Face ID im iPhone X: Der (erzwungene) Nachfolger von Touch ID

Florian Matthey
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Wie erwartet lässt sich das iPhone X nicht mehr mit dem eigenen Fingerabdruck, sondern dem eigenen Gesicht entsperren. „Face ID“ soll nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer sein als Touch ID – es sei denn, man hat einen Zwilling.

Face ID im iPhone X: Der (erzwungene) Nachfolger von Touch ID

iPhone X: Kein Platz mehr für Touch ID

Apple hat aus der Not eine Tugend gemacht: Da das iPhone X ein „randloses“ Display hat, ist auf der Vorderseite kein Platz mehr für einen Home Button vorhanden – und somit auch nicht für Touch ID. Apple hat sich bei der Präsentation des iPhone X natürlich nicht dazu geäußert, ob das Unternehmen versucht hat, Touch ID ins Display zu integrieren. Die Gerüchteküche ist sich aber recht einig, dass das der ursprüngliche Plan war.

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Trotz dieses Rückschlags soll das Entsperren des iPhone X aber nicht unbequemer sein als in früheren Genrationen – im Gegenteil. Ein einfacher Blick aufs iPhone reicht, um auf den Homescreen zu gelangen. Dafür sorgt ein aufwendiges System auf der Vorderseite: die „TrueDepth Camera Area“. Diese besteht aus einer Infrarot-Kamera, einer Beleuchtungseinrichtung, einem 3D-Sensor namens „Dot Projector“ und der Frontkamera. Hinzu kommen die herkömmlichen Front-Elemente, also Umgebungslichtsensor, Lautsprecher und Mikrofon.

Das iPhone X erkennt also, wenn sich ein Gesicht vor dem Display befindet, und erfasst dieses automatisch mit der Kamera, dem 3D-Sensor, der tausende Punkte auf das Gesicht des Benutzers projeziert und erkennt, und dem Infrarot-Sensor. Das so erfasste Bild vergleicht das Gerät dann mit dem, das sicher in der Secure Enclave des neuen „A11 Bionic“-Chip gespeichert ist. Zum erstmaligen Scan des Gesichts muss der Benutzer einmal seinen Kopf im Kreis bewegen, damit das iPhone das Gesicht auch aus ungünstigen Winkeln erkennt.

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Face ID ist 20 mal sicherer als Touch ID

A propos sicher: Apple erklärt, dass Face ID nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer als Touch ID ist. Während der Fingerabdrucksensor eine Sicherheit von 1 zu 50.000 bietet, soll der Wert bei Face ID bei 1 zu 1 Million liegen. Soll heißen: Statistisch müssten also 1 Million unbefugte Personen ein iPhone X in die Hand nehmen, bis einer von ihnen sich „einloggen“ kann. Der 3D-Sensor sorgt dafür, dass sich Face ID nicht mit einem einfachen Foto austricksen lässt. Selbst das Erstellen einer dreidimensionalen Maske soll nicht funktionieren.

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Allerdings gibt es hier einen Nachteil, den Apples Marketingchef Phil Schiller geschickt für einen Witz nutzte: Wer einen „bösen Zwilling“ hat, sollte sich einen guten Passcode ausdenken. Soll heißen: Bei verwandten Personen, die sich sehr ähnlich sehen, liegt der Sicherheitswert deutlich niedriger. Erst recht, wenn es sich um eineiige Zwillinge handelt. Offenbar müssen Personen mit eineiigen Zwillingen ins Zeitalter vor dem iPhone 5s zurückreisen – und wieder einen Passcode verwenden.

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Apple präsentiert das iPhone X

Ansonsten hat sich Apple aber wieder einmal viel Mühe gegeben: Face ID ist intelligent und lernt das Gesicht des Benutzers mit der Zeit besser kennen: Wenn sich der Benutzer einen Bart wachsen lässt, passt Face ID das gespeicherte Gesicht entsprechend an. Auch das Ändern der Frisur oder Tragen von Mützen soll keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit von Face ID haben.

Face ID: Eine Notlösung oder der dauerhafte Nachfolger?

Es bleibt abzuwarten, ob Apple Face ID auch in andere Geräte integrieren wird – also ins iPad, aber beispielsweise auch in den Mac. Für den Mac hat sich Apple eine entsprechende Technologie zumindest schon patentieren lassen. Auch stellt sich die Frage, ob Touch ID vielleicht in einem zukünftigen iPhone zurückkommen wird – oder ob Face ID der dauerhafte Nachfolger ist.