Die Elektronikmesse: CES vom Aussterben bedroht?

Die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ist in vollem Gange. Wie jedes Jahr pilgern Tausende von Technik-Journalisten und Branchen-Heinis in die Stadt der Sünde um dort das Neueste aus Taiwan, Japan und Korea zu bestaunen. Aber warum?

Die Elektronikmesse: CES vom Aussterben bedroht?

Eine Messe für immer Weniger

Was treibt die erwarteten 140.000 Besucher in das gigantische Kongresszentrum der Wüstenstadt? Sollte es die Suche nach revolutionären, oder auch nur zukunftsträchtigen Neuheiten sein, sind sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Holz- und nicht etwa auf dem Jakobsweg.

Vorbei sind die Zeiten, in denen die großen Hersteller Bahnbrechendes auf großen Messen präsentieren. Das Nintendo Entertainment System erblickte auf der CES 1995 das Licht der Öffentlichkeit. HD-Fernseher nutzten das Rampenlicht der Veranstaltung im Jahr 1998 für ihr Debüt. Microsoft präsentierte 2001 seine Spielekonsole Xbox in Las Vegas.

Inzwischen haben viele VIPs der Branche erkannt, dass ihre Produkte in der Masse unterzugehen drohen. Das Bedürfnis nach Alleinstellung besteht nicht nur für Funktionen und Design, sondern auch für den Modus der Präsentation. Auf einem von hunderten Ständen irgendwo auf einer Messe? Auf einer Pressekonferenz in Saal 08/15a?

Das „Special Event” und seine Magie

Nein, heute heißen die magischen Worte „Special Event“. Der Tenor einer Ankündigung solcher Veranstaltungen lautet: „Wir laden einige ausgewählte Pressevertreter (lies: alle, die Zeit haben) zu einem pseudo-geheimen Treffen ein, verraten aber noch keine Details zu dem Grund der Zusammenkunft“ – die Folge: Spannung und Vorfreude sondergleichen.

Amazon zeigte sein Kindle Fire erstmalig auf einem separaten Presse-Event. Die Computerabteilung von Hewlett-Packard verzichtet seit 2009 auf einen eigenen Stand auf der CES. Microsoft nutzte die E3, eine Videospielmesse, um sein Kinect-System vorzustellen, obwohl dessen Anwendungsmöglichkeiten weit über virtuelles Bowling oder gelenkschädigende Boxübungen hinausgehen. Der Softwaregigant kündigte zudem kürzlich an, dass die CES 2012 seine letzte sein wird.

Apple hat diese Methode in den vergangenen Jahren bereits mehrfach erfolgreich angewandt. Ein nicht unerheblicher Rummel entsteht jedes Mal, wenn wieder in eine der mittelgroßen Kongresshallen im Nord-Osten San Franciscos geladen wird. Da wird die Einladung in ihre Einzelteile zerlegt und Symbole analysiert, das man meinen könnte, man befände sich mitten in einer Beatles-Verschwörungstheorie.

Klasse statt Masse: Frei von Ablenkungen

„Let's talk iPhone“, „Come see what 2011 will be the year of“, „Back to the Mac“ – mit solchen und ähnlichen Slogans brachte Apple die Gerüchteküche auf Hochtouren. Konsequenterweise verzichtet man in Cupertino außerdem seit einigen Jahren gänzlich auf die Teilnahme an Messen. Einzige Ausnahme: Die Worldwide Developer's Conference (WWDC), die Apple selbst veranstaltet.

All eyes on me – Alles schaut auf mich! Dieses Kommando ist umso schwerer durchzusetzen, je mehr Ablenkung es gibt. Auf einer Messe also wirklich beachtet zu werden ist sehr viel aufwendiger (und nicht zuletzt teurer) als die Aufmerksamkeit der Medien auf eine eigene Sonderveranstaltung zu konzentrieren.

Hinzu kommt, dass diese Aufmerksamkeit nachzuhallen scheint. Selbst ohne Apples Anwesenheit vermutet MG Siegler eine starke Präsenz des Herstellers auf der diesjährigen CES: „Die größte Story wird das verborgene Ungetüm sein: Der Apple-Fernseher“. Jeder Fernseher, der in Las Vegas vorgestellt wird, müsse sich unweigerlich an einem Produkt messen, dass es offiziell noch gar nicht gibt.

Gleiches gelte für das im Frühjahr erwartete iPad 3. Retina Display, Siri und die neuesten Gerüchte aus den Zuliefererkreisen beherrschen nach Sieglers Vorstellung das Bild in Las Vegas. Verstärkt werde dieser Effekt durch die zahlreichen, unerbittlichen Nachahmer.

Acer macht sich nicht einmal die Mühe, eigene Präsentationen zu erstellen. Und auch wenn eine Folie noch kein Klon eines Produktes ist und Cloud-Dienste sich nunmal großer Beliebtheit erfreuen, hinterlassen AcerCloud und PicStream doch selbst bei wohlwollender Betrachtung ein gewisses „G'schmäckle“.

Das Ende von CES, IFA und Co.?

In jedem Fall deutet Vieles darauf hin, dass die Zeit der großen Elektronik-Messen vorüber ist. Jedenfalls, was solche Produkte angeht, die eine breite Masse von Konsumenten ansprechen sollen. Nischen-Geräte finden weiterhin einen Platz auf Nischen-Kongressen – iPad, Kindle Fire und Co. dagegen werden sich in Zukunft immer stärker von den Großveranstaltungen zurückziehen.

So wird aus der Hitparade CES bald ein einsames Musikantenstadl, eine Randnotiz über die 20 neuesten Smartphone- und Tablet-Modelle. Das größte Interesse gilt dann den vereinzelten Pressekonferenzen der Branchen-Riesen, denn dort werden die wahren Hits gespielt.

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