Apple und die Musikindustrie: Cloud-Deals noch vor WWDC möglich

Flavio Trillo
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Insiderberichten zufolge soll Apple schon bald die Verhandlungen mit den Größen der Musikindustrie über einen Cloud-Streaming-Dienst abschließen. Möglicherweise könnten die nötigen Lizenzen sogar noch vor der am 6. Juni startenden Worldwide Developers Conference (WWDC) erworben werden. Angeblich stehen nur noch kleine Summen zur Diskussion, die Materie ist jedoch neu und komplex, so dass noch einige Hürden genommen werden müssen.

Alle Beteiligten seien daran interessiert, Apple Zugang zu den nötigen Rechten für den Verkauf und die Wiedergabe zu verschaffen, meldet CNet. Abgesehen natürlich von Google und Amazon, die jeweils eigene Angebote ähnlicher Art gestartet haben. Doch die Industrie setzt auf Apple und iTunes, ihre krankenden Branche wieder anzukurbeln.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, heißt es. Allerdings hat der Weg einige Schlaglöcher und die Zeit drängt. Weniger als zwei Wochen bleiben noch bis zur Keynote der WWDC und Apple muss sich mit allen großen Musikverlegern einzeln auseinandersetzen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden. Zudem ist das Geschäft mit den Lizenzen langwierig – und dieses Mal kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu, die nicht gerade zu einer geschwinden Einigung beiträgt.

Cloud-Dienste sind sehr neu und das Streaming übers Internet war bislang noch nicht Gegenstand solcher Lizenzverhandlungen. Apple und seine Partner müssen sich also von Grund auf neu überlegen, wie sie mit diesem neuen Phänomen umgehen wollen. Die große Unsicherheit der Industrie, möglicherweise ihre Rechte für zu wenig Geld zu verramschen, macht sich in den Zähen Verhandlungen bemerkbar.

Jetzt sei man aber an dem Punkt angelangt, der Apples absolute Obergrenze dessen markiert, was das Unternehmen für die Lizenzen bereit ist, auszugeben. Außerdem haben beide Parteien einen Verhandlungshebel: Apple möchte den Deal möglichst schnell, und zwar spätestens bis zum 6. Juni abwickeln. Die Label sind ihrerseits daran interessiert, dass Apple seiner Konkurrenz Paroli bietet. Google und Amazon haben sich nämlich nicht die Zeit genommen, langwierige Lizenzvereinbarungen auszuhandeln, sondern bieten ihre Streaming-Dienste ganz ohne den Segen der Musikindustrie an.

Es ist also noch nichts in Stein gemeißelt, nichts ist gewiss. Schon gar nicht, ob Cloud-Streaming von den Kunden überhaupt angenommen wird. Man muss Steve Jobs allerdings zugestehen, dass er sich höchst selten mit derartigem Elan für ein Konzept einsetzt, wenn er nicht absolut überzeugt davon ist, dass es funktioniert.

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