Leap Motion Controller: Eine grüne Banane im Test

GIGA-Wertung:
29

Mit dem Leap Motion steuert man den Computer mit Handbewegungen in der Luft. Minority Report gesehen? Genau so. Nur eben nicht im Kino, sondern auf dem Schreibtisch. Ob er dort etwas taugt, haben wir ausprobiert.

Leap Motion Controller: Eine grüne Banane im Test

Leap hat den Motion Controller im Mai 2012 vorgestellt und mit etwas Verspätung werden derzeit die ersten Kunden beliefert. Man kann sich direkt beim Hersteller für ungefähr 90 Euro eines bestellen. Die Frage ist, ob man das auch tun sollte...

Leap Motion Installation: Aller Anfang ist leicht

Nachdem man den Leap via USB angeschlossen hat, wird man zunächst durch eine Art Trainingsprogramm geleitet. Man bekommt ein Gefühl dafür, in welchem Bereich über der kleinen, etwa zwei-Finger-großen Kiste Eingaben wahrgenommen werden. Dann geht es los.

Im „Airspace“, der Anlaufstelle für Apps, findet man ein paar Programme, die speziell für das Leap Motion entwickelt wurden. Neben diversen Gratis-Anwendungen (zum Beispiel Cut the Rope) gibt es auch schon einige kostenpflichtige Programme. Diese rangieren zwischen 0,99 und 9,99 Dollar für den Mac.

Einige kostenlose kleine Spiele sollen das Gefühl vermitteln, wie man mit dem Leap am besten umgeht. Aber so ganz warm werde ich mit keinem der angebotenen Titel. Also weiter stöbern.

Leap Motion im Praxistest: Mac-Bedienung aus der Luft

Interessant ist vor allem die kostenlose App Touchless for Mac. Sie öffnet das Tor zu einer Gestensteuerung im freien Raum für die gesamte Oberfläche von OS X. Der Mauszeiger wird mit dem Finger bewegt. Klicken geht so: Finger ganz leicht nach vorne bewegen. Die Grenze zwischen der „Schwebe-Ebene“ und der „Klick-Ebene“ muss man erst einmal für sich entdecken. Dann geht es nach einer Weile einigermaßen gut.

Scrollen geht auch, einfach mit mehreren Fingern in der „Klick-Ebene“ nach oben oder unten wischen. Das klingt ziemlich leicht, ist es auch. Das Resultat ist nur leider alles andere als brauchbar.

Zum einen ist die Steuerung in der Luft, ohne jegliches Feedback sehr ungewohnt, fast unnatürlich. Vielleicht ist es auch nur wie bei den ersten Computermäusen. Man muss sich eben dran gewöhnen. Nicht ganz leicht, aber das hat man sich damals auch gedacht.

Leap Motion: Leider untauglich

Es lässt sich allerdings nicht leugnen, dass es auf Dauer schlicht ziemlich anstrengend ist, Arm, Hand und Finger ohne Ablage so durch die Luft zu bewegen. Und das auch noch möglichst präzise — keine leichte Aufgabe, nicht nur für Grobmotoriker.

Außerdem ist aktuell einfach die Benutzeroberfläche von Mac OS noch nicht auf Touch-Eingaben vorbereitet. Zumindest am Mac werdet ihr also früher oder später — nein, sehr bald schon — merken, dass ein Leap Motion nicht für den Alltagseinsatz geeignet ist.

Und dafür sind 90 Euro wiederum ein wenig teuer. Mehr als ein Spielzeug für ein paar Stunden ist es (noch) nicht. Beeindruckend? Sicherlich. Zukunftsweisend? Möglicherweise, aber nur mit großen Einschränkungen.

Das Motto des Leap lautet: „Tue Dinge an Deinem Computer genau so, wie Du sie im echten Leben tust“. Das ist ein sportliches Ziel, was das Teil leider verfehlt. Google Earth mit einer Hand steuern, zoomen, drehen, navigieren, das macht Spaß — und auf Dauer Muskelkater.

Nicht nur fehlt also physisches Feedback jedweder Art. Außerdem ist die Haltung noch unbequemer als die ohnehin gelenkschädigende am Touchpad oder der Maus.

Fazit: Eher was für’s Museum

Der Leap Motion wirkt noch nicht voll durchdacht, unreif. Wie eine harte, grüne Banane. Aber vollkommen sinn- und nutzlos ist er dennoch nicht. Zum Beispiel im öffentlichen Bereich könnte ich mir vorstellen, dass derartige Eingabemethoden gut geeignet sind. Zum Beispiel für Info-Stände in Museen und Ausstellungen, als Hilfsmittel im Schulunterricht oder, entsprechende Benutzeroberfläche vorausgesetzt, vielleicht sogar für Fahrkartenautomaten.

Bis der Durchschnittsbürger damit aber seine Monatskarte an einem solchen berührungslosen Automaten ziehen kann, sind noch einige Arbeiten an Präzision und Bedienungsfreundlichkeit nötig. Zwei Sterne gibt’s für den Coolness-Faktor und den Mut, so ein Teil in Serie zu produzieren.

Vorteile
+ Klein, leicht auf dem Schreibtisch unterzubringen
+ Ziemlich cool und beeindruckend (wenigstens kurzzeitig)

Nachteile
- Nicht alltagstauglich
- Bedienkonzept neu, aber nicht praktisch

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