Deutscher Entwickler-Nachwuchs: Drei coole Konzepte für die Spiele von morgen

Martin Eiser

Am 7. April wird der Deutsche Computerspielpreis in München verliehen. Eine Kategorie widmet sich dem besten Nachwuchskonzept, mit der vor allem Projekte von Schülern und Studenten gefördert werden sollen. Wir erklären die Idee dahinter und stellen die drei vielversprechenden Spiele vor.

Deutscher Entwickler-Nachwuchs: Drei coole Konzepte für die Spiele von morgen

Seit 2009 verleiht die Bundesregierung zusammen mit der Wirtschaft den Deutschen Computerspielpreis. Ziel ist es, nicht einfach nur die besten Spiele des Landes auszuzeichnen, sondern auch gezielt die Entwicklung von Spielen zu fördern. Ein wichtiges Element dafür ist der Preis für das beste Nachwuchskonzept, der die kommenden Entwickler von morgen unterstützen soll. Er ist mit insgesamt 75.000 Euro dotiert und die drei Nominierten bekommen damit fast so viel Geld wie der Gewinner für das beste deutsche Spiel. Dieser Preis ist die höchste Auszeichnung des Deutschen Computerspielpreises und mit 100.000 Euro dotiert.

Der Nachwuchs in Deutschland hat sich früher das meiste Wissen über Programmierung, Grafik und Game Design selbst beigebracht. Hochschulen waren noch gar nicht bereit für diese neue Form der Ausbildung. Heute gibt es ein breites Angebot von öffentlichen und privaten Hochschulen für viele verschiedene Berufe innerhalb der Spiele-Entwicklung. Diese nutzen natürlich gern die öffentliche Aufmerksamkeit, die mit dem Deutschen Computerspielpreis einhergeht. Schließlich ist er die größte und damit wichtigste lokale Plattform, um sich einer öffentlichen Jury zu stellen. Aber auch für die Entwickler selbst ist es ein guter Gradmesser und ein guter Start in die zukünftige Karriere in der Branche.

DCP Logo Deutscher Computerspielpreis

Nachwuchspreis als Sprungbrett

Für manche der Spiele ist der Deutsche Computerspielpreis tatsächlich erst der Anfang. Zu den bekannteren Gewinnern der letzten Jahre gehören unter anderem die interessanten Projekte Tiny & Big: Grandpa’s Leftovers oder In Between, das beispielsweise im August 2015 veröffentlicht wurde. Teile vom Gewinner-Team aus 2014 und 2015 haben gemeinsam Osmotic Studios gegründet und arbeiten derzeit an dem interaktiven Thriller Orwell für iOS und Android. Der Preis kann ein Sprungbrett sein und auf vielen Ebenen helfen – etwa dabei, um das eingereichte Konzept durch das Preisgeld oder Kontakte zu Publishern bis zur Veröffentlichung zu bringen. Das Geld kann auch den Weg in die Selbständigkeit erleichtern. Und durch die Nominierung oder Auszeichnung ist es leichter, bei größeren Studios angenommen zu werden.

Tatsächlich ist aber auch die Erfahrung selbst nicht zu unterschätzen, die eine solche Einreichung mit sich bringt. Das Projekt muss gut erklärt und eine Jury überzeugt werden. Zuvor haben viele Entwickler wahrscheinlich eher für sich selbst gearbeitet oder für die Ausbildung und das Studium entwickelt. Es ist also auch eine Art Prüfung, ob man die notwendigen organisatorischen Hürden problemlos bewältigt und das eigene Konzept bei Fremden ankommt. Für den Nachwuchs ist der Preis also auch eine spannende Erfahrung, bei der man etwas Lernen kann.

Es gibt 75.000 Euro für den Nachwuchs

In diesem Jahr sind drei Spiele nominiert, die im Grunde alle schon gewonnen haben. Das Gewinner-Projekt bekommt 40.000 Euro, für den zweiten Platz gibt es 25.000 Euro, aber auch für den dritten winken immerhin noch 10.000 Euro. Eingereicht wurden 97 Nachwuchskonzepte, aus denen die Jury mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft schließlich diese drei ausgewählt hat. Mit Tino Hahn haben wir übrigens auch einen Vertreter in der Jury. Die drei Nominierungen können sich also tatsächlich schon auf die Schulter klopfen, es bis in diese Runde geschafft zu haben. Wer am Ende gewinnt, entscheidet sich am 7. April 2016 bei der Preisverleihung in München.

Insgesamt werden für den Deutschen Computerspielpreis in diesem Jahr 470.000 Euro vergeben. Das sind 85.000 Euro mehr als im letzten Jahr. Damit der gewachsenen Bedeutung der Branche für Deutschland Rechnung tragen. Die Hälfte des Geldes kommt dabei vom Bund und die andere Hälfte von der Spielebranche selbst, vertreten durch die beiden Branchenverbänden BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. und GAME Bundesverband der deutschen Games-Branche e.V..

Qualität im Fokus statt Kommerz

Es gibt eigentlich in fast jedem Jahr eine Diskussion darüber, wie der Deutsche Computerspielpreis eigentlich funktioniert und welchen Zweck er hat. Tatsächlich hat die Bundesregierung ursprünglich festgelegt, dass mit dem Preis die Entwicklung qualitativ hochwertiger, innovativer sowie kulturell und pädagogisch wertvoller Computer- und Videospiele aus Deutschland gefördert werden soll. Das klingt nicht sehr sexy. Ein wesentliches Kriterium war immer auch der Spielspaß. Zudem wurden die Kriterien inzwischen dahingehend überarbeitet, dass auch Spiele ausgezeichnet werden können, die lediglich in einem Bereich gut sind. Ein möglicher Gewinner kann also einfach nur technisch herausragend sein. Der kommerzielle Erfolg spielt weiterhin keine Rolle.

Wie sich die Branche in Deutschland entwickelt hat, lässt sich tatsächlich auch an den Nominierungen für das beste Nachwuchskonzept ablesen. Es sind drei Spiele, die auf ihre Weise zeigen, was inzwischen alles im deutschen Entwickler-Nachwuchs steckt. Hinter Lost Ember steckt ein interessantes Adventure mit einer wunderschönen Optik, das Spielen wie Journey und Everybody's gone to the Rapture nacheifert. Cubiverse ist ein innovatives Puzzlespiel, das den Zauberwürfel als Grundlage genommen hat. Und Leaves ist ein liebenswertes Abenteuerspiel für eine junge Zielgruppe, bei der wir in die Rolle des Windes schlüpfen.

Auf den folgenden Seiten stellen wir die Spiele vor, zeigen Bilder und Videos, und fragen die drei Entwickler kurz aus.

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