Apple Keynote – eine Nachlese

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Viel wurde im Vorfeld zur gestrigen Keynote spekuliert. Da war die Rede von neuen iPad-Modellen, AppleTV, neuen iPod-Modellen und neuem iWork und iLife Zum Teil hat Steve Jobs die Erwartungen erfüllt. Welche das sind und was die macnews.de-Redaktion von den Neuerungen hält, haben wir einmal zusammengetragen.

Keine neuen iPads – keine Überraschung

An die Präsentation von neuen iPads hat wohl im Vorfeld keiner so richtig geglaubt. Derzeit bemüht sich Apple schließlich erst mal die Nachfrage nach dem aktuellen Modelle zu befriedigen. Und für die Präsentation solch einer Neuheit, wird Steve Jobs wohl eher zu einer gesonderten Keynote einladen.

AppleTV – Ende gut, alles gut

Zur großen Freude vieler Fans hat sich aber die neue AppleTV*-Box als Realität herausgestellt. Und wie nicht anders zu erwarten bei Apple: die neue Set-top-Box ist deutlich kleiner als noch ihr Vorgänger. Auf rund ein Viertel ist AppleTV im Vergleich zum Vorgänger geschrumpft, musste dafür aber den internen Speicher abgeben. Das schmerzt manch einen – aber nur auf den ersten Blick. Denn die kleine handliche Box spielt auch Medien ab, die vom Mac kommen und da ist reichlich Platz auf internen und externen Festplatten.

Stutzig wird man beim Preis. Zwar sind die 99 US-Dollar im Vergleich zum Vorgänger ein echter Preisbrecher, aber in Deutschland muss man für AppleTV 119 Euro bezahlen. Der Grund dafür ist allerdings schnell gefunden: die Urheberrechtsabgabe ist einmal mehr Schuld daran.

Was dem schwarzen AppleTV ebenso wie dem silbrig-weißen Vorgänger fehlt, ist womöglich ein integriertes DVD- oder Blu-ray-Laufwerk. Damit hätte die Box endlich den Sprung zu einem vollwertigen Mediencenter geschafft. Und hier hilft dann auch der Mac nicht weiter: Streaming-Inhalte müssen iTunes kompatibel sein, damit die Box sie abspielt. Videos im H.264-Format mit bis zu 720p und Mpeg-4-Videos gehören da vornehmlich dazu.

Beim Filmverleih punktet Apple wieder: Über ein komfortables Menü kann man Filme und Serien ausleihen, ohne den Weg in die Videothek antreten zu müssen. Bei den Verleih-Modalitäten hat sich derweil nichts verändert. Der geliehene Film bleibt ohne Aktivierung für 30 Tage auf dem Computer, nach der Aktivierung hat man 48 Stunden Zeit, um ihn zu sehen.

Filme zu kaufen gibt es bei AppleTV hingegen nicht.

Wer weitere Medieninhalte sucht, wird bei YouTube Flickr und Co. fündig. Die Dienste kann man über das Menü Internet direkt ansteuern und die Filme und Bilder auf die Box streamen. Schade, dass deutsche Anwender Netflix nicht nutzen können. Der Dienst bietet ebenfalls Filme und Serien an, für eine monatliche Gebühr von 8,99 US-Dollar. Dafür kann man dann so viele Filme sehen, wie man möchte – also eine Art Flatrate für Filmjunkies.

Gesteuert wird die Box per Apple Remote. Die liegt im Lieferumfang mit bei. Ein erster Blick in London auf die Navigation hat gezeigt, dass sich zwischen Set-top-Box und Fernbedienung keine Person befinden sollte. Das verwundert ein wenig, da die meisten Infrarotfernbedienung keinen direkten Sichtkontakt zum Gerät benötigen. Trotz dieses kleinen Makels: Endlich hat sich nach vier Jahren auch bei AppleTV was getan und das meißte davon ist gut.

iPod shuffle und nano – Wo ist da der Unterschied?

Neben der lang ersehnten AppleTV-Box hat Steve Jobs auch noch die neuen iPod-Modelle vorgestellt. Wider aller Erwartungen hat es auch der iPod shuffle* in die nächste Runde geschafft. Diesmal haben sich die Entwickler eine quadratische Form für Apples kleinsten Musikplayer ausgedacht. Zudem gibt es nun auch wieder Knöpfe, mit denen man die Musiksteuerung in die Hand nehmen kann. Wer sich allerdings an die Voice-over-Steuerung gewöhnt hat, muss beim neuen Modell nicht darauf verzichten.

Der iPod nano* ist deutlich kleiner geworden. Auch quadratisch, ähnelt er jetzt dem Shuffle und auch bei der Größe nehmen sich die beiden kaum etwas. Gesteuert wird der Nano nun über das Multitouch-Display ähnlich wie beim Touch. Auf das 3 mal 3 Zentimeter große Display passen vier Icons und wie beim großen Bruder verteilen sich diese auf mehrere Seiten. Von Seite zu Seite gelangt man mit einem Fingerwisch, mit zwei Fingern kann man die Menüs und Bilder um 180 Grad drehen. Eigentlich nur sinnvoll, wenn man den Nano am Revers trägt und ihn nicht abklippsen möchte. Ja, einen Klipp wie der Shuffel hat der Nano nun auch. Vor allem für Sportler eine gute Art, den Kleinen an den Trainigssachen zu befestigen. Und Nike+ unterstützt er schließlich auch.

Allerdings stellt sich die Frage, warum man nun noch einen Shuffle ohne Display kaufen sollte, wenn es doch auch einen mit Bildschirm gibt. Einzig der Preis von 49 zu 159 Euro ist da ein Argument. Für die 110 Euro mehr bekommt man aber nicht nur ein Display sondern auch sechs Gigabyte mehr Speicherplatz. Somit gräbt der Nano für den Shuffle nun doch das Grab.

iPod touch – Wenig Überraschendes

Der iPod touch*: Was soll man dazu sagen? Apple hat ihn noch dünner werden lassen. Man wundert sich schon, wie die Entwickler dennoch zwei Kameramodule in der flachen Flunder unterbringen. Eine Kamera findet man auf der Rückseite, die andere auf der Vorderseite. Damit können nun auch iPod touch-Besitzer mit ihren Bekannten über Facetime von Angesicht zu Angesicht sprechen.

Neben Fotos in einer Auflösung bis zu 960 mal 720 Bildpunkten lassen sich zudem auch Videos in HD-Qualität aufnehmen. Gerade im Urlaub kann man nun getrost auf die Kamera verzichten, wenn man ohnehin schon seinen Touch dabei hat, um Musik zu hören.

Und auch beim Display hat Apple sich nicht lumpen lassen. Das bereits aus dem iPhone 4 bekannte Retina-Display hat nun auch seinen Platz im Touch gefunden. Allerdings bietet die Liste der Neuerungen wenig Überraschendes. Das die Kameramodule auch im Touch landen würden, war sicher. Und wenn man schon Videos in 720p-Auflösung dreht, dann ist auch das Retina-Display eigentlich keine Überraschung. Einen echten Wirkungstreffer hätte Apple allenfalls mit einem integrierten 3G-Chip erzielen können. Der allerdings würde den iPod touch zu dicht an das iPhone heranrücken – Skype Telefonie machts möglich. Das Apple angesichts der technischen Neuerungen den Preis leicht erhöht hat, kann man durchaus vertreten.

iTunes 10 – Und noch ein soziales Netzwerk

Last but not least: iTunes 10*. Den neuen Mediaplayer kann man bereits herunterladen und die neuen Funktionen gleich mal testen. Wichtigste Neuerung ist Ping. Dabei handelt es sich nicht um einen neuen Systemsound sondern um ein soziales Netzwerk für Musikenthusiasten. Ähnlich wie bei Facebook Twitter und Co. kann man sich nun über iTunes ein Netz virtueller Freunde aufbauen, mit ihnen über Musik fachsimpeln, ihre Lieblingssongs anhören und auf der anderen Seite seine Freunde über eigenen Aktivitäten auf dem Laufenden halten.

Auch Künstler sollen auf Ping vertreten sein. Fans können ihnen folgen, erfahren, welche Alben sie gerade bevorzugen und bleiben auch sonst immer auf dem Laufenden. Ob sich allerdings so viele Künstler künftig auf Ping tummeln werden, ist schwer abzusehen. Jene, die ihre Aktivitäten mit der Öffentlichkeit teilen möchten, tun dies bereits auf Facebook und Twitter. Und die anderen werden sich auch weiterhin bedeckt halten und nun nicht bei Ping alle Welt an ihrem Leben teilhaben lassen. Letztendlich stellt sich die Frage auch für jeden Anwender: Wie viele soziale Netzwerke braucht ein Mensch eigentlich?

Sieht man mal vom reinen sozialen Netzwerk ab, kann man sich die Frage stellen: Wie viel verrät das neue iTunes mit Ping über ein künftiges Betriebssystem. Zumindest Thomas J. Weiss macht sich darüber einige Gedanken und sobald er sich eine Meinung dazu gebildet hat, werden wir ihn mal eingehend dazu befragen.

Ausklang

Alles in allem hat Steve Jobs wieder einiges vorstellen können. Unter den Neuerungen stechen aber vor allem AppleTV und der neue iPod nano hervor. Der Rest ist solide, ohne große Aufregung zu verursachen. Dennoch wird beispielsweise der iPod touch wieder zu einem Verkaufsschlager werden und in den nächsten Bilanzen die iPod-Sparte weiterhin stützen.


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