Microsoft Zune: Ende ohne Anfang

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Sinnbildlich für einen Hersteller, der heute vergisst, was er gestern wollte, steht das von Microsoft beschlossene Ende des MP3 Players Zune. Abermals reagiert Redmond damit auf den neuerlichen Erfolg eines Apple-Produktes, bevor man überhaupt dazu kam, den Erfolg des vorigen nachzuvollziehen.

Es war gut gemeint, als Microsoft seinen ersten Zune vorstellte und dieser auch in einer braunen Version vorlag. Man hatte damals vielleicht traditionellen HiFi-Geräten, der so genannten „braunen Ware“ die Ehre erweisen wollen, sorgte mit dem braunen MP3 Player jedoch nur für weltweites Gelächter. Denn im Zusammenhang mit dem Cover-Screenshot der Band „CSS“ ergab sich ein perfektes PR-Desaster – eine brauner „iPod-Killer“ mit SS-Runen. Das war im Spätsommer 2006 und nahm mehr oder weniger die gesamte Misserfolgsstory des MP3 Players aus Redmond vorweg. Bescheidene fünf Jahre nach dem ersten iPod gestartet, schaffte es der Zune niemals, seine Startblöcke zu verlassen, auch jährlich neue Strategien änderten daran nichts. Microsofts jüngste Devise lautet daher, die Portierung der Zune-Software auf mobile Endgeräte anzustreben, von denen Windows Phone 7 nur eine der möglichen Plattformen darstellen soll. Während sich Apples iPod-Marktanteil seit langem oberhalb von 70 Prozent etabliert hat, musste sich der Windows-verwöhnte Hersteller Microsoft mit einer Zune-Minderheitenrolle von deutlich unterhalb fünf Prozent zufriedengeben. Und kaum hatte man den Zune vorgestellt, folgte wenige Monate später Erzrivale Apple mit seinem iPhone. Das neue Gerät belächelte Redmond zwar zunächst („Das iPhone wird unter gar keinen Umständen einen bedeutenden Marktanteil erzielen.“), hat deswegen aber nun erneut die Konzernstrategie verändert, lässt den Zune wie eine heiße Kartoffel fallen und setzt fortan voll auf das Windows Phone. Man stelle sich nur vor, Apple verhielte sich derart und zöge Mac OS X nur deswegen aus dem Verkehr, weil Windows nach wie vor so hohe Marktanteile hat und würde schließlich auch Safari einstellen, weil Microsofts Internet Explorer erfolgreicher ist. Daraus lässt sich vor allem eines ablesen, nämlich dass Microsoft zu keinem Zeitpunkt an seine eigenen Produkte glaubt. Kaum vorstellbar, was mit Windows passieren könnte, wäre Mac OS X mal eines Tages erfolgreicher ... Was wird Melinda Gates wohl jetzt ihren Kindern vorschlagen, wenn diese wieder einmal einen iPod wollen? Noch im Oktober antwortete sie auf die Frage nämlich: „Du kannst einen Zune bekommen.“

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