iOS-Korsett: Entwickler hofft mit der WWDC auf aufgelockerte App-Store-Richtlinien

Nur noch drei Tage, dann startet die mit großer Spannung erwartete WWDC 2013. GIGA APPLE berichtet live über Apples Entwicklerkonferenz. Unterstützung in San Francisco erhalten wir dabei in diesem Jahr von App-Entwickler Sascha Hameister.

iOS-Korsett: Entwickler hofft mit der WWDC auf aufgelockerte App-Store-Richtlinien

Die WWDC 2013 wirft ihre Schatten voraus. Mit an Sicherhit grenzender Wahrscheinlichkeit präsentiert Apple iOS 7 und OS X 10.9. Darüberhinaus sind neue MacBooks und vielleicht auch ein runderneuerter Mac Pro denkbar und werden von den Anwendern herbeiersehnt. Doch dürfen wir uns auch in diesem Jahr sicherlich wieder auf die eine oder andere Überraschung in Tim Cooks Keynote gefasst machen.

WWDC 2013: Live-Ticker von GIGA APPLE mit Vor-Ort-Unterstützung

GIGA APPLE berichtet auch dieses Mal direkt vom Geschehen. Der Live-Ticker zur Apple-Keynote startet am 10.06.2013 um 18:30 MEZ. Leider ging die Redaktion bei der „Ticket-Verlosung“ in diesem Jahr leer aus. Dennoch haben wir nichts unversucht gelassen, um unsere Leser in gewohnter Form zu informieren. Unterstützt werden wir hierbei von Sascha Hameister. Sascha ist App-Entwickler bei der Chat-Plattform Knuddels und live vor Ort in San Francisco. Am Montag wird er uns während der Keynote in erster Linie mit frischem Bildmaterial aus dem Moscone Center versorgen.

Interview mit App-Entwickler Sascha Hameister

Natürlich interessierte uns: Wer ist eigentlich Sascha Hameister? Wie kam er zum Programmieren, was treibt ihn an und wie steht er zu Apple? Um all dies zu erfahren, führten wir mit ihm ein lesenswertes Interview.

Wie bist du zum Programmieren gekommen, wann hast du deine ersten Erfahrungen gemacht und was reizt dich daran?
Vor knapp 15 Jahren (während meiner Zeit in der Oberschule) bekam ich meinen ersten 486er-Computer und wollte unbedingt programmieren lernen, statt irgendwelche Spiele zu spielen. Schnell entdeckte und verliebte ich mich in Javascript, das bis heute eines meiner besonderen Steckenpferde blieb. Mittlerweile entwickle ich hauptsächlich nur noch Objective-C für unseren iPhone-Chatclient und Java für die Server-Anbindung.

An der Programmierung reizen mich viele verschiedene Dinge. Software versetzt uns in die Lage, Abläufe zu automatisieren, Menschen quer über den Globus miteinander zu verbinden und viele Dinge des alltäglichen Lebens zu vereinfachen. Bei den Lösungen gibt es im Code zwar ein klares „Das funktioniert richtig“ und „Das funktioniert nicht richtig“, aber es gibt viele Wege, um an sein Ziel zu kommen. Entwurfsmuster helfen dem guten Entwickler dabei, Architekturentscheidungen leichter zu fällen und doch muss man seinen Kopf immer wieder auf neue Aufgaben trainieren.

Die Arbeit bei Knuddels ist besonders spannend, da von unseren Entwicklern aktives Mitdenken für die Community gefordert wird. In unseren agilen Teams kennen alle Entwickler die Plattform auch aus Nutzersicht und haben daher ein gutes Gefühl dafür, wie Dinge gebaut werden müssen, damit sie gut funktionieren und verstanden werden. Wir verbinden täglich tausende Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Geräten und technischen Wissensständen live miteinander. Unser Ziel ist es, Menschen zu unterhalten und ihnen eine gute Zeit auf unserer Plattform zu bieten, mit Menschen, die sie kennen und Kontakten, die sie erst bei uns knüpfen.

Wir sind übrigens noch auf der Suche nach Softwareentwicklern, die uns vor Ort unterstützen möchten.

Seit wann entwickelst du für iOS und wie bist du dazu gekommen, was waren die Gründe?
Das iPhone hat mich seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2007 fasziniert. Als Apple 2008 mitteilte, dass man bald eigene Apps für das iPhone entwickeln könne, war für mich klar, dass ich auf diesen Zug aufspringen will. Damals war ich selbständiger Softwareentwickler und Trainer und hatte mir im Januar 2008 meinen ersten Mac gekauft. Die App-Entwicklung wurde schnell zu einem weiteren Standbein für mich.

An welchen App-Projekten hattest du bisher gearbeitet?
Bevor ich vor drei Jahren als Softwareentwickler bei Knuddels angefangen habe, habe ich freiberuflich eigene Spiele im App Store verkauft und Kunden bei der Entwicklung einiger Apps unterstützt. Die Apps, die ich damals mitentwickelt habe, sind mittlerweile so vorangeschritten, dass mein Entwicklungsanteil heute nicht mehr nennenswert ist.

Mein größtes „App-Baby“ ist die  (App-Store-Link), die ich bereits vor meinem Einstieg als Softwareentwickler bei Knuddels entwickelt habe. Ich freue mich, dass ich mich weiterhin dafür verantwortlich zeigen darf und dafür sorgen kann, dass viele tausend Chatter jeden Monat mobil mit ihrem iPhone, iPod Touch, iPad und iPad Mini bei Knuddels mit ihren Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben können.

Wie testet ihr die Knuddels-App vor dem Release?
Knuddels wird durch viele ehrenamtliche Mitglieder in vielen Bereichen unterstützt. Knapp 40 treue Mitglieder testen die App bereits während der Entwicklung neuer Features mit dem Live-System. Sie ertragen Bugs, dürfen dabei coole neue Features zuerst probieren und sind durch eine sehr kurze Feedback-Loop direkt am Entwicklungsprozess beteiligt. Die Teammitglieder des iPhone-Teams sind wichtige Inspirationsquelle und helfen dabei immer wieder eine bessere App mit tollen neuen Funktionen veröffentlichen zu können.

Verglichen mit anderen Programmierumgebungen, wie schwer oder leicht macht es Apple den iOS-Entwicklern?
Verglichen mit der Lernkurve beim Erlernen anderer Programmiersprachen, kam ich beim Erlernen von Objective-C mit XCode sehr schnell an einen Punkt, an dem ich erst viel lesen musste, um weiter zu kommen. Ich fühlte mich, als stände ich vor einer fast unüberwindbaren Lernwand. Apple macht schon einige Dinge anders. Dahinter zu kommen wie und warum war für mich nicht immer ganz einfach. Wenn man dann erst einmal verstanden hat, wie bestimmte Dinge gemeint sind, dann geht alles viel rascher. Themen, an denen Apple seit meinem Start in die iOS-Entwicklung stark gearbeitet hat, sind die IDE XCode, Bereitstellung weiterer APIs sowie vereinfachte Distribution über das Provisioning Portal und die Anbindung an XCode.

Ist deiner Meinung nach Apples Aufnahmepolitik im App Store zu restriktiv, sollte Apple da flexibler sein?
Grundsätzlich glaube ich, dass einer der Grundpfeiler von Apple ist, dass Apple-Geräte „einfach funktionieren“ und „einfach zu bedienen“ sein sollen. Aus diesem Grund verzichtet man bisher darauf, einige Möglichkeiten für Entwickler freizugeben, da dem Benutzer hier die Macht über sein Gerät geraubt werden könnte. Im Endeffekt führt dies nicht immer in die richtige Richtung. Vor über einem Jahr habe ich erstmals die Swype-Tastatur auf Android-Geräten gesehen. Ich behaupte, dass dies die beste mobile Eingabemöglichkeit ist, die ich bisher gesehen habe. Bisher gäbe es nur die Möglichkeit für mich als Entwickler, dem Nutzer für meine App eine solche Tastatur anzubieten. Ein erfahrener Nutzer kann sich keine systemweiten Plugins herunterladen. Ich denke, dass Apple in diesem Sinne tatsächlich zu restriktiv ist, doch hat Tim Cook ja bereits auf der D11 angedeutet, dass dieses Korsett und ähnliche eventuell bereits zur WWDC gelockert werden könnten. Ich bin gespannt!

Ist dies deine erste WWDC, bei der du vor Ort bist?
Ja, ich werde zum ersten Mal in San Francisco an der WWDC teilnehmen. Auf den Geschmack dafür haben mich zwei Tech-Talk Touren gebracht, an denen ich bisher teilgenommen habe. Hier konnte ich bereits an einzelnen Tagen WWDC-ähnliche Luft schnuppern und erhoffe mir, dass ich vor Ort mindestens genau so viel lerne, wie damals in Berlin und Hamburg.

Was erwartest du persönlich von der WWDC, worauf freust du dich am meisten?
Durch meinen Besuch der Tech Talk Touren und das Fortbilden durch alte WWDC-Videos habe ich schon eine Ahnung, dass mich der Besuch der WWDC wissenstechnisch noch einen großen Schub voran bringen wird. Aus diesem Grund fahre ich zur WWDC und mich freut es sehr, dass ich ein Ticket ergattern konnte. Daneben freue ich mich darauf, beim Networking viele Entwickler kennen zu lernen und ganz nebenbei darauf, meinen Geburtstag am Dienstag in San Francisco verbringen zu dürfen. ;-).

Welche Technik (Produkte) von Apple nutzt du sowohl privat, als auch beruflich?
Geschäftlich und privat komme ich tagtäglich neben iPhones, iPads und iPod Touches mit einem MacBook Pro, einem Cinema-Display und einem iMac in Berührung.

Auf Anwenderbasis tobt ein heftiger Fanboy-Krieg zwischen iOS- und Android-Nutzern. Lässt man sich als Entwickler davon infizieren, oder sieht man die Dinge eher neutral und gelassen?
Grundsätzlich sehe ich das Ganze gelassen. Ich liebe das iPhone und möchte kein anderes Smartphone besitzen. Es ist toll, dafür Software zu schreiben. Hier ist Apples Korsett an Vorgaben und die geringe Varianz an Möglichkeiten der Geräte von Apple ein starkes Plus. Es gibt aber auch viele tolle Android-Geräte. Manche haben das aktuellste iPhone in Leistung und Optik bereits überholt. Smartphones und Tablets mit Android sind mittlerweile weiter verbreitet, als Geräte mit iOS. In unserem Mobile-Team, das für die Entwicklung der mobilen Apps verantwortlich ist, sitzen iOS- und Android-Entwickler im selben Büro. Gemeinsam wird geplant, wo welche neuen Features und Komponenten zuerst eingeführt werden, da der Server-Code von beiden Apps wiederverwendet wird.

Trotzdem gibt es bei uns natürlich ein freundliches „Trietzen“, wenn das eine Team ein Feature vorm anderen veröffentlicht hat. Das ist nie böse gemeint und spornt unheimlich an, die eigene App auf denselben Stand zu bringen und den Nutzern der eigenen Plattform das neue Feature auch zu bringen. Ziel des Mobile-Teams ist eine gute mobile Nutzbarkeit von Knuddels auf den von uns unterstützen Plattformen: iOS und Android.

Wenn du es uns verraten darfst: Was ist dein jüngstes Projekt?
Neben der Arbeit bei Knuddels verfolge ich keine App-Projekte, die im App Store zu finden sind. Als Hobby habe ich die Zauberei. Hierfür habe ich mir eine App geschrieben, die bei Knopfdruck auf einer Fernbedienung bestimmte Musik abfährt, Bilder im iPad verändert und die Lichtstimmung meiner Show via Philips Hue verändert. So kann ich alleine meine ganze Show steuern und habe ein perfekt auf mich abgestimmtes Setting.

Vielen Dank an Sascha für das informative Gespräch.

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