WWDC 2011: Spekulationen und Vorhersagen

Florian Matthey
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Eine für Apple angesichts der Geheimhaltungspolitik des Unternehmens ungewöhnliche Pressemitteilung kündigte gestern für die Eröffnungs-Keynote der Worldwide Developers Conference (WWDC) die Präsentation von Mac OS X 10.7 Lion, iOS 5 und Apples Cloud-Computing-Angebot iCloud an. Dennoch lässt sich weiter über den Inhalt von Steve Jobs’ Präsentation am 6. Juni spekulieren: Was bieten das iOS 5 und iCloud? Erscheint Lion am selben Tag? Und gibt es doch noch neue Hardware als ein “One more thing”?

iCloud: Nur Musik oder noch mehr?

Ein Cloud-Angebot von Apple geisterte seit vielen Monaten durch die Gerüchteküche – vor allem Apples Server-Farm im US-Bundesstaat North Carolina und die Übernahme des Musik-Streaming-Anbieters Lala durch Apple legten einen entsprechenden Schluss auch nahe. Was genau Apple alles vom lokalen Datenträger in die Wolke verfrachten möchte, geht aber auch aus der gestrigen Pressemitteilung nicht hervor.

Allerdings häuften sich in den letzten Wochen Berichte über Verträge, die Apple mit der Musik-Industrie für ein Musik-Cloud-Angebot abgeschlossen hatte. Anders als die Konkurrenzprodukte von Google und Amazon dürfte Apples iCloud in Sachen Musik daher sehr komfortabel sein: Die ganze iTunes-Bibliothek könnte dann direkt auf allen Geräten des Benutzers zwecks Streaming bereit stehen, ohne dass der Benutzer diese zunächst hochladen muss. Letzteren Weg wählten Google und Amazon, um die Notwendigkeit von Vereinbarungen mit der Musikindustrie zu vermeiden.

Die Website CNet will nun erfahren haben, dass Apple nicht nur Musik, sondern auch Fernsehserien und Filme über iCloud anbieten möchte. Apple-Manager seien in den letzten Wochen öfters in Hollywood vorstellig geworden, um sich mit den dortigen Verantwortlichen über ein entsprechendes Angebot zu unterhalten.

Die Verhandlungen dauerten allerdings noch an und es verblieben einige Probleme – unter anderem die Vereinbarung der Studios mit dem Kabelfernsehen-Sender HBO, der sich für den Zeitraum, in dem ein Film auf dem Sender läuft, Exklusiv-Vertriebsrechte für den jeweiligen Film einräumen lässt. Dass iCloud bereits am nächsten Montag auch Filme streamen lässt, erscheint angesichts dessen unwahrscheinlich. Später könnte sich das aber ändern.

iOS 5: Twitter-Foto-Integration?

Was iOS 5, die nächste Version von Apples Mobil-Betriebssystem, an Neuerungen bieten wird, ist noch nicht bekannt. Angesichts dessen, dass Apple vor der Veröffentlichung der finalen Version aller seiner Mac-OS- und iOS-Versionen der letzten Jahre zunächst registrierte Entwickler monatelang Tests von Vorab-Builds durchführen ließ, dürfte es auch am Montag nur einen ersten Beta-Build geben. Bei Mac OS X 10.7 Lion, dessen Beta-Version Apple bereits letztes Jahr im Oktober präsentierte, erscheint für Montag hingegen der Verkaufsstart wahrscheinlich.

Nach Informationen von Tech Crunch soll das soziale Netzwerk Twitter nicht nur einen eigenen Foto-Hosting-Dienst planen, sondern für dessen Start auch auf die Unterstützung von Apple setzen: Apples iOS 5 werde eine direkte Anbindung an das Angebot bieten. Ebenso wie sich Videos direkt aus dem Betriebssystem bei YouTube oder Bilder bei MobileMe hochladen lassen, soll das in Zukunt auch mit Fotos bei Twitter der Fall sein. Auch der IT-Blogger John Gruber, der üblicherweise recht gut informiert ist, will von der Integration gehört haben.

Darüber hinaus tauchten Anfang der Woche Berichte über eine Integration von Widgets und ein verbessertes Benachrichtigungs-Feature in iOS 5 auf. Seit Wochen halten sich außerdem Gerüchte über umfangreiche Spracherkennungsfeatures des Betriebssystems durch eine Kooperation Apples mit den Sprach-Software-Experten von Nuance.

One more thing: Ein MacBook-Air-Upgrade – oder doch ein neues iPhone?

Neue Hardware erwähnt Apple in der Pressemitteilung nicht – was allerdings nicht heißt, dass diese nicht kommt. Vielmehr könnte sich Apple eine kleine Überraschung für ein “One more thing” am Ende der Keynote von Steve Jobs aufbewahren. Bereits seit einigen Wochen mehren sich Spekulationen um ein Upgrade für Apples MacBook-Air-Modelle, die das Unternehmen nun endlich mit einem Core-i-Prozessor der Sandy-Bridge-Generation ausstatten könnte – bisher arbeiten die Rechner noch mit den vergleichsweise alten Core-2-Duo-Chips von Intel. Darüber hinaus dürfte es auch eine Integration von Intels Thunderbolt-Schnittstelle geben.

Was nun dafür spricht, dass eine Neuvorstellung kurz bevor steht, ist ein Blick in die Lagerbestände der aktuellen Modelle: Diese sollen nach Informationen von 9 to 5 Mac in diesen Tagen deutlich nachlassen. Üblicherweise ist das ein Zeichen dafür, dass Apple neue Modelle der jeweiligen Produktlinie vorbereitet.

Angesichts dessen, dass Apple in den letzten Jahren das neue iPhone-Modell immer zur WWDC präsentierte, hoffen auch dieses Jahr noch einige Beobachter auf ein iPhone 5 oder “iPhone 4S”, eine überarbeitete Version des aktuellen iPhone 4. Dagegen spricht aber – abgesehen von Gerüchten, die eine Veröffentlichung im Spätsommer oder Herbst ankündigen – vor allem die Tatsache, dass es eben noch keine Beta-Version des iOS 5 gibt. Die jeweils neue iOS-Version sorgte in den letzten Jahren immer in Verbindung mit Apples neuem Smartphone für Aufsehen. Wenn auf einem neuen iPhone, das vielleicht sogar “nur” eine verbesserte Version des Vorgängers ist, nur das bereits bekannte iOS 4 läuft, wäre das Interesse an der neuen Hardware möglicherweise gebremst.

Moscone Center macht sich bereit

Jedenfalls lässt sich auch heute schon im Straßenbild San Franciscos erkennen, dass die WWDC kurz bevorsteht: Das von Apple für die Konferenz angemietete Moscone Center erhält in diesen Tagen auf seiner Glasfassade bereits ein Apple-Logo.

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