Deutschland - Schweden: Woran lag's? Fünf Analyse-Ansätze zum 4:4

Peer Göbel
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Alter Schwede, das war ein Spiel, von dem wir noch unseren Enkeln erzählen werden. Bis zur 60. Minute zauberte die deutsche Nationalmannschaft wie lange nicht mehr und lag 4:0 vorne. Und dann, uppsala, konnten die Schweden in der letzten halben Stunde noch zum 4:4 ausgleichen. Jetzt werden sich die Köpfe heiß geredet, wie das passieren konnte – hier die wichtigsten 5 Theorien.

Deutschland - Schweden: Woran lag's? Fünf Analyse-Ansätze zum 4:4

Das gestrige WM-Qualifikationsspiel hatte historische Qualitäten – und das nicht nur wegen des Ergebnisses. Das 6:1 gegen Irland am Freitag sah zwar deutlicher aus, hatte aber bei weitem nicht diese schönen Spielzüge und diese Dramatik. Deutschland – Schweden 2012 bedeutete gestern Fußball at its best, mit einer Handlung, die auch ein Drehbuch nicht hätte besser inszenieren können. Hier kann man das Spiel in voller Länge in der ARD-Mediathek ansehen.

Und wie immer kommen die Diskussionen auf, an wem es lag. Am Trainer, an der Abwehr, an Neuer, der Offensive, dem Fußball-Gott? Hier 5 wichtigsten Analyse-Ansätze zum Schweden-Spiel.

1. Taktische Fehler von Jogi Löw
Bei einem 4:0, oder spätestens nach den ersten beiden Anschlusstreffern, muss ein Trainer reagieren und das Ergebnis sichern. Offensivkräfte raus, Defensivkräfte rein. Stattdessen bringt Löw mit Götze für Müller (67.) einen Kreativspieler, der anschließend das Pressing vermissen ließ, und macht schließlich mit Lukas Podolski (88.) nur noch einen Wechsel, der für Zeit sorgen sollte. Trotz der Verletzten (Khedira, Bender-Zwillinge) hätte es mit Höwedes und Westermann defensive Alternativen auf der Bank gegeben.

2. Psychologie – der Schritt zu wenig
Mehrere Spieler sprachen nach dem Spiel von dem “Schritt zu wenig”. Das Team hatte sich zu sicher gefühlt, und es gab niemanden, der die Mannschaft am Riemen gerissen hat. Die ersten beiden Gegentore entstanden aus Unkonzentriertheit, und dann begann das Nervenflattern – fehlt doch die Erfahrung?

3. Toni Kroos zu offensiv
Toni Kroos spielte eine brilliante erste Halbzeit, ist aber nun mal kein echter Sechser. Und den hätte man in der letzten halben Stunde gebraucht. Er stand genau wie Özil sehr hoch, so dass Schweinsteiger allein die Räume des eingewechselten Källström nicht eng machen konnte.

4. Das ewige Problem: Die Viererkette
Auch wenn die Gegentore oft schon im Spielaufbau verschuldet wurden, steht die Viererkette der Nationalelf einfach nicht. Mit Boateng auf rechts, Lahm auf links und Badstuber zentral spielten gleich drei Abwehrspieler auf Positionen, die sie im Verein derzeit nicht bekleiden. Seit Jahren gibt es keine eingespielte Formation, allein seit der WM 2010 trat Jogi Löw mit mehr als 20 unterschiedlichen Viererketten an.

5. Zlatan Ibrahimovics Halbzeit-Ansprache
Der Kapitän und Ausnahmestürmer riss das Spiel herum: Seine Halbzeit-Ansprache soll angeblich für die Wende gesorgt haben. Er schoß den Anschlusstreffer zum 1:4, schnappte sich sofort den Ball und signalisierte – hier ist noch was drin. Macht doch ein Superstar den Unterschied?

Letztlich sollte man auch den Ball flach halten und darf nicht vergessen, dass hier nur ein Gruppenspiel der WM-Qualifikation unentschieden ausging. Jogi Löws Elf hat über 60 Minuten eine ihrer besten Leistungen überhaupt gezeigt und bleibt Gruppenerster – wenn auch mit einem bitteren Beigeschmack.

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