FIFA WM-Regeln 2014: Alles über Modus, Spiel um Platz 3, gelbe Karten und Torlinientechnik

Peer Göbel
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Was sind die Änderungen zur WM 2014? Das FIFA-Reglement für die Fußball-Weltmeisterschaft wurde im Laufe der Jahre immer wieder angepasst und erweitert. In Brasilien bleibt der Modus nahezu unverändert, als offensichtlichste Neuerungen stehen die Torlinientechnik und das Freistoß-Spray an. Wir fassen die Regeln zu Modus, Gelben Karten, Spiel um Platz 3 und Torverhältnis vs. Direktvergleich (und die Unterschiede zur EM!) noch einmal zusammen.

FIFA WM-Regeln 2014: Alles über Modus, Spiel um Platz 3, gelbe Karten und Torlinientechnik

Teil unseres WM-Kompaktwissen-Pakets sind außerdem der WM-Spielplan 2014 (u.a. als PDF und für iCal) und das TV-Programm im Überblick.

WM-Regeln 2014: Der Modus der Endrunde in Brasilien – mit Spiel um den 3. Platz

Fußballfreunde wissen, dass die “WM 2014 in Brasilien” eigentlich nur die WM-Endrunde ist – denn auch die Qualifikationsspiele der Jahre zuvor gehören streng genommen schon zur Weltmeisterschaft dazu. An dem Modus der Endrunde hat sich bei den vergangenen Weltmeisterschaften nichts geändert: 32 Teams treten in acht Gruppen gegeneinander an. Jede Mannschaft spielt einmal gegen jeden der drei Gruppengegner, wie in der Bundesliga bekommt man 3 Punkte für einen Sieg, einen Punkt für ein Unentschieden. Die Erst- und Zweitplatzierten der Gruppen kommen weiter. Achtelfinale bis Finale wird als K.O.-Runde ausgespielt – wer verliert, fliegt raus. Es gibt (anders als bei der EM, die dem Reglement des europäischen Fußballverbands FIFA unterliegt) auch ein Spiel um Platz 3.

Bei Punktgleichheit in der Gruppenphase: Tore vor Direktvergleich

Anders als bei der Europameisterschaft und der Champions League (wofür der europäische Verband UEFA verantwortlich ist) gibt bei der FIFA-WM bei Punktgleichheit das Torverhältnis den primären Ausschlag (genauer gesagt: die Tordifferenz). Wenn zwei (oder mehr) Teams nach den Gruppenspielen gleich viele Punkte haben, wird also zunächst nach der Tordifferenz und dann nach den geschossenen Toren gewertet. Sollte das keine Entscheidung bringen, wird der Direktvergleich herangezogen: Zuerst nach Punkten, dann nach Tordifferenz, dann nach geschossenen Toren. Wenn dann immer noch keine Mannschaft vorne liegt (z.B. wenn der Direktvergleich zwischen dem Zweiten und Dritten unentschieden ausging), wird gelost (!).

Wenn derzeit beispielsweise in Gruppe D davon die Rede ist, dass England nur bei einem Sieg von Italien gegen Costa Rica noch eine Chance aufs Weiterkommen hat, liegt das nicht daran, dass alle fälschlicherweise davon ausgehen, dass der direkte Vergleich zählt, sondern an der Konstellation der Begegnungen: Sollte Costa Rica gewinnen (dann: 6 Punkte auf dem Konto), hätten Italien und Uruguay zwar nur drei Punkte; sie treffen im letzten Vorrundenspiel aber aufeinander – und mindestens einer käme anschließend auf mehr als die drei Punkte, die England noch erreichen kann.

K.O.-Runde: Golden Goal, Silver Goal, Verlängerung?

Alles wie gewohnt: Nach den Experimenten mit Golden Goal (1998-2002) und Silver Goal (nur zur EM 2004) kehrte die FIFA mit der WM 2006 zur gewohnten Verlängerungsregelung mit Elfmeterschießen zurück. Das heißt: In der K.O.-Runde wird bei Gleichstand nach 90 Minuten eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten nachgespielt. Ist nach 120 Minuten immer noch unentschieden, gibt es Elfmeterschießen (je fünf pro Mannschaft, bei Gleichstand immer je einer mehr, bis eine Entscheidung da ist).

Das war noch nicht immer so: Elfmeterschießen gibt es in dieser Form erst seit 1970, zuvor wurde bei Gleichstand eine Münze geworfen. Mit Ausnahme des Finales: Noch bis zur WM 1978 wäre das Endspiel nach einer Verlängerung nicht ins Elfmeterschießen gegangen, sondern ein paar Tage später neu ausgespielt worden.

Gelbe Karten bei der WM

Zwei gelbe Karten bedeuten ein Spiel Sperre, sowohl in unterschiedlichen Spielen als auch in einem (gelb-rot). Nach einer roten Karte ist der Übeltäter für mindestens ein Spiel gesperrt, es können aber auch mehr werden. Zur WM 2010 führte die FIFA eine Neuregelung ein, die auch in Brasilien gilt: Nach dem Viertelfinale werden die gelben Karten gelöscht. Wer vor dem Halbfinale eine gelbe Karte hatte und dort eine weitere bekommt, wird also nicht mehr fürs Finale gesperrt. Wer schon im Spiel eine Karte erhält, kann nicht mehr nachträglich eine härtere Strafe erhalten – auch wenn der Schaden nachträglich deutlicher zutage tritt.

WM-Livestream in HD und aus mehreren Perspektiven

ARD und ZDF bieten zur WM 2014 erstmals in ihren Apps und im Browser mehrere Kameraperspektiven an – schon live kann man zwischen drei bis sechs Einstellungen wählen, in der Zusammenfassung sogar zwischen bis zu 20 Kameras. Ebenfalls neu seit dem April 2014 ist der schwedische Anbieter Magine, der kostenlos und legal das Fernsehprogramm (öffentlich-rechtlich sowie Privatsender) in den Browser und auf mobile Geräte bringt. ARD und ZDF werden sogar in HD ausgestrahlt. Während der WM-Übertragung kann man zum Anfang des Spiels zurückspulen, und auch bei Magine TV sind alle WM-Spiele noch 7 Tage nach der Ausstrahlung in voller Länge verfügbar.

Torlinientechnik: Kameras statt Chip im Ball

Die WM 2014 ist das erste große Turnier, bei dem eine Torlinientechnologie eingesetzt wird. Das System “GoalControl 4D” arbeitet mit sieben Hochgeschwindigkeitskameras pro Gehäuse und meldet Tore direkt auf die Uhr des Schiedsrichters. Diese Lösung bzw. das Alternativsystem mit “Chip im Ball” ist spätestens seit dem DFB-Pokalfinale mit Hummels’ nicht gegebenem Führungstor auch in Deutschland wieder im Gespräch.

Das Freistoß-Spray

Nach den Tests bei den U17-, U20- und Klub-Weltmeisterschaften 2013 ist das Freistoß-Spray für die WM 2014 beschlossene Sache. Der Schiedsrichter markiert dann bei Freistößen die Position des Balls und der Mauer auf dem Rasen, damit die Gegenspieler den Abstand von 9,15 Meter nicht verkürzen. Der versprühte Schaum verblasst nach ein-zwei Minuten.

FIFA-Regelwerk zum Download

Die FIFA stellt das WM-Reglement und die offiziellen Fußballregeln natürlich auch auf ihrer Webseite zum Download bereit.

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