvolle Bildbearbeitung möglich. Wer Photoshop Elements

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weiterhin nur als Ergänzung zur Bildverwaltung mit iPhoto nutzen möchte, erhält mit Version 9 nur eine Reihe kleinerer Verbesserungen für relativ viel Geld. Nur wenn man eine neue Funktion wirklich braucht, lohnt sich das Update. Für diejenigen, die zukünftig ihre Fotos und Videos mit dem Elements Organizer verwalten wollen, ist das Update nicht zu teuer*. Der Organizer ist zwar teilweise schwächer als iPhoto, arbeitet aber sehr gut mit der Bildbearbeitung durch Photoshop Elements zusammen und bietet insgesamt mehr Einstellungsmöglichkeiten. Version 9 bringt außerdem Premiere Elements für die Videobearbeitung auf den Mac, das wir ebenfalls vorstellen wollen.

Photoshop Elements 9*

Preis: 99 Euro (PSE 9), Update 81 Euro, Bundle mit Premiere Elements 149 Euro
Preis-Update: Bis zum 5.1.2011 gibt es Photoshop Elements 9* herabgesetzt für 83,95 Euro, das Programm-Update für 68,78 Euro.

Weitere Informationen:

Produktbeschreibung bei Adobe
Systemvoraussetzungen
kostenlose Testversion (30 Tage)

Testberichte:

AptgetupdateDE: Adobe Photoshop Elements 9 für Mac im Test
Heise.de: Photoshop Elements 9 im Kurztest
Chip.de: Photoshop Elements 9 mit Ebenen & Content Aware
Macwelt.de: Adobe Photoshop Elements 9 Test

Weitere Themen: Adobe Photoshop, Adobe Photoshop Elements, Adobe

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