Im Kino: Number 23

Leserbeitrag
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(Daniel) Der Kult um die mysteriöse Zahl 23 ist schon seit einiger Zeit nicht mehr nur das Spielfeld verschrobener Nerds und Verschwörungstheoretiker. Nun gibt es für alle Freimaurer und Paranoiden dort draußen sogar (mal wieder) einen eigenen Film.

Im Kino: Number 23

Über das angebliche oder tatsächliche Phänomen, dass diese spezielle Ziffer immer wieder an entscheidenden Wendepunkten der Menschheitsgeschichte auftaucht und sich alles Mögliche auf sie zurückführen lässt, existieren bereits zahlreiche Bücher, in der Zeit des Internets natürlich noch mehr entsprechende Homepages, und auch einen ernsthaften Spielfilmbeitrag zum Thema gab es ja bereits aus deutschen Landen mit Hans-Christian Schmids ausgezeichnetem und konsequent betiteltem “23 – Nichts ist so, wie es scheint”. Ein Hollywood-Beitrag stand aber bisher noch aus. Hier ist er nun, und der Name Joel Schumacher auf dem Regiestuhl bürgt geradezu dafür, dass die bisher zumindest noch ein wenig ominöse 23 nun auch endgültig im Mainstream angekommen ist.

Walter Sparrow (Jim Carrey) führt eine eher unauffällige Existenz, übt den etwas ungewöhnlichen Beruf des Hundefängers aus und ist ansonsten mit sich, dem Leben sowie Frau Agatha (Virginia Madsen) und Sohnemann Robin ziemlich zufrieden. Dies ändert sich, als Agatha ihm ein Buch namens “The Number 23″ schenkt, welches auf Walter schon bald eine große Faszination ausübt. Bei jeder Gelegenheit liest er weiter in der Geschichte einer armen Seele, die sich in einer dramatisch ausgeschmückten Kunstwelt immer mehr in eine Obsession mit der Zahl 23 verstrickt und schließlich zum Mörder wird. Abgesehen vielleicht von dieser Wandlung meint Walter zahlreiche Parallelen zu seinem eigenen Leben, vor allem seiner Kindheit zu entdecken und auch er sieht plötzlich überall die 23 oder zumindest Kombinationen dazu. Für Agatha bedeutet diese Entwicklung zunehmenden Grund zur Sorge um den Zustand ihres Mannes, schließlich wird der Psychiater und Freund Isaac French (Danny Huston) hinzugezogen. Walter jedoch verliert Stück für Stück jegliches Vertrauen in Freunde und Familie und begibt sich auf einen gefährlichen Weg, um die Herkunft des unheimlichen Buches zu entschlüsseln.
Von Jim Carrey sind wir mittlerweile ja schon ein klares Entweder-Oder gewohnt, seine Filme lassen sich seit einiger Zeit in die beiden Kategorien “leichte Mainstreamkost” oder “anspruchsvolles Melodram” einteilen. Auf jeden “Grinch” folgt ein “Majestic”, auf den “Bruce Allmächtig” ein “Vergiss mein nicht”. Kommerziell erfolgreich sind die ambitionierten Projekte Carreys dabei eher nicht (von der Ausnahme “Truman Show” abgesehen), aber dafür meistens doch ziemlich gut.
Demzufolge wäre nach “Dick und Jane” nun also wieder schwerere Kost angesagt, und danach sieht “Number 23″ auf den ersten Blick auch aus. Ernstes Thema, düstere Stimmung, milchige Farbfilter, eine Reise an die Grenze des Wahnsinns.

Ergänzt wird dieses Spektrum durch die Visualisierung der von Walter Sparrow vorgelesenen Bucherzählung des Detektivs Fingerling (ebenfalls dargestellt von Jim Carrey) in einem unwirklichen und mit rasanten Kamerafahrten angereicherten Stil, der in seiner bemühten Coolness ab und zu aber haarscharf an der Albernheit vorbei schrammt. Dies ist schließlich nicht “Sin City”, wäre dort aber sicher besser aufgehoben. Ganz exquisit dann der Versuch, dem Zuschauer die Allgegenwart der “23″ (sowie die zu dieser Zahl führenden Kombinationsmöglichkeiten) mit einem Stakkato an über die Leinwand wandernden und springenden Ziffern zu verdeutlichen. Manchmal sicher ein bisschen zu viel des Guten, insgesamt aber doch recht hübsch gemacht. ?Interessant ist ein Vergleich der beiden Hauptcharaktere, denn während Jim Carrey vor allem als etwas verhuschter und langsam abdriftender “Normalo” Walter überzeugt, als lässiger Detektivverschnitt aber nicht immer, kann Virginia Madsen als Hausfrau und Mutter zunächst nur wenig zeigen, läuft dann aber dafür als Femme Fatale der Fantasiewelt zu großer Form auf.

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