Gamescom 2011 - Kolumne: Ewig warten, wenig sehen - ein Messefazit

David Hain
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Größer als die E3 ist sie noch nicht. Sie wäre es aber gern, die Gamescom. Doch die Kölner Messe, vor vier Jahren auf Grund ihrer Kapazitäten und des Potenzials als neuer Veranstaltungsort erwählt, stellt sich selbst ein Bein. Am Samstag, dem traditionell stärksten Besuchertag, müssen die Hallen aufgrund des immensen Ansturms kurzzeitig geschlossen werden. Man müsste meinen, drinnen würden sich glückliche Spielergesichter wie an Perlenschnüren aufreihen, müssten Gamerträume wahr werden. Doch dem ist – meist – nicht so.

Gamescom 2011 - Kolumne: Ewig warten, wenig sehen - ein Messefazit

Für die Presse war das Jahr 2011 ein schwieriges. Wir bei GIGA hatten so unsere Schwierigkeiten, die Stände im öffentlichen Entertainment-Bereich zu filmen. Presseakkreditierungen konnte man im Vorfeld für eine Gebühr von 15 Euro erstehen, was (unschwer dem immensen Andrang am normalerweise eher gemäßigten Fachbesuchertag zu entnehmen) auch eine nicht gerade geringe Zahl Privatbesucher auf die Messe lockte. Die Publisher reagierten auf diesen “Presseansturm” mit verschlossenen Türen. “Presse? Hinten anstellen!” hieß es oft – selbst wenn man nur ein kurzes Atmosphäre-Video drehen wollte.


Hinten anstellen. Das hieß in manchen Fällen (Rekordhalter der Messe: Battlefield 3) sagenhafte neun Stunden. Neun! Die Messe selbst ist gerade einmal zehn Stunden offen. Am EA-Stand rieten die freundlich-entnervten Hostessen daher bereits um 11Uhr mittags, man könne sich zwar anstellen, könne dann aber nicht mehr damit rechnen, bis zum Ende des Tages spielen zu dürfen. Für uns als Berichterstatter, vollbepackt mit Terminen, untragbar.

Und als Messebesucher? Sowieso. Wer wartet schon gerne, selbst wenn es ums langersehnte Lieblingsspiel geht. Anders als in den Vorjahren, fiel es 2011 aber sehr viel schwerer, die Messe-Zeit anderweitig sinnvoll zu füllen. Mitmachstände, Bühnen, Party-Games – coole Attraktionen eben, die schon beim Zusehen Spaß machen, fehlten dieses Jahr nahezu völlig. Keine “Rock Band”-Bühnen, keine Indoor-Sportarten, keine überdimensionalen Dart-Scheiben. Selbst der Outdoor-Bereich war 2011 eher spärlich ausgestattet.


Stattdessen sah man als Messebesucher vor allem eines: Nichts! Halle 6, in der unter anderem THQ, 2K Games und EA um die Aufmerksamkeit der Spieler warben, bestand im Grunde ausschließlich aus überdimensionalen Kästen, die keine Blicke durchließen. Jedes zweite, in Entwicklung befindliche Spiel der großen Publisher ist aktuell ab 18 Jahren freigegeben – und die dürfen aufgrund der Jugendschutzbestimmungen nur “behind closed doors” gezeigt werden.

Wie viel Sinn macht da eine Consumer-Messe, die ihre Consumer fast vollständig ausschließt, seine Ausstellungsstücke hermetisch abriegelt? Wer mehr als mit schönen Artworks veredelte Wände sehen wollte, musste anstehen. Drei, vier, fünf Stunden – manchmal eben auch den ganzen Tag. Um der Enttäuschung dann noch die Krone aufzusetzen, fuhren einige Publisher tatsächlich nicht viel mehr als die hinlänglich bekannten E3-Versionen auf.

Weitere Themen: Guild Wars 2, Beyond: Two Souls Demo, Call of Duty - Black Ops 2, Hitman: Absolution, Pro Evolution Soccer 2013 , Dishonored: Die Maske des Zorns, FIFA 13, Borderlands 2, Tearaway

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