Der Steam-Fluch: Das Problem mit dem Über-Angebot

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Der Klick in meine Steam-Bibliothek sollte mit den Jahren eigentlich immer schöner werden. Seit neun Jahren bin ich nun schon auf Valves Plattform unterwegs – zu Anfang noch, um Counter-Strike spielen zu können. Mittlerweile ist Steam für mich gleichbedeutend mit dem PC-Spiele-Markt. Doch mittlerweile habe ich zunehmend ein schlechtes Gewissen, wenn ich in meiner Steam-Bibliothek unterwegs bin. Daran schuld ist eine Zahl: 256.

Der Steam-Fluch: Das Problem mit dem Über-Angebot

256 Spiele umfasst meine Steam-Bibliothek heute. Laut Steam Completionist habe ich 40% dieser Spiele noch kein einziges Mal gestartet. Sicher, ganz akkurat ist das nicht, es gibt mir jedoch ein im Grunde eindeutiges Signal: Du besitzt zu viele Spiele, die du niemals alle durchspielen kannst, wirst, willst.

Da wäre etwa Doom 3: Resurrection of Evil. Das Hauptspiel habe ich vor knapp 10 Jahren durchgespielt, das Add-On habe ich jedoch verpasst. Als es im Angebot war, habe ich natürlich zugeschlagen. Vielleicht bekomme ich ja irgendwann mal Lust drauf? Und, was sehe ich da? Alle anderen Doom-Spiele sind für ein paar Euro mehr auch noch im Angebot? Na gut, dann hole ich mir auch noch Doom, Doom 2 und Final Doom. Ist ja Spiel-Historie! Muss man gespielt haben!

Selbstverständlich habe ich diese Games nie gestartet. Wie auch? Ich weiß, wie sich das Ursprungs-Doom spielt, wie es aussieht und warum es so berühmt ist. Heute macht es jedoch keinen Spaß mehr. Doch es war günstig, es ist bekannt und deswegen musste es in die Sammlung.

Dutzende meiner Steam-Spiele besaß ich bereits auf einer Konsole, bevor ich sie irgendwann in irgendeinem Sonderangebot kaufte – schließlich hat die PC-Version schärfere Texturen! Und bessere Weitsicht! Und überhaupt! Das reicht, um mich vom einfachen Klick auf “Kaufen” zu überzeugen, nicht jedoch, um anschließend auch nochmal mehrere Stunden dafür aufzubringen, das entsprechende Spiel erneut durchzuspielen.

Überhaupt, dieser verdammte, digitale Bezahl-Knopf! Wenn ich am Bäcker vorbei gehe, überlege ich mir zwei Mal, ob ich nun für 1,50€ oder 3,00€ esse. Ich bin von Natur aus sparsam. Aber wenn das Geld nicht in meinen Händen, sondern auf dem Konto liegt und unsichtbar in Valves Besitz übergeht, fehlt mir  dieses Gefühl, gerade wirklich etwas bezahlt zu haben.

Aber warum nun das schlechte Gewissen? Wie ihr in meinem letzten Artikel zur Verteidigung von kurzen Videospielen vermutlich bereits erkannt habt, denke ich, dass Videospiele mehr als bloßer Zeitvertreib sind. Ich habe den höchsten Respekt vor jedem Entwickler, der Jahre seines Lebens darauf verwendet, seine eigene, künstlerische Vision in die Tat umzusetzen. Doch in der Sekunde, in der sein Spiel vom Steam-Shop in meine Bibliothek wandert, ist es meist nur noch eines unter Dutzenden und gerät in Vergessenheit. Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber diesen Leuten, wegen der ich mich gelegentlich ehrlich schlecht fühle.

Sicher, sie haben meine Kohle in der Tasche und vermutlich ist es ihnen sogar herzlich egal, was ich nun mit dem Spiel anstelle. Trotzdem steht dieses Spiele-Hoarding eigentlich meiner grundsätzlichen Haltung gegenüber dem Medium entgegen: Dass es mehr als Zeitvertreib ist, dass jedes Spiel die alleinige Aufmerksamkeit des Spielers verdient hat.

Deswegen bin ich glücklich über das Sommerloch. “Civilization V”,  “Deadlight”  oder “Retro City Rampage” wären wohl Spiele gewesen, die ich nie weiter ausprobiert hätte, wenn es nicht die alljährliche Release-Pause gäbe. Und nun entschuldigt mich, ich muss endlich “Reus” ausprobieren.

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