Minecraft: Die Mondlandung der Independent-Szene
“Minecraft”: Mondlandung der Independent-Szene
Der Grund für die diesjährige E3-Mäkelei der Spieler und das neue Selbstbewusstsein der unabhängigen Entwickler liegt aber vor allem in dem Boom der Independent-Titel selbst. Die Liste der repräsentativen Erfolgsmodelle wird immer länger. Allen voran natürlich der schier unfassbare Aufstieg von Markus Perssons´ “Minecraft”. Mit seiner enorm produktiven Community und den phänomenalen Verkaufszahlen – “Minecraft” war eines der meistverkauften Spiele des Jahres 2010 und hat Schöpfer Markus Persson bisher 20 Millionen Euro Gewinn beschert – lässt der Selbstbau-Sandkasten derzeit Entwickler auf der ganzen Welt träumen.
Die auf der E3 2011 bekanntgegebene Zusammenarbeit mit Microsofts Xbox LIVE-Dienst und die zukünftige Unterstützung von Kinect in “Minecraft” dürfte dem cleveren Emporkömmling nur noch mehr unter die unabhängigen Arme greifen. Das Modell “Minecraft” ist so etwas wie die Mondlandung der Independent-Szene. Für Markus Persson war die Ein-Mann-Programmierung seines Spiels ein verhältnismäßig kleiner Schritt – für die unabhängige Spiele-Entwicklung war dieser Schritt gewaltig.
Die Gründe für den Indie-Boom
Die Gründe für den derzeitigen Boom sind allgemein bekannt: Die neuen Möglichkeiten der digitalen Distribution haben die Kluft zwischen Entwicklern und Spielern auf ein Minimum reduziert. Jeder Mensch kann heute, ein paar rudimentäre Programmierkenntnisse vorausgesetzt, sein eigenes, kleines Spiel herstellen und einem wachsenden Publikum über das Internet anbieten.

Neben den klassischen Wegen über die eigene Homepage oder kostenlose Portale für Indie-Games, sind mit Steam, dem Playstation Network und Xbox LIVE in den vergangenen Jahren auch immer mehr kommerzielle Plattformen hinzugekommen, die den Entwicklern ein sehr gut organisiertes Netzwerk von Indie-Interessierten anbieten können. Doch auch ganz neue Formen der unabhängigen Produktion könnte der Szene in Zukunft zu neuen Höhenflügen verhelfen.
Insbesondere das so genannte Crowd-Funding macht in letzter Zeit mit bemerkenswerten Erfolgsgeschichten auf sich aufmerksam. Auf Internetseiten wie zum Beispiel 8-Bit Funding, Indie Fund oder Kickstarter suchen einzelne Entwickler oder auch ganze Teams nach Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Projekte. Die User übernehmen beim Crowd funding (zu Deutsch: “Schwarmfinanzierung”) die Funktion von Kapitalgebern, die über Spenden die vorgestellten Projekte unterstützen.

Die Formen der Community-Teilhabe reichen dabei von kleinen, anonymen Spenden bis hin zu umfangreichen Kapitalleistungen. Auch der Gegenwert für die erbrachten User-Leistungen variiert. Von einer Beteiligung an den Verkaufszahlen, Rechten am finanzierten Titel bis hin zu kleinen Liebhaber-Sachleistungen ist alles dabei. Internetseiten wie Pling versuchen das Konzept derzeit auch in Deutschland populär zu machen.


