Skype und Lync vereint: Microsoft integriert das Büro ins Wohnzimmer

Marco Kratzenberg

Als Microsoft damals die Telefonie- und Chatplattform Skype kaufte, da waren die Beobachter gespaltener Meinung. Die Einen fragten sich, was MS mit einem Chat- und Telefoniesystem wollte. Die sollten doch lieber bei Officeprogrammen und Betriebssystemen bleiben. Die Anderen glaubten, dass Microsoft jetzt endlich einmal etwas richtig gemacht hatte und gerade noch früh genug in eine Technologie investierte, die Zukunft hatte.

Was der breiten Öffentlichkeit bis dahin entgangen war, ist die Tatsache, dass Microsoft zu dieser Zeit bereits in mehrere eigene Systeme dieser Art investiert hatte. Es gab den Windows Live Messenger, der seinerseits Nachfolger des MSN Messengers war. Und viel weniger bekannt ist eine Lösung namens Lync, die gleich mehrere Dinge schaffte: Sie finanzierte sich durch zahlende Kunden aus der Businesswelt, sie brachte Sicherheit in die weltweite Officekommunikation und verband Officesysteme miteinander. Mit Lync kann man chatten, telefonieren, aber auch Live Meetings abhalten. Das System ermöglich das gemeinsame Arbeiten an Office-Dokumenten und vereinfacht generell die Zusammenarbeit entfernter Partner. Nur “nach Hause telefonieren” geht damit nicht...

Jetzt wachsen Skype und Lync zusammen

Nach der Übernahme durch Microsoft änderte sich Skype etwas. Unter anderem tauchte irgendwann die Möglichkeit auf, sich mit einem “Microsoft-Konto” bei Skype anzumelden. Nicht jedem war klar, was damit gemeint war. Eine Microsoft-eigene Emailadresse? Ein Account beim (mittlerweile eingestellten) Live-Portal? Ein Konto beim Windows Live Messenger? Auf jeden Fall hatte MS ganz offenbar vor, Skype und all seine anderen Dienste miteinander zu verbinden.

Das Ergebnis ist ein Zusammenwachsen zweier Systeme, die sich eigentlich von vornherein recht ähnlich waren. Doch – um eine Metapher zu verwenden – wenn man jetzt im großen Club mitmachen will, muss man dem Verein beitreten. Die Verbindung zu Skype war bislang mit den alten Skype-Kontodaten und einem Microsoft-Konto möglich. Das wird (voraussichtlich) auch weiterhin zu bleiben. Um jedoch über Skype seine Kontakte aus dem Lync-Netzwerk zu erreichen, muss man sich mit seinem Microsoft-Konto anmelden. Dieses kann man sich innerhalb weniger Minuten in der Skype-Oberfläche selbst anlegen und dann sofort loslegen.

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Und was hat man vom Skype-Lync-Zusammenschluss?

Nicht nur auf den ersten Blick sieht es so aus, dass das, was Microsoft als “großen Tag” feiert, in erster Linie einem der beiden Partner Vorteile bringt. Die große, weite, weltumspannende Welt der Otto Normalverbraucher-Skyper wird sich das relativ gelassen ansehen und größtenteils sogar mit einem Schulterzucken abtun. Da Lync bis dato ein in sich abgeschlossenes Netz war, weiß kaum jemand auf der Welt, ob einer seiner Freunde vielleicht dort ein Konto hat.

Doch aus der Gegen-Perspektive sieht das ganz anders aus. Lync-Nutzer haben nun auf einmal Zugang zu einer Welt von Millionen von Menschen – von denen jeder 2-3 brachliegende Skype-Konten hat. Und vor allem haben Lync-User nun auch ein Tor zu Außenwelt. Sie können aus ihrem Firmennetzwerk heraus Kontakt zu Ihrer Familie und ihren Freunden in der Skype-Welt aufnehmen bzw. von ihnen erreicht werden. Und sie können Kontakt mit kleinen Firmen aufnehmen, die zur internen Kommunikation nicht auf Lync zurückgreifen können oder wollen.

Ganz einfach gesagt, hat man von der Skype-Lync-Vereinigung genau das, was Microsoft propagiert: Wenn man das brauchen kann, ist es endlich möglich, direkte Verbindungen von den Mitgliedern eines Netzes zu denen des anderen Systems herzustellen. Als Lync-Benutzer kann ich nun all meine Skypefreunde aus der Link-Oberfläche heraus erreichen – und umgekehrt. Das ist also nicht unbedingt etwas, das nun die große Masse der Menschheit zum Jubeln bringt, aber immerhin für eine ansehnliche Zahl von Menschen schon eine Erleichterung. Und nach dem was in Nebensätzen der Microsoft-Vertreter immer wieder durchschimmert, handelt es sich dabei auch nur um einen ersten Schritt.

Wie sieht die weitere Zukunft des Paares Skype-Lync aus?

Welches die nächsten Schritte sein werden, kann man nur spekulieren. Momentan funktioniert die gegenseitige Erreichbarkeit nur mit den Desktop-Anwendungen von Lync und Skype. Die jeweiligen Clients auf Tablets und Smartphones werden folgen. Doch was kommt dann vielleicht noch?

Lync hat dem Skype-System ja die gemeinsame Zusammenarbeit, z.B. an Powerpoint-Präsentationen oder Whiteboards, voraus. Und so etwas, zumindest in abgespeckter Form, in Skype einzufügen, würde auf jeden Fall einen potentiellen Anwenderkreis in Unternehmen ansprechen. Hingegen würde es wenig Sinn machen, die Messaging-Marktführer wie Whatsapp im Smartphonesektor anzugreifen. Dann schon eher eine vernünftige Verbindung zwischen Smartphone-, Desktop- und Tablet-Clients, wie sie Whatsapp nach wie vor nicht schafft und wie Viber sie unter Windows gerade mehr schlecht als recht etabliert.

Bis jetzt liegt der Vorteil dieser Verbindung eindeutig auf Seiten der Lync-User und um aus so einem Ereignis wirklich einen großen Tag zu machen, wäre bei der Verteilung der Gaben jetzt mal die viel größere Skype-Gemeinde an der Reihe. Übrigens gibt es noch einen weiteren Gewinner: Wenn sich irgendwann jeder mit einem Microsoft-Konto bei Skype anmeldet, kann MS endlich mal die Riesenmenge von “Karteileichen” beseitigen. Es wird geschätzt, dass weitaus mehr als die Hälfte aller Skype-Accounts die nicht beseitigten Überbleibsel eines kurzen Flirts mit dem Chatsystem sind.

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