Weniger ist mehr

Oliver Huq

Vom 2. bis zum 6. März lud auch in diesem Jahr die CeBIT nach Hannover. Rund 334.000 Besucher folgten dieser Einladung, um zu sehen, was
die insgesamt 4157 Aussteller aus 68 Ländern zu bieten haben.

Weniger ist mehr

Das Fazit der Veranstalter zur CeBIT 2010 ist positiv: In absoluten Zahlen sank die Besucherzahl auf 334.000 im Vergleich zu 400.000 im Vorjahr. Dafür war die CeBIT dieses Jahr einen Tag kürzer und  im Fünftagesvergleich ergibt sich ein Besucheranstieg von 3,7 Prozent. Das Gastland der  Messe war dieses Jahr Spanien. Ministerpräsident Zapatero und Bundeskanzlerin Merkel eröffneten denn auch die CeBIT 2010, und in der Stadthalle Hannover wünschte die Bundeskanzlerin der Veranstaltung viel Erfolg.

Neues und weniger Neues

Wirkliche Highlights hatte die CeBIT in diesem Jahr kaum zu vermelden. In Halle 9 konnte man zwar bereits via Gedankensteuerung flippern, ansonsten diente die Messe aber vor allem der Präsentation und Kontaktpflege und nicht revolutionären Produktneuvorstellungen.
Die Veranstalter sind mit mehr als 80 Prozent Business-Besuchern sehr zufrieden. Auch im nächsten Jahr soll die CeBIT wieder neu erfunden werden. Dazu definiert der Veranstalter vier Schwerpunktbereiche (CeBIT-lab, -gov, -pro und -life), die im kommenden Jahr vom 1. bis 5. März locken sollen. Auch will die CeBIT erstmals wieder wachsen. Angesichts der starken Konkurrenz mit Veranstaltungen wie der CES in Las ­Vegas oder auch der IFA in Berlin werden die Rekordzahlen von 2001 (830.000 Besucher und 8160 Aussteller) aber wohl kaum wieder erreicht werden können. Dennoch  will man die wichtigste IT-Messe bleiben.

Wie im vorigen Jahr

Green IT und Webciety waren auch in diesem Jahr Themen auf der CeBIT. Für Green IT scheint sich nach dem gescheiterten Klimagipfel niemand mehr zu interessieren, und besonders am ersten Messetag verirrten sich kaum Besucher in den Green-IT-Bereich. Anders der Webciety-Bereich in Halle 6, der vor allem mit Diskussionsthemen wie „Zukunft der sozialen Netzwerke“ oder „Zukunft des Webmanagements“ auch in diesem Jahr wieder lockte.

Neu in diesem Jahr

In Halle 22 wurde erstmals die CeBIT-Sounds mit vielen Live-Auftritten und Gesprächsrunden durchgeführt. Star des Musikbereichs war Dieter Gorny, Mitinitiator der Popkomm. Trotz lauter Kritik wird die CeBIT-Sound auch im kommenden Jahr versuchen, die IT- und Musikbranche zusammenzuführen. In diesem Jahr mochte es noch nicht so ganz gelingen.
Ebenfalls neu und von besonderem Interesse für Mac-Anwender dürfte der in Halle 2 befindliche OS-X-Business-Park gewesen sein. Es handelte sich dabei um einen 240 Quadratmeter großen Gemeinschaftsstand, auf dem über 30 Unternehmen aus dem Mac-Markt die Gelegenheit hatten, ihre Produkte vorzustellen und Kontakte zu knüpfen. Die Veranstalter sind sehr zufrieden mit der Besucher- und Ausstellerresonanz und werden auch im kommenden Jahr wieder mit von der Partie sein. Schwerpunkt im OS X Business Park waren sicher die iPhone-Enterprise-Solutions, die das iPhone im Unternehmen näher beleuchten sollten.
Eine kostenlose Messe-App für das iPhone, die es erlaubte, die Fahrten der Messebusse zu verfolgen, um schneller  von A nach B zu kommen, durfte natürlich auch nicht fehlen und hatte ebenfalls in diesem Jahr Premiere.
Wer wollte, konnte in Halle 11 auf dem Stand des Innenministeriums den neuen Personalausweis in Scheckkartenformat bewundern, der ab November den bisherigen ablöst und verschiedene Funktionen zur Identifizierung in einem integrierten Chip enthält.

Razzien

Razzien wegen Patentrechtsverletzungen fehlten auch dieses Jahr nicht. Neu war die Einrichtung ­eines Messebüros für Staatsanwälte, Polizeibeamte und zwei Ermittlungsrichter. Ins­gesamt 28 Anzeigen waren zu verarbeiten und in Kontrollen der betroffenen Messestände wurden an den fünf Messe­tagen 14 Rechtsverletzungen festgestellt, die vor allem zur Beschlagnahme von MP3-Playern und DVB-T-Receivern führte. Die betroffenen Unternehmen mussten entsprechend ohne die beschlagnahmten Produkte auskommen und haben noch mit weiteren Geldbußen zu rechnen. Durchsuchungen mussten laut Aussage der Staatsanwaltschaft nicht angeordnet werden, da sich die betroffenen Unternehmen kooperativ zeigten. Dies führt die Staatsanwaltschaft auf das geschlossene und gut organisierte Vorgehen in diesem Jahr zurück. Die Rechtsverletzungen seien insgesamt rückläufig.

Im Übrigen

Da nichts Weltbewegendes zu bestaunen war, griff der Veranstalter in die Trickkiste und sorgte durch Spezial­veranstaltungen für Unterhaltung. Angesprochen sei hier exemplarisch der CeBIT-Run, ein Halbmarathon, der über das Messegelände führte und für
Aufmerksamkeit sorgte.
Wirkliche Innovationen waren lediglich in Halle 9 zu bewundern, in der Forschungseinrichtungen sich den Themen Robotik, 3D und der Weiterentwicklung von MP3 und AAC widmeten.

Ausblick

Es bleibt abzuwarten, inwieweit die CeBIT im kommenden Jahr tatsächlich wieder zulegen kann. Die neue Konzeption allein mit einer Schärfung der Kompetenzbereiche und damit einer für den Besucher eindeutigen Struktur reicht dazu sicher nicht aus. Die Faszination für die CeBIT wird nur wieder wachsen, wenn auch mit entsprechend faszinierenden Technologien gelockt werden kann. Dazu muss der richtige Mix an Ausstellern und Themengebieten angeboten werden.
Der OS X Businesspark weist ebenso in die richtige Richtung wie die CeBIT-Sounds. Im Einzelnen muss der Veranstalter aber noch kräftig nachbessern, um die Attraktivität der Messe, gerade auch im Hinblick zu den Konkurrenzveranstaltungen, wieder zu steigern. Da geht es der CeBIT sicher ähnlich wie der Macworld ohne Apple.
Immerhin sollen in diesem Jahr IT-Investitionen im Wert von rund 10 Milliarden Euro angeschoben worden sein. Diese Geschäftszahlen werden sicher ausreichen, um einige Aussteller zu locken. Sich nur darauf zu verlassen, wäre aber blauäugig.        huq

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