Overflow-Pflicht in Android 4.4: Google killt (indirekt) Samsungs Menü-Button

Frank Ritter
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Google erzwingt Konsistenz: Mit einer kleinen, nicht weiter kommunizierten, Änderung im Quellcode lässt Google künftig den so genannten Overflow-Button in allen Apps anzeigen. Damit werden die bekannten drei vertikalen Punkte künftig auch auf Geräten eingesetzt, die über eine Hardware-Menütaste verfügen – und machen diese praktisch überflüssig. Wir erklären, wo das Problem liegt, was die Änderung bedeutet und wie Google auf diese Weise einen Schlag gegen Samsung landet.

Overflow-Pflicht in Android 4.4: Google killt (indirekt) Samsungs Menü-Button

Die Geschichte des Menü-Buttons auf Android-Geräten ist eine komplizierte: Ursprünglich galt er als eine der großen Errungenschaften des Betriebssystems – ein Button, der ein Kontextmenü in nahezu jeder App bereitstellte, praktisch die rechte Maustaste der Android-Welt. Die Idee war gut, doch die Welt wohl noch nicht bereit – denn viele Nutzer von Smartphones verstanden die Funktionsweise der Menütaste nicht, zumal nie ganz ersichtlich war, wann diese Funktionen bereithielt und wann nicht.

Google entschied sich mit Android 3.x Honeycomb, und in verstärktem Maß auch mit Android 4.0 Ice Cream Sandwich, dieses Problem in der Nutzererfahrung ernsthaft anzugehen. Das Ziel: der Menübutton sollte weg. Der Weg: drei vertikale Punkte.

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Der Overflow-Button wird bislang auf Geräten mit Hardware-Menütaste ausgeblendet (links), künftig soll er auch auf diesen eingeblendet werden

Als Ersatz für die Funktion des Hardware-Buttons sollten Menüeinträge in der App direkt dargestellt werden – vorzugsweise als Symbole. Da Android ein Betriebssystem ist, das sich an diverse Bildschirmgrößen anpassen kann, sollten Einträge, die nicht mehr in die entsprechende Leiste passen oder vom App-Entwickler als weniger wichtig markiert sind, in das so genannte Overflow-Menü in der Action Bar am oberen Rand der jeweiligen App wandern. Dieser Button, repräsentiert durch drei vertikal angeordnete Punkte, ist mittlerweile omnipräsent, insbesondere in den Apps von Google selbst und ein wichtiger Teil der Holo-Designsprache, die Mountain View seit Android 4.0 durchzusetzen versucht.

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Der Overflow-Button ist in jeder aktuellen Google-App vorhanden

Allerdings wurde auch dieser Button bislang inkonsistent verwendet. Denn Geräte, die noch echte Hardware-Menü-Buttons besitzen, sind nicht gezwungen, jenen Overflow-Button in Apps anzuzeigen. Insbesondere für Gerätewechsler ist die Umstellung von einem Gerät mit echter Menütaste auf eines mit In-App-Overflow-Menüs (oder umgekehrt) ein größerer Schritt der Umgewöhnung und eine deutlich wahrnehmbare Inkonsistenz im Android-System. Noch inkonsistenter wird es, wenn man betrachtet, dass der Overflow-Button in manchen Apps selbst dann angezeigt wird, wenn das Gerät einen Menü-Button besitzt – als Beispiel seien hier Pocket und die Twitter-App genannt.

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Einen großen Anteil an dem Kuddelmuddel hat Samsung: Der koreanische Smartphone-Hersteller trotzt seit der Vorstellung der Holo-Designempfehlungen, also bereits knapp zwei Jahre, allen Ambitionen Googles und verbaut weiterhin Hardware-Menü-Buttons in seinen Geräten. HTC hingegen, die, angefangen mit dem HTC One X, bereits seit Frühjahr 2012 den Menübutton in ihren Flaggschiffgeräten ausließen, mussten viel Kritik für den schwarzen Softwarebalken mit der Menütaste einstecken, der in Nicht-Holo-Apps angezeigt werden musste – obgleich diese Variante die eigentlich richtige war. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Samsung mit seiner Marktmacht im Android-Sektor frühzeitig auf den Menübutton verzichtet hätte – vermutlich hätte die Holo-Umgestaltung zahlreicher Apps deutlich früher begonnen.

Google will jetzt jedenfalls Schluss mit der Nutzerverwirrung machen. Mit der Android-Version 4.4 ist die Anzeige des Overflow-Buttons obligatorisch geworden, selbst auf Geräten mit Menü-Button. Drückt man also bei kommenden Android-Geräten auf die physische Menü-Taste, öffnet sich in der App das entsprechende Overscroll-Menü anstelle des Kontext-Menüs am unteren Rand. Ein entsprechender Commit in Googles Android-Quellcode, der just von einem Reddit-Nutzer entdeckt wurde, besagt dies … und ist außerdem mit einer netten Monthy Python-Referenz als Kommentar versehen.

Always show overflow buttons on action bars

The menu button is not pining, it’s passed on! This button is no more!
It has ceased to be! It’s expired and gone to meet its maker! It’s a
stiff! Bereft of life, it rests in peace! If you hadn’t nailed it to a
flagship device it’d be pushing up the daisies!

THIS IS AN EX-BUTTON!!

Fragt sich, wie insbesondere Samsung auf diese Änderung reagiert. Auch wenn Google weiterhin nicht auf direktem Wege verlangt, dass die Menübuttons weggelassen werden, so wird dieser doch zumindest redundant.

Wie seht ihr das: Ist es richtig, den Menü-Button auf dem Software-Scheiterhaufen zu verbrennen? Oder weint ihr diesem nicht unbedeutenden Teil der Android-Geschichte ein Tränchen nach? Eure Meinungen in die Kommentare.

[via Android Police]

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