Big Brother 2015: Wann startet die 13. Staffel? Sind wir nicht alle ein bisschen Big Brother?

Kristina Kielblock

Big Brother ist am 22. September gestartet und obwohl die Quoten zu Beginn verhältnismäßig gut waren, gehen sie derzeit eher in Richtung Keller. Die Lust am Menschenexperiment war also vorhanden, hat aber bei Sichtung der realen Elemente im Haus einen Dämpfer bekommen. Ist das Format schon gestorben, bevor es richtig wiederbelebt wurde? Was müsste Sixx bei der 13. Staffel besser machen? Einige Thesen zur 12. Staffel von Big Brother.

Big Brother 2015: Wann startet die 13. Staffel? Sind wir nicht alle ein bisschen Big Brother?
Das Haus & seine Bewohner bei Big Brother 2015

Ohne Frage versuchten die Macher von Big Brother an alte Zeiten anzuknüpfen und gleichzeitig dem perfiden Spiel um 100.000 € einen neuen Pfiff zu verpassen. Grundsätzlich sind auch einige gute Ideen dabei und nach einer Woche kann man dazu auch noch nicht viel sagen. Vielleicht wäre es lustiger, wenn die Teams statt Jokern handliche Atomwaffen zum Spielen bekämen. Das ist aber nicht der Punkt. Der Punkt ist – und das konnte man schon vor dem Einzug vermuten, danach wusste man es sicher – das Casting der Bewohner.

Die Pseudo-Nicht-Promi-Staffel – Dawn Of The Z-Promis

Warum haben die das gemacht? Warum entwickeln sie eigentlich ganz prima Ideen, denken sich Matches, Wochenaufgaben, Teams, Joker, einen Strafbereich, den Maulwurf und den Secret Room aus, richten liebevoll ein Häuschen ein, bestücken es technisch einwandfrei mit Kameras und Mikrofonen und beschäftigen eine ganze Anzahl Menschen rund um die Uhr, wenn sie es dann anschließend mit der Auswahl der Bewohner selbst wieder in die Tonne treten.

Überwachungskamera blickt auf europa

Entweder ist dies das Spiel eines noch viel größeren Bruders und Team Casting und Team Planung sollten sich gegenseitig sabotieren oder hier lag tatsächlich eine grobe Fehleinschätzung davon vor, was die Fans eigentlich meinten, als sie sich in großer Zahl, immer wieder und vehement eine 12. Staffel des “echten” Big Brothers wünschten. Mit ganz normalen Leuten, die sie und die sich gegenseitig noch nie vorher gesehen haben und über die auch niemand was weiß. Wo wäre da das Problem gewesen?

  Atchi - schöne und schräge Momente im Haus

Ödnis der kontrollierten Selbstdarstellung

Hatte der Sender so viel Angst, dass man die Quoten künstlich pushen müsste, indem die Bewohner ihre Fanboys and -girls gleich mit ins Haus bringen? Facebook-Stars und Dating-Show-Sternchen, Soap-Darsteller und Menschen, die sich gar nicht beworben haben, sondern von ihrer Casting-Agentur angefragt wurden? Keiner der Fans meinte sowas mit der Bitte um eine neue Nicht-Promi-BB-Staffel. Sie meinten Menschen wie Zlatko.

Und wie man sieht, ist es auch todlangweilig, wenn – wie Hans-Christian sagte, alle ihre Maske tragen und Massen-medial geschulte Semi-Profis in ihrer Ikea-Teletubbies-Welt kontrolliert an ihrer Fassade arbeiten. Dass sie dabei mit mehr oder weniger Intelligenz zu Werke gehen, kann die gewisse Ödnis nicht lindern.

Gemeine Zugangshürden – vielleicht nicht genau genug über den Geldbeutel der Zielgruppe nachgedacht?

Der hohe Preis für den 24-7-Live-Stream ist inakzeptabel. Wenn man die Beteiligten schon dazu verleiten will, sich ein Sky-Abo zu holen – ob man es nach den drei Monaten noch braucht oder nicht – dann könnte man ja zumindest die Entgelt freie Leistung des Live-Streams erwarten. Und auch der WhatsAppBro ist bisher ziemlich enttäuschend und vermittelt den Eindruck, die Verantwortlichen haben selber keine Lust, sich den Kram anzuschauen. Vielleicht passiert aber auch einfach wirklich gar nichts. Es hilft jedenfalls der Popularität der Serie wenig, dass sie daherkommt wie ein kleiner Goldbarren. Sich den Live Stream reinzuziehen ist jedenfalls eine echte Investition, die man nicht tätigt, um am Tag vielleicht höchstens zwei Stunden vorbeizuschauen.

CCTV Kamera in einer Räumlichkeit

Wird es eine 13. Staffel geben? Oder ist das Format einfach tot geritten?

Seit 2000 hat sich einiges geändert. Die totale Kamera-Überwachung ist kein Witz mehr. Was uns glücklicherweise noch von den Menschen im Haus unterscheidet, ist, dass wir in der Regel in Ruhe aufs Klo gehen und unbeobachtet Sex haben können – es sei denn wir haben einen Trojaner auf dem Laptop und die Webcam und das Mikro an. Aber spätestens, wenn wir uns außerhalb unserer Räume bewegen, müssen wir damit rechnen, gefilmt zu werden, fotografiert zu werden, vielleicht sogar auf sozialen Plattformen gegen unseren Willen oder ohne unser Wissen verbreitet zu werden.

Das ist Alltag und nimmt Big Brother sicherlich einen der spektakulären Aspekte, den die Serie mal hatte – Überwachung ist überhaupt keine Phantasie mehr, ebenso wenig wie die (unwissentliche) Gestaltung des eigenen Images durch andere. Mobbing inbegriffen.

Die Geschichte des Technoviking - Internet-Star wider Willen!

Wir haben Smart-TVs, Smart-Watches, können auf kein Konzert oder Festival mehr gehen ohne von anderen gefilmt zu werden, unser Browser weiß, was uns interessiert und Amazon lässt uns wissen, was die anderen wollten, die so sind wie wir.

Big Brother konzeptuelles bild einer schrankwand und einem beobachtendem auge dass aus dem fernseher herausschaut

Die Bewohner machen täglich wahrscheinlich 100 Selfies – als Gruppe, zu zweit, allein und twittern sie eifrig. Auch eine Stelle, an der die Grenze verschwimmt, denn auch diese Form der Selbstdarstellung ist inzwischen Alltag für uns alle. Mindestens unsere Freunde machen es. Dauernd zeigen und sagen, was sie tun, essen, denken, fühlen, sehen, machen oder haben. Wir können das wiederum jederzeit kommentieren, teilen und liken. Sogar andere nominieren können wir.

Zuviel Reality-TV – wird es eine 13. Staffel geben?

Seit der ersten Big Brother Staffel hat sich nicht nur unser Alltag stark verändert, sondern auch die Fernsehwelt hat bis heute mit einem Haufen von Big-Brother-Nachgeburten zu kämpfen. Niemand kann mehr wirklich durchblicken, wer seine Frau getauscht hat, welcher Bauer eine Frau sucht, wessen Auswanderung geglückt ist, welche Ess-Kneipe demnächst nicht mal mehr von einem Superhelden-Koch gerettet werden kann, wo die Schönheits-OP geglückt ist, ein Traum verwirklicht wurde oder eine sozial schwache Familie jetzt gerettet ist.

Die Große Familie der Reality-Soaps und Dokus, wo niemand mehr genau durchblickt, was nun wie gescriptet ist, scheint den Großen-Kult-Bruder, dessen Name eine Anspielung auf einen ist, völlig zu banalisieren. Da helfen auch die lustigen Spiele nichts. Es sei denn, sie wären – wie oben bereits erwähnt – mit echten Waffen.

Bildrechte: Big Brother is watching you, Conceptual Image, Jeremy Reddington, CCTV, CCTV watching Europe via Shutterstock.com

Neue Artikel von GIGA FILM