Akku laden ohne Kabel: Wie wir zukünftig nie wieder leere Smartphones haben

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Der Akku ist und bleibt Kritikpunkt Nummer 1 bei so gut wie allen Smartphones. Die Geräte halten im Durchschnitt nur einen Tag durch, dann muss der Akku wieder aufgeladen werden. Aber was, wenn wir demnächst unterwegs problemlos unsere Geräte kostenlos und drahtlos aufladen könnten?

Akku laden ohne Kabel: Wie wir zukünftig nie wieder leere Smartphones haben

Erst in der vergangenen Woche hatte einer unser meistgelesenen Artikel entfernt mit dem Thema Akkus zu tun. Das Problem: Smartphones mit ihren großen Displays und vielen einzelnen Modulen verbrauchen relativ viel Strom und so ist es ganz normal, dass deren Akkus nach nur einem Tag wieder aufgeladen werden müssen.

Natürlich wird im Bereich Akku-Technologie viel geforscht und es gibt auch schon einige sehr gute Erfolge. Bis diese Technologie aber in unseren Smartphones landet, wird es noch etwas dauern. Ein weiterer Ansatz, um sich nicht ständig um den Akkustand seines Smartphones zu sorgen ist, dass man diese auch unterwegs problemlos aufladen kann. Und zwar ganz ohne Kabel, sondern einfach mittels Induktion. Aktuelle Geräte wie das Samsung Galaxy S4, das iPhone 5, das Lumia 920 und ein paar weitere Geräte lassen sich problemlos (unter Umständen mit Zubehör) mit dieser Methode aufladen. Und genau hier setzen verschiedene Gruppen an, die sich diese Technik zunutze machen und Kunden die Möglichkeit bieten wollen, auch im Alltag ganz einfach den Akku ihres Smartphones aufladen zu können.

Wie das mit neuer Technik aber leider oftmals der Fall ist, gibt es nicht nur eine Allianz mit einem eigenen Technologie-Standard, sondern gleich drei große Konsortien, die den Standard möglichst nach eigenem Interesse durchsetzen wollen.

Power Matters Alliance (PMA)

PMA Power Matters Alliance

Die erste große Gruppe, die hier genannt werden soll, hört auf den Namen Power Matters Alliance und hat Mitglieder wie AT&T, Google, Blackberry und viele mehr. Samsung, HTC, Huawei und LG sind vergangenen Monat ebenfalls dazugekommen. Wenn es  nach der Power Matters Alliance geht, werden wir in Zukunft unser Smartphone an verschiedenen Orten (zum Beispiel in einer Starbucks-Filiale) auf eine eigene Ladefläche legen können, um so dann den Akku aufzuladen, während wir uns einen grande Chai-Latte Macchiato Double Choc Vanilla Ice Coffee in den Hals kippen.

Die Power Matters Alliance ist der Meinung, dass die „120 Jahre alte Steckverbindung zu einem Ende kommen muss“ und ein „neues Modell für die Art und Weise wie Strom geschaffen, übertragen und konsumiert wird“ längst überfällig ist. Und Recht haben sie. Das Ziel ist also kein geringeres, als die tägliche Erfahrung des Stromverbrauchs der Nutzer neu zu erfinden. Das Konzept hört auf den Namen „Power 2.0“: Ob im Café, im Auto, Zuhause, auf Konzerten, am Flughafen und an vielen anderen Orten, die Power Matters Alliance will den eigenen Standard durchsetzen und hat damit bereits begonnen. Starbucks etwa, die in den USA bereits sehr stark für den Einsatz von kostenlosem WiFi verantwortlich sind, wird demnächst solche drahtlosen Akku-Ladestationen in ausgewählten Filialen anbieten. Auch der bekannte Madison Square Garden in New York bietet derzeit bereits 600 solcher Induktions-Ladestellen, damit Leute, die sich ein Konzert oder ein Spiel dort anschauen, sich nicht mehr darum sorgen müssen, dass während der Veranstaltung der Akku ihres Smartphones leer wird (es gibt ja immer Fotos, Video und mehr zu teilen).

Wireless Power Consortium

Wireless Power Consortium

Einen etwas anderen Ansatz liefert das Wireless Power Consortium, denn hier soll der sogenannten Qi-Standard (sprich: “Chee”) durchgesetzt werden, mit dem der Akku dann (ebenfalls induktiv/drahtlos) unterwegs aufgeladen werden soll. Voraussetzung: Das Smartphone muss einen entsprechenden Qi-Empfänger besitzen. Dies ist bei manchen Telefonen (wie dem Nexus 4 oder dem Lumia 920) bereits integriert, andere Smartphones lassen sich schnell mittels Zubehör erweitern (so auch das iPhone 4 und das iPhone 5, das Galaxy Galaxy S3 und das S4 und andere). Auch das Wireless Power Consortium will den eigenen Standard natürlich durchsetzen.

Bereits jetzt gibt es die verschiedensten Produkte, die das drahtlose Laden des Akkus ermöglichen. Im Rahmen unseres iTry 3.0 konnten wir in diesem Zusammenhang auch das Fatboy-Kissen für das Lumia 920 ausprobieren. Und das hat eigentlich sehr gut funktioniert. Das Problem: In der Theorie klingt das alles etwas besser als es in der Praxis funktioniert. Denn während das Fatboy-Kissen (mit Qi) für das Lumia 920 gut funktioniere, sah das beim Nexus 4 (das wie erwähnt ebenfalls mit dem Qi-Standard ausgestattet ist) ganz anders aus – Hier funktionierte das drahtlose Aufladen des Akkus leider nicht besonders gut.

Wie auch die Power Matters Alliance sieht das Wireless Power Consortium den Einsatz von Akku-Ladestationen vor allem an vielen öffentlichen Plätzen. In Japan etwa gab es Ende 2012 bereits mehr als 300 verschiedene Orte, an denen man seinen Smartphone-Akku mittels Qi laden konnte. Bis März dieses Jahres wollte das japanische Kommunikationsunternehmen NTT-Docomo 10.000 weitere öffentliche Ladestationen einrichten.

Das Interessante hier: Einige Unternehmen, die zu den Mitgliedern des Wireless Power Consortiums gehören (z.B. HTC, Samsung, Sony, Huawei, LG und weitere) sind ebenfalls Mitglieder der Power Matters Alliance. Das lässt sich zum einen dadurch erklären, dass diese Unternehmen wahrscheinlich möglichst alles „mitnehmen“ wollen, bis sich einer der Standards wirklich durchsetzt.

Alliance for Wireless Power (A4WP)

ALLIANCE FOR WIRELESS POWER (A4WP) LOGO

Der dritte im Bunde hört auf den Namen Alliance for Wireless Power. Insgesamt sind hier einige andere Unternehmen zugange, die sich für diesen Standard für das drahtlose Aufladen von Akkus stark machen. Daneben finden sich aber auch Unternehmen, die schon bei den beiden anderen Konsortien dabei sind. Vor allem sei hier Samsung genannt. Der südkoreanische Konzern unterstützt somit zunächst alle drei Standards. Hier steht vor allem das Bedienen unterschiedlicher Anforderungen im Fokus: Während die anderen vorangegangen Standards sich vor allem mit jeweils einer Ladefläche um das Aufladen der Geräte-Akkus beschäftigen, kann die Technologie der Alliance for Wireless Power auf einer Ladefläche gleich mehrere Geräte aufladen – und das sogar dann, wenn diese unterschiedliche Stromversorgungen benötigen. Ach ja, und es muss nicht einmal ein physischer Kontakt zwischen den Geräten und der Akku-Ladestation bestehen.

Nun ist die Frage: Welcher dieser Standards wird sich durchsetzen? Die drei hier präsentierten Konsortien mit deren eigenem Standard haben alle wirklich äußerst interessante Ansätze. Am Ende bleibt aber natürlich die Aufgabe, das Angebot für den Konsumenten so einfach und unkompliziert wie möglich zu gestalten. Es hört sich ein ganz klein wenig an wie Laser-Disc vs. DVD oder Betamax vs. VHS. Einer der Standards für das drahtlose Aufladen von (Smartphone-) Akkus wird sich in Zukunft zwangsläufig durchsetzen, welcher das sein wird ist bisher noch offen.

Quellen: Power Matters, Wireless Power Consortium, Alliance for Wireless Power, Artikelbild: The chaos of cables and wires in Kathmandu – Nepal via Shutterstock

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