Wie bereits im Januar vom russischen Techblogger und Brancheninsider Eldar Murtazin angedeutet, plant Google offenbar, seine Nexus-Geräteserie abzuschaffen. Sie soll, wie jetzt gerüchtehalber bekannt wurde, durch ein Premium-Smartphone-Programm ersetzt werden, das in Kooperation mit Hardwareherstellern und Netzbetreibern entsteht. Mit dem sogenannten „Silver Program“ beabsichtigt Google, mehr Kontrolle über seine Android-Plattform zurückzugewinnen.

Android Silver Program: Nexus-Serie soll 2015 neuer Premium-Linie weichen [Gerücht]

Vor geraumer Zeit berichteten die werten Kollegen von Android Police über die Existenz eines sogenannten „Silver Program“ bei Google. Dem Bericht von Anfang April zufolge sollte der Fokus dieses neuen Produkts auf Support rund um Android-Geräte liegen. Wie Amir Efrai, seines Zeichens Tech-Journalist mit sehr guten Industriekontakten, nun in Erfahrung bringen konnte, ist das Silver Program allerdings noch mehr. Efrati ist eine recht zuverlässige Quelle für Google-Angelegenheiten – erst im letzten Jahr hatte er viele Details von Android 4.4 KitKat noch vor der offiziellen Vorstellung geleakt. Auch über Android 4.5/5.0 hatte er bereits einiges zu berichten.

Google scheint mit dem Status Quo von Android nicht sonderlich zufrieden zu sein. Viele Hersteller kochen ihr eigenes Süppchen und stülpen über das mittlerweile doch sehr gelungene pure Android ihre eigene Nutzeroberfläche und entwickeln eigene Apps, die die guten vorinstallierten Standard-Anwendungen Googles ersetzen sollen. Ferner kommen oftmals noch diverse Apps hinzu, die man auch als Bloatware kennt und sich zum Teil nicht einmal deinstallieren lassen. Mit dem Silver Program beabsichtigt Google Kontrolle über seine mobile Plattform zurückzugewinnen und zugleich eine breitere Masse an Kunden zu gewinnen als man mit dem Nexus-Programm erreichen konnte, so Efrati.

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Das sogenannte „Silver Program“ soll das Aus für die unter Android-Enthusiasten beliebte Nexus-Serie (Bild) bedeuten

Um dies zu bewerkstelligen, so heißt es, wird Google bis zu einer Milliarde US-Dollar investieren. Das Geld wird allerdings nicht direkt an die Hardware-Partner oder Netzbetreiber fließen, sondern in umfangreiche Werbemaßnahmen wie Kampagnen, In-Store-Displays und Kiosks für die entsprechenden Produkte investiert. Darüber hinaus soll es in Partner-Stores von Google ausgebildete Fachleute geben, die über die Vorteile des Silver Program aufklären und beim Umstieg helfen.

Von Herstellern und Netzbetreibern, die an diesem Programm teilnehmen wollen, wird im Gegenzug erwartet, dass die Silver-Phones nur über eine geringe Anzahl an Nicht-Google-Apps verfügen und diese zudem vom Nutzer problemlos entfernt werden können. Überdies sollen die neuen Google-Smartphones so gestaltet sein, dass man auch erkennt, dass es sich um ein Android-Gerät handelt – das seit Kurzem bei Neugeräten auftauchende „Powered by Android“-Bootup-Logo ist also nur der Anfang – Stock-Android wird also wohl auch vorausgesetzt. Die Modelle des Silver Program sollen ferner zeitnah Firmware-Updates erhalten, wie man es bisher von den Nexus- und Google Play-Edition-Geräten kennt.

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Nach Angaben von The Informer soll das Silver Program zu Beginn insbesondere Herstellern zur Verfügung stehen, die sich in der Android-Welt noch nicht sonderlich stabil positioniert haben. LG und Motorola sollen zu den ersten Kandidaten gehören sollen; Samsung, HTC und Sony, die bereits umfangreich ihre eignen angepassten Nutzeroberflächen gestaltet haben und etabliert sind, sollen noch nicht mit an Bord sein. Auf der anderen Seite haben diese drei genannten Hersteller auch Google Play Edition-Modelle mit purem Android im Programm.

Google soll das Silver Program nicht nur für die Erweiterung der eigenen puren Android-Experience nutzen. Zu einem späteren Zeitpunkt, so Efrati, soll auch die Entwicklung von Hardware angetrieben werden. Beispielsweise soll in die Verbesserung der Spracherkennung, der Optimierung von Wasserfestigkeit und möglicherweise auch längerer Akkulaufzeiten investiert werden.

Ein wichtiger Aspekt des Programms dürfte die Motivation Googles sein, ein Stück Kontrolle über die eigene Plattform zurückzugewinnen – vor allem im Hinblick darauf, dass Samsung mit seinen Galaxy-Geräten, die Android ohne Zweifel erfolgreich gemacht haben, die Lorbeeren streitig macht. Denn nur wenige Besitzer eines Samsung-Smartphones sind sich dessen überhaupt bewusst, ein Android-Smartphone in Händen zu halten. Angeblich hatten sich Vertreter Samsungs und Googles bereits im Januar dieses Jahres zusammengesetzt, um das Thema TouchWiz, Samsung-Apps und die Präsenz von Google-Apps zu diskutieren.

Laut Efrati sollen erste Silver-Geräte im Laufe des nächsten Jahres in verschiedenen Ländern, inklusive den USA, Deutschland und Japan, lanciert und über die Netzbetreiber Sprint, T-Mobile, Telefonica, Telstra und Softbank angeboten werden. Im Unterschied zum Nexus-Programm, das insbesondere Android-Enthusiasten und Early-Adopter anspricht, scheint Google mit seinem Silver Program eine breite Masse erreichen zu wollen. Als Testballon, könnte man die gemeinsam mit Motorola entstandenen Produkte sehen, die unter anderem mit einer nahezu puren Android-Nutzeroberfläche und zeitnahen Updates von sich Reden machten.

Auch wenn das Silver Program aus unserer Sicht eine sinnvolle Initiative ist, fänden wir ein Ende der Nexus-Serie bedauerlich. Deren Fangemeinde ist nicht klein und das Preis-/Leistungsverhältnis dieser Geräte beinahe unschlagbar (auch wenn jüngst manche Geräte wie das OnePlus One vergleichbare Nexus-Geräte preislich unterbieten).

Was denkt ihr über dieses neue Programm und das mögliche Aus der Nexus-Reihe?

Quelle: The Information [via TechCrunch]
Bild oben: Paul Wilcox

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