SXSW Interactive: Eine intensive Woche in Austin

Peggy Reichelt
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Seit 1986 wird Austin in Texas einmal im Jahr von Tausenden Menschen aus aller Welt überrannt: Das South by Southwest Festival – kurz SXSW – überflutet die Stadt. In den ersten sieben Jahren stand SXSW für Musik, 1993 kamen SXSW Film und SXSW Interactive dazu.

SXSW Interactive: Eine intensive Woche in Austin

Austin, das ist eine moderne 800.000-Einwohner-Metropole, Sitz vieler innovativer Start-ups, aber auch etablierter Unternehmen. Austin ist nicht unbedingt das, was man sich unter „Texas“ vorstellt: Die Stadt ist eher das New York von Texas: Aufgeschlossen, hip, freundlich, und unkonventionell. Was jedoch an fast jeder Ecke daran erinnert, doch in Texas zu sein, sind unzählige BBQ und Tex-Mex Restaurants. Eigenwillig an Austin ist das Wetter – fragt man Einheimische, wieso nach dem Regenschauer sofort die Sonne da ist, erklären sie das Wetter-Credo von Austin: „Don't like the weather? Just wait 5 minutes.“

Aber kommen wir zurück zu SXSW Interactive. SXSW Interactive ist vor allem Tummelplatz der Tech-Szene. Innovative Start-ups pitchen ihre Ideen – AirbBnB, Twitter, Foursquare & Co. erlebten hier ihre Debuts. Investoren sind auf der Suche nach dem nächsten Google oder Facebook. Business in typisch amerikanisch-ungezwungener Atmosphäre.

Hier ein paar Eindrücke in Bild und Ton:


Während des SXSW wird Austin zum Treffpunkt der hellsten und innovativsten Köpfe. Non-stop von morgens 9.30 Uhr bis 18.00 Uhr gibt es Vorträge, Workshops, 15-Minuten-Speed-Präsentationen, regen Erfahrungsaustausch, eine Trade-Show, Konzerte und natürlich jede Menge Parties und Networking-Events. Man ist überwältigt von der Qual der Wahl, denn zumeist finden 10-20 Vorträge parallel statt. Da heißt es, gut vorbereiten und versuchen, die Highlights aus der Masse zu fischen.

Zu meinen Highlights des SXSW Interactive 2013 zählten:

  • Die Opening Keynote von Bre Pittis, Gründer von MakerBots, den 3D Druckern, der die neueste Innovation seiner Firma, den Prototypen des 3D MakerBot Digitizer, vorstellte. Bye-bye aufwendige CAD-Programme – willkommen einfaches 3D-Modell eines realen Gegenstandes.
  • Ein vor Energie, Ideen und Ambitionen strotzender Jason Silva (Medien-Künstler, Dokumentarfilmer, Philosoph, Ideen-DJ und Host des National Geographic Channel Brain Games) sprach über „Technology, Imagination & Exponential Thinking“ und zeigte sein neuestes Video-Werk „The mirroring mind“. Mehr: Video-Channel von Jason.
  • Elon Musk, einer der Paypal-Gründer, jetzt Gründer von Tesla und SpaceX, stellte in seiner Keynote seine Vision von Space Travel vor („I’d like to die on Mars, just not on impact“): Wiederverwendbare Raketen, die stehend nach dem Flug ins All landen. Bei SXSW zeigt er das erste Mal das Video des letzten erfolgreichen Rocket-Launchs- und Landing Tests vor ein paar Tagen – die Rakete landete präzise wie ein Helikopter. Das Video dazu: The Johnny Cash hover slam! youtu.be/2Ivr6JF1K-8.
  • Die Keynote von Ouya Gründerin Julie Uhrmann im Interview mit Josh Topolsky, Chefredakteur von TheVerge. Eigentliches Thema: Die Möglichkeiten, die das Konzept Crowdfunding jungen, innovativen Hardware-Herstellern ermöglicht. Leider ergoss sich Julie etwas zu sehr in andauernder Werbung für ihre Spielekonsole, die ab Juni im US-Handel erhältlich sein wird.
  • Rus Grant, Harvard Lead Technical Artist – seine Schwerpunkte: Archäologie & 3D-Visualisierung – stellte in seinem Vortrag “Digital Time Machines & the Future of Learning” das 3D Projekt der Pyramiden von Gizeh vor. Harvard Studenten können dank des 3D Models, die Pyramiden besichtigen und erforschen, ohne nach Ägypten zu reisen. Ein Projekt, das völlig neue Horizonte für Forschung und Lehre eröffnet – für Schulen, Universitäten, aber auch Museen.

Neben Grumpy Cat, der von seinen Fans fotografiert und bewundert werden konnte, stellte Google sein Experiment des sprechenden Turnschuhs vor.

Aber nicht nur Geek- und Social Media Themen standen bei den SXSW Panels auf der Agenda:

  • John Mackey, co-Gründer des 1978 in Austin gegründeten Whole Foods Market (Bio-Supermarkt-Kette), sprach über verantwortungsbewussten Kapitalismus und nachhaltige Unternehmensführung.
  • Cindy Gallop redete über “The future of porn” – ambitioniert und engagiert für eine Welt mit “real world sex” statt “porn”, in der Sex kein Tabuthema mehr ist. Sie stellte die Video-Plattform MakeLoveNotPorn.tv vor, ihr neuestes Projekt (online seit Januar 2013). Die Ex-Werbe-Managerin startete ihre Mission, realistische Fakten über Sex zu vermitteln und das Thema zu enttabuisieren, als sie bei ihrem TED Talk 2009 ihr erstes Projekt MakeLoveNotPorn vorstellte und damit zum meist gesehenen TED Talk 2009 avancierte.

Ach ja. Und dann sind da noch die legendären SXSW-Parties: Wenn man den Jetlag überstanden hat, entweder rechtzeitig vor Ort ist oder Lust auf das Anstehen in sehr langen Schlangen hat, dann lässt sich hier auch gut bis in die Morgenstunden feiern.

Mein Fazit zu SXSW Interactive 2013: Anstrengend, intensiv, unglaublich viele Eindrücke, die Qual der Wahl in einem voll gepackten Konferenz-Programm und sehr viel Inspiration. Nächstes Jahr gern wieder!

Abschließend ein Kompliment an die Organisatoren von SXSW: Dafür, dass sich 2013 über 24.000 Teilnehmer registriert hatten, war alles perfekt organisiert. Das Wifi lief in allen Konferenzräumen und Hotels einwandfrei – und kostenlos. Registrierung und Badge-Pick-up gingen fix, Orientierung und Programm waren gut strukturiert – eine beachtliche Leistung in Anbetracht der Größe des Events.

Bilder der SXSW Interactive 2013

Bildergalerie SXSW2013

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