Heute im Kummerkasten: Gebraucht und doch ganz frisch

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Am Index hängt, zum Index drängt doch alles: Ob Spotlight kein Licht mehr ins Dunkel der unübersichtlichen Dateiablage bringt oder Mail.app hyperaktiv selbst E-Mails anlegt, rückt man den Index-Dateien zu Leibe, stellt sich am Mac wieder Wohlbefinden ein. Etwas umständlicher ist hingegen, einen Mac in den fabrikfrischen Auslieferungszustand zu versetzen. Doch dafür schenkt man dem zukünftigen Besitzer ein Erlebnis, das sonst nur Neukunden erfahren dürfen: Einschalten, konfigurieren, loslegen.


Wenn bei Spotlight die Lichter ausgehen

Nicht suchen, sondern finden: So bewirbt Apple die zugegebenermaßen überaus praktische Suche mit Spotlight. Doch bei macnews.de-Leser Matthias in Fulda findet Spotlight nichts mehr – und Matthias sucht Hilfe.

“Nachdem ich auf meinem MacBook vor geraumer Zeit einmal versehentlich in einer OnyX-Beta die Spotlight-Indizierung ausgeschaltet hatte, lässt sie sich seitdem partout nicht mehr aktivieren. Ich hatte auf 10.5.3 gehofft, aber auch nach dem Update funktionier die globale Suche immer noch nicht. Habt ihr vielleicht einen Tipp auf Lager?”

Haben wir: Immer hübsch vorsichtig sein, wenn man Beta-Versionen einsetzt von Systemtools, die noch nicht fehlerfrei arbeiten. Doch genug der Häme, denn OnyX ist ein Super-Tool, um als Administrator viele versteckte Funktionen und Wartungsaufgaben zu aktivieren. Normalerweise schafft das Neuanlegen des Spotlight-Index mit OnyX selbst die Probleme aus dem Weg, doch diese Funktion im Bereich “Optimieren” unter dem Reiter Neuaufbau hat mit einer finalen Version von OnyX nicht funktioniert. Dann rücken wir dem Problem eben auf Hausfrauenart zu Leibe: Die Spotlight-Datenbank, in der Mac OS X den Index der Festplatte abspeichert, um schnell zu Suchergebnissen zu kommen, befindet sich auf der obersten Ebene der Festplatte – unsichtbar in einem Ordner.

Doch unsichtbare Dateien und Ordner (ihr Dateiname beginnt mit einem Punkt) kann man am Mac sichtbar machen – wieder mit OnyX. Diese Funktion findet sich in der Abteilung “Parameter” unter dem Reiter Finder: Jetzt zeigt Matthias” Mac auch den Ordner “.Spotlight-V100″ an, den er einfach in den Papierkorb schiebt und löscht. Danach macht Matthias die einst unsichtbaren Dateien auf demselben Weg wieder unsichtbar und es schließt sich ein Neustart an. Brav beginnt das System nun mit der Neu-Indexierung der Festplatte, die allerdings einige Stunden dauern kann.

Natürlich lässt sich die Neu-Indexierung auch über Terminalbefehle realisieren, Apple stellt hier Entwicklern und anderen Kundigen der Kommandozeile die entsprechenden Befehle des Spotlight-Prozesses mdutil vor. Wer hingegen nicht mit dem Terminal vertraut ist, kann auch einen sanfteren Weg einschlagen als wir mit unserer Hausfrauenlösung: Apple empfiehlt nämlich die Neuindexierung über einen kleinen Trick in der Systemeinstellung Spotlight: Man füge das betroffene Laufwerk kurzfristig in die Liste für die Privatsphäre ein und lösche danach den Eintrag wieder. Dies soll zum selben Resultat führen.

Wie von Geisterhand: Mail.app wird hyperaktiv

Ist das ein Fall eines Aufmerksamkeitsdefizits-Syndrom – einhergehend mit einer Hyperkinetischen Störung? Nur wenige Kilometer weiter in Hessen, zwischen Vogelsberg und Taunus macht sich das Mail-Programm unseres Lesers Stefan selbständig – und das seit nun zwei Wochen: “Es erzeugt neuerdings selbständig E-Mails aus empfangenen oder früher gesendeten Mails und speichert diese unter “Entwürfe”. Wenn ich die nun alle markiere und lösche, erscheinen sie zunächst in halb transparenter Schrift und lassen sich anschließend gar nicht mehr entgültig löschen.” Stefan benutz Mac OS X 10.5.4 und verwaltet mit Mail.app zwei Konten – eines bei web.de und das andere ist auf dem Mail-Server seiner Hochschule beheimatet.

Die Bildschirmfotos, die unser Leser mitschickt, lassen eine andere Auslegung als einen Betriebsfehler von Mail.app nicht zu. Nur das mit den grauen Listeneinträgen, das kennen wir aus anderen Mail-Clients, wenn die lokale Kopie gelöscht, die Mail auf dem IMAP-Server aber noch vorhanden ist und zum entfernten Löschen ansteht. Wir fragen nach, denn wir haben einen Verdacht: Hat Stefan vor Kurzem von Tiger auf Leopard aktualisiert? Das ist der Fall, wird uns bestätigt – und statt Ritalin zu verschreiben, was bei Hyperaktivität gängige Medikation ist, kümmern wir uns lieber um die Ursachen.

Stefan ist nämlich nicht der erste, der sich nach dem Leopard-Umstieg bei uns meldet und sich über seltsames Fehlverhalten von Apples Mail-Client beklagt. Auch bei Florian in Braunschweig zeigte sich Mail.app mit der seltsamen Störung, dass nach einem Doppelklick auf den Listeneintrag einer Mail das Programm eine ganz andere Mail geöffnet hat. In beiden Fällen hat sich offenbar der Mail-Index heftig verschluckt und kommt nun aus dem Husten nicht mehr heraus.

Zugegeben, der Kummerkasten doktert gleich ein wenig herum – und darum ist allen Nachahmern ein Backup dringend ans Herz gelegt. Aber bei beiden macnews.de-Lesern hat folgendes geholfen: In der Library des Benutzerordners legt Mail im gleichnamigen Ordner (bis auf die Programmvoreinstellungen) alle Daten ab, fein säuberlich geordnet nach POP3-, IMAP- und .Mac-Accounts. Daneben befinden sich die einzelnen Signaturen, nur lokal vorhandene Postfächer, die festgelegten Mail-Regeln und der “Envelope Index”. Offenbar liegt hier das Problem, dieser Index wird bei einigen Anwendern beim Umstieg zu Leopard nur unzureichend aktualisiert. Abhilfe schafft das Herausbewegen dieser Datei an einen anderen Ort (oder das sofortige Löschen, wenn man denn ein Backup hat). Während dieser Aktion sollte Mail.app nicht gestartet sein, nach dieser Aktion sollte sich der Anwender vom System abmelden und wieder anmelden – oder gleich einen Neustart machen. Nach dem nächsten Aufruf von Maill.app legt das Programm den Index neu an.

Bei Stefan ist nun alles wieder proper, Florian hatte kurzfristig eine erhöhte Pulsfrequenz, als alle seine Mails verschwunden waren. Doch bei ihm brachte der erneute Import der POP3- und IMAP-Postfächer über den entsprechenden Befehl im Menü “Ablage” die gesamte Korrespondenz wieder auf den Bildschirm. Vorsicht sollten aber alle Anwender walten lassen, deren (einzelne) Accounts auf über zwei Gigabyte Größe anschwellen: Dann hat auch Mail.app Probleme, die elektronische Post zu verwalten, was im ungünstigsten Fall zu Datenverlusten führen kann.

Zurück auf Anfang: Den Mac fabrikfrisch machen

Es ist doch stets ein Fest: Man kauft einen Mac beim Händler, stellt ihn zu Hause auf den Schreibtisch, schaltet ihn ein und – tätärätä: Den glücklichen Erstbesitzer grüßt Cupertino und heißt ihn mit einem kleinen Intro-Video willkommen am Macintosh. Gleiches erleben auch Umsteiger, die die Betriebssystemversion wechseln – und stets stellt sich ein Hochgefühl der Leichtigkeit ein.

Doch warum sollen nur die Erstbesitzer in den Genuss dieser persönlichen und einmaligen Begrüßung kommen, fragt sich macnews.de-Leser Olli aus Fulda. Denn bei ihm steht ein neuer Mac zur Anschaffung an – und den alten will Olli verkaufen. “Jetzt würde ich gerne dem neuen Käufer den Mac so einstellen, wie ich den Mac von Apple erhalten habe. Wenn der neue Käufer den Mac zum ersten Mal einschaltet, soll das Begrüßungsvideo laufen mit der anschließenden Konfigurationsprozedur. Ich kann mich erinnern, dass es dafür einen Trick gab.” Daran können wir uns auch erinnern – und mit ein wenig Hilfe von Freund Google finden wir sogar zwei Tipps.

Da Apple mit Einführung von Mac OS X 10.5 einiges an der Benutzerverwaltung verändert hat, ist das Vorgehen unter Leopard ein wenig anders als auch den älteren Systemen. Die Vorarbeit aber ist identisch:

  • Nachdem Sie alle Ihre Daten in einem Backup gesichert oder bereits auf einen anderen Mac migriert haben, greifen Sie zur seinerzeit mitgelieferten System-DVD und starten den Mac von dort. Entweder doppelklicken Sie das Symbol für “Mac OS X installieren” oder Sie halten beim Start (mit eingelegter DVD) die “C”-Taste gedrückt und erzwingen den Systemstart von der DVD.
  • Nach Auswahl der Standardsprache können Sie nun das ursprüngliche System installieren und dabei auch festlegen, dass die Daten auf der Festplatte gelöscht werden sollen. Umsichtigen Anwendern raten wir, das Festplatten-Dienstprogramm im Menü “Dienstprogramme” aufzurufen: Hier können Sie vorab die Festplatte löschen und auf alle Sektoren Null-Werte schreiben lassen, nach Wunsch kann dieser Vorgang mehrmals wiederholt werden. So stellen Sie sicher, dass Ihre persönlichen Daten tatsächlich nicht mehr wiederhergestellt werden können. Kalkulieren Sie je nach Durchlaufzahl einige Stunden, bei großen Festplatten und 35-fachem Nullen auch mehrere Tage ein.
  • Anschließend führen Sie eine Standardinstallation wie vom Installationsprogramm vorgeschlagen durch.
  • Zum Ende der Installation zeigt der Mac das Begrüßungsvideo und geleitet durch die erste Konfiguration. Geben Sie die grundlegenden Informationen zum Benutzer ein (Sie können Phantasiewerte verwenden) und brechen Sie den Registrierungsprozess mit einem beherzten “Apfel” + “Q” einfach ab.
  • Wenn Sie dem neuen Besitzer einen Gefallen tun wollen, dann aktualisieren Sie mittels der systemeigenen Software-Aktualisierung das installierte System auf den neuesten Stand. Hierfür müssen Sie den Mac wahrscheinlich mehrmals neu starten, um tatsächlich alle Updates zu installieren.

Soweit also die Vorbereitung, jetzt geht es ans Eingemachte – auf die Kommandozeile im Single-User-Modus. Wichtig: Im Single-User-Modus ist die US-amerikanische Tastaturbelegung aktiv, am besten legen sich Neulinge einen Ausdruck der QWERTY-Tastaturbelegung auf den Schreibtisch. Für Leopard-Anwender finden wir im Blog /dev/null die entsprechende Anleitung.

  • Den Single-User-Modus starten, indem man nach dem Gong gleichzeitig die Befehls- (Apfel-)Taste und das “S” gedrückt hält.
  • Den Befehl fsck -fy eingeben und Meldung abwarten, ob die Festplatte integer ist (optional).
  • Den Befehl mount -uw / eingeben und damit das Dateisystem der Festplatte einbinden.
  • Den Befehl rm /var/db/dslocal/nodes/Default/users/.plist eingeben.
  • Den Befehl rm /var/db/.AppleSetupDone eingeben.
  • Den Befehl rm /var/db/.AutoBindDone eingeben.
  • Den Befehl rm -r /Library/Preferences eingeben.
  • Den Befehl rm -r /Users/ eingeben.
  • Den Mac mit dem Befehl shutdown -h now herunterfahren.

Der Platzhalter muss durch den Kurznamen des vorhin angelegten “Phantasiebenutzers” ersetzt werden. die rm-Befehle löschen (remove) die angegebenen Dateien bzw. Ordner. Ganz ähnlich geht man vor, wenn man ein System bis Mac OS X 10.4.x in den fabrikfrischen Zustand zurückversetzen will. Hier hat $ cat /dev/brain > /dev/blog die entsprechenden Befehle auf Lager.

  • Im Single-User-Modus starten.
  • Den Befehl fsck -fy eingeben und Meldung abwarten, ob die Festplatte integer ist (Kann auch hier nicht schaden).
  • Den Befehl mount -uw / eingeben und damit das Dateisystem der Festplatte einbinden.
  • Den Befehl rm -rf /Users/ eingeben.
  • Den Befehl rm -rf /var/db/netinfo/local.nidb/ eingeben.
  • Den Befehl rm -rf /var/db/.AppleSetupDone eingeben.
  • Und schließlich mit shutdown -h now den Mac abschalten.

Ziehen Sie statt des einfachen Löschen das sichere Löschen mit einmaligem Überschreiben der Daten mit Nullen vor, dann ersetzen Sie den Befehl “rm” (remove) durch “srm” (save remove) – die Löschvorgänge können dann aber erheblich länger dauern. Grundsätzlich ist die vorbereitende Systeminstallation übrigens genauso wenig notwendig wie das Löschen der Festplatte, diese Schritte empfehlen sich aber, da bereits nach kurzer Zeit auch außerhalb des oder der Benutzerordner Dateien mit persönlichem Inhalt anzutreffen sind. Wollen Sie mehrere Benutzer samt ihrer Verzeichnisse löschen, dann sind die Befehle mit dem Platzhalter für jeden vorhandenen User durchzuführen.

Wer nun als nächster Benutzer den Mac wieder einschaltet, findet das installierte System vor und die Neuanlegung des ersten Benutzers wird – nach Abspielen des Willkommen-Videos – vom Systemassistenten übernommen. Das Wilkommen-Video ist übrigens auf jedem Mac vorhanden, Apple speichert es doppelt verborgen. Zunächst navigieren Sie dieses Verzeichnis an: /System/Library/CoreServices und zeigen den Paketinhalt des Systemassistenten per Rechtsklick an. Vom TransitionSection.bundle im Ordner Resources lassen Sie sich wieder den Inhalt anzeigen und finden nun wieder unter Resources die Datei “intro.mov” sowie die Tonspur “intro-sound.mp3″. Wer es etwas bequemer möchte und den gesamthistorischen Kontext nicht scheut, für den haben wir einen Rundgang durch die unterschiedlichen Intro-Videos seit Mac OS 9 bei YouTube gefunden:

Haben auch Sie eine Frage, bei deren Lösung Sie Expertenhilfe brauchen, dann melden Sie sich in unserem Kummerkasten. Schicken Sie uns eine E-Mail, gönnen Sie Ihrer Anfrage eine aussagekräftige Betreffzeile und versehen Sie Ihre Mail mit vollem Namen, Postadresse und Telefonnummer. Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir nicht alle Ihre Anfragen bearbeiten können. Bis zur nächsten Ausgabe wünschen wir Ihnen ein sorgenfreies Arbeiten.

Bildmaterial: Marcin Wichary (Teaser-Bild), Phil Romans, thp365, via Flickr.com, einige Rechte vorbehalten; Apple, macnews.de

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