HTC Thunderbolt: Verizon radiert Skype-Videochat aus

Frank Ritter
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Miniwahr in Droidland: Als hätte es die Ankündigung nie gegeben, radiert der US-Mobilfunkanbieter Verizon derzeit die viel beworbene Skype-Integration aus allen Vorankündigungen, Webseiten und Werbemitteln zum HTC Thunderbolt aus, so als wäre das Feature nie angekündigt worden. Ein Hinweis darauf, dass Skype von Exklusiv-Partnerschaften absieht?

HTC Thunderbolt: Verizon radiert Skype-Videochat aus

Das HTC Thunderbolt wurde von Verizon damit beworben, dass man damit Skype-Videotelefonie über das LTE-Netz nutzen könne. Heute geht das Gerät in den USA in den Handel, von Skype jedoch ist keine Rede mehr. Im Gegenteil: Verizon sandte Sticker an die eigenen Ladengeschäfte aus, mit denen auf Werbepostern die Skype-Integration überklebt wird. Stattdessen wird Videostreaming per DLNA beworben.

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Bilder: droid-life

An die Mitarbeiter der US-Amerikanischen Handelskette Best Buy ging ein Memo heraus, dass Skype Videochat für das Thunderbolt “nicht verfügbar” sein wird. Wohlgemerkt: nicht “noch nicht”, sondern “nicht”. Auch die Webseiten von HTC und Verizon listen die Skype-Integration nicht mehr.

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Es hätte so schön sein können…

Was könnte das bedeuten? Nun, die exklusive Verfügbarkeit von Skype-Videochat auf dem Verizon-Thunderbolt wäre ein gutes Verkaufsargument für das Gerät gewesen, hätte aber auch alle nicht Verizon-Thunderbolt-Nutzer erzürnt. Wir erinnern uns an die Anfangszeit von Skype unter Android zurück: Nachdem Skype zunächst eine öffentliche “Skype Lite Beta” unters Volk gebracht hatte, mit der man lediglich Textnachrichten senden und empfangen konnte, wurde diese plötzlich nicht mehr weiterentwickelt. Stattdessen erhielt Verizon eine weltweit exklusive Skype-Version mit Sprachübertragung. In der Zwischenzeit hagelte es harsche Kritik von Android-Nutzern weltweit, die nicht verstehen konnten, dass es keine echte Skype-Version für das immer stärker werdende Android und für alle Geräte/Mobilfunkanbieter geben sollte. Es dauerte etwa ein Jahr – bis zum Oktober 2010 – bis Skype eine Version für alle Android-Geräte nachschob. Das PR-Desaster konnte dadurch freilich nicht ungeschehen gemacht werden.

Wir vermuten, dass Skype im letzten Moment zur Besinnung gekommen ist und einen weiteren Exklusivvermarktungs-Fauxpas vermeiden wollte. Da Android mit den Versionen 2.3 “Gingerbread” und 3.0 “Honeycomb” nun endlich eine API (Programmierschnittstelle) zum Ansteuern der Frontkamera von Android-Handys und -Tablets anbietet, dürfte Skype sich darauf konzentrieren, eine Version für alle Android-Geräte herauszubringen.

Das würde insofern Sinn ergeben, als dass Skype damit das erste Produkt wäre, das eine alle wichtigen Plattformen (Windows, Mac OS, Android, iOS) übergreifende Videotelefonielösung anbieten würde. Der große Konkurrent Google Talk ist mit Videochat auf Honeycomb-Tablets verfügbar und arbeitet an Videochat auf Android-Smartphones. Apple hat bereits Facetime unter iOS und Mac OS — darauf muss Skype reagieren, und zwar schnell und in der Breite. Ein Exklusivdeal mit HTC und Verizon dürfte dem im Weg stehen. Skypes Zukauf von Qik lässt uns darauf hoffen, dass es bald endlich Skype-Videotelefonie für Android-Geräte gibt, wohlgemerkt: für alle Geräte. Und das wäre eine gute Nachricht

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