iPad-Magazine: Leser springen schneller ab

Flavio Trillo
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Marktforschungen in den USA haben ergeben, dass Leser von digitalen Publikationen auf dem iPad viel schneller zwischen Webseiten, E-Mail und Magazin wechseln, als zunächst angenommen. Die Probanden, ein Sammelsurium aus regelmäßigen Lesern von iPad-Publikationen, sprangen bisweilen innerhalb von Sekunden zu Amazon und Co. um dort Preise für beschriebene Produkte zu recherchieren.

Das bedeute einerseits, dass die Anwender das Potential des iPad erkennen und sich nicht innerhalb der Grenzen herkömmlicher Print-Magazine bewegen. Gute Nachrichten für die Werbeindustrie, mag man meinen. Doch für die Schöpfer der Inhalte stellt sich die Frage: Wie halte ich meine Leser am Ball? Die Hürde, auf dem iPad zum mobilen Safari zu wechseln und dort nach Produkten zu suchen oder auch nur E-Mails oder Facebook-Meldungen nachzusehen, ist sehr niedrig. Ganz im Gegensatz zu dem “Aufwand”, eine Zeitschrift beiseite zu legen und den Rechner anzuschalten oder sich gar höchstselbst in den Fachhandel des Vertrauens zu begeben.

Eine weitere Erkenntnis der Studie, erklärt Megan Miller von Marktforschungsinstitut Bonnier, ist die scheinbare Unfähigkeit vieler Leser, zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung zu unterscheiden. Sobald eine ganze Seite des iPad-Magazins sich mit nur einem Produkt beschäftigte, und das in Form eines Tests oder einer simplen Beschreibung, wurden die Inhalte als Werbung abgetan. “Dabei haben wir Personen mit Bildungshintergrund eingeladen, das waren keine Dummies”, zeigt sich Miller erstaunt.

Der Unterschied zu Print-Magazinen liege in der anderen Herangehensweise des Anwenders. Während Leser eines Magazins dieses quasi zum Selbstzweck aufschlagen und darin gezielt nach Informationen suchen oder auch nur blättern, haben iPad-Nutzer vor allem eines im Sinn: Das iPad zu nutzen. Ob dabei im Internet gesurft, gespielt oder gelesen wird, sei eher zweitrangig. Dementsprechend schwierig sei es, die Aufmerksamkeit des Lesers über längere Zeit zu fokussieren.

Was man also braucht, ist eine Art Ritalin für den Leser, um seine Sprunghaftigkeit im Zaum zu halten. Eine andere Möglichkeit wären spannende und angepasste Inhalte. Mit dem Wissen, dass selbst redaktionelle Artikel schnell für Werbung gehalten werden und Leser schon nach sehr kurzer Zeit anderweitig abgelenkt sind, müssen Verlage und Redakteure ihre Arbeit auf die neuen Rahmenbedingungen abstimmen.

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