runtastic: Sport-App im Test von Android-Pete

Peter Drimal
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runtastic zählt zweifelsohne zu den beliebtesten Sport-Apps im Google Play Store. Die App ist seit langem für fast alle Smartphone-Systeme verfügbar und bietet auch in der kostenlosen Basic-Version eine umfangreiche Funktionspalette – Grund genug, dass unser Lauf-Ass Android-Pete sich der Anwendung annimmt und sie für euch testet.

runtastic: Sport-App im Test von Android-Pete

Erscheinungsbild

Die Oberfläche von runtastic zeigt sich übersichtlich und ist ohne großes Einlesen sofort bedienbar. Nach der Erstanmeldung mit Eingabe der persönlichen Daten kann direkt mit dem Training begonnen werden. Neben Laufen, Radfahren, Skaten, etc. lassen sich vor dem Start auch Badminton, Yoga oder gar Tauchen als Workout-Ziel festlegen. Welchen Sinn GPS-Tracking beim Yoga hat und ob ein Smartphone ein zuverlässiger Tauchpartner ist, bleibt natürlich zu fragen.

Ist das gewünschte Workout gewählt, zeichnet runtastic neben dem Streckenverlauf alle wichtigen Daten wie Gesamtdauer, Distanz, Geschwindigkeit, Höhenmeter, Pace (Laufzeit pro Kilometer) sowie Herzfrequenz auf – letztgenannte allerdings nur in der Pro Version und in Verbindung mit einem Bluetooth-fähigen Brustgurt. Neben dem Basis-Workout, in dem diese Daten lediglich erfasst werden, kann auch ein Workout mit vorher festgelegtem Ziel gewählt werden. Wer also eine bestimmte Distanz, Laufzeit oder Mindestgeschwindigkeit erreichen will, gibt hier seine Wunschwerte ein.

Möchte man schließlich seine sportlichen Ambitionen mit anderen Personen teilen, verknüpft man runtastic einfach mit einem bestehenden Facebook- oder Twitter-Account.

Usability / Lauftest

Soviel zur Theorie. Aber wie schlägt sich runtastic im praktischen Einsatz?

Sind alle Daten eingegeben, startet man das Workout. Ein selbst festgelegter Countdown wird zunächst runtergezählt – Zeit genug also, das Smartphone zu verstauen und die Haustür zu verlassen. Dank zusätzlicher Tastensperre lässt sich das Smartphone während der Aufzeichnung weiter bedienen, ohne die Aufzeichnung der Strecke versehentlich stoppen oder pausieren zu können.

Nach einer Viertelstunde wird es dann Zeit für den ersten Zwischencheck: Der Blick auf das Display verrät die aktuellen Daten, wobei selber festgelegt werden kann, welche Werte in den vier Kacheln dargestellt werden sollen. Erster Eindruck: Alles wird übersichtlich aufgelistet, leider aber etwas zu klein. Trägt man das Smartphone am Oberarm, kann das Ablesen schonmal etwas länger dauern – falls einen nicht vorher ein Hindernis auf der Strecke unterbricht. Hier wäre eine minimalistische Ansicht mit größeren Zahlen deutlich besser. Die Anzeige der Wetterdaten im Display mag ja ein nettes Gimmick sein, aber ob es regnet oder nicht, merkt man hoffentlich auch so. Ebenfalls ungünstig: Es erfolgt keine Bildschirm-Rotation beim Drehen des Smartphones.

In den weiteren Ansichten lassen sich die Karte mit Streckenverlauf, die Zwischenzeiten-Tabelle oder die grafische Auswertung der Messdatenverläufe begutachten. Alles sehr übersichtlich und schnell erfassbar. Als Besitzer der Pro-Version besteht auch die Möglichkeit, sich sämtliche Werte in bestimmten Intervallen per Sprachausgabe ansagen zu lassen. Die nette, aber etwas stockende Frauenstimme verrät, wie es um die eigene Leistung steht. Praktischerweise kann man selber festlegen, welche Werte im Kopfhörer ausgegeben werden sollen.

Als besonderer Härtetest hat mich runtastic dann auf dem Berliner Halbmarathon am 01. April begleitet. Aus praktischen Gründen habe ich mich beim Lauf gegen die Sprachausgabe entschieden, mich auf meine Uhr am Handgelenk verlassen und das Smartphone in meiner Hüfttasche verstaut – dennoch hat sich runtastic als brauchbarer Begleiter bewiesen. Natürlich lässt sich bei der späteren Auswertung der Daten nicht alles auf runtastic ummünzen. Entscheidend für die Genauigkeit der erfassten Werte ist ja vor allem die Qualität des GPS-Signals, welches maßgeblich von der Hardware bestimmt wird. Doch auch die Darstellung des Streckenverlaufs sowie die Aufbereitung der Trainingsdaten zur späteren Auswertung fließen ja in den Gesamteindruck ein. Hier konnte runtastic positiv überzeugen. Sowohl auf dem Smartphone als auch im Online-Portal lässt sich der Trainingsverlauf gut nachvollziehen. Auch das Live-Tracking während des Laufes klappte im Übrigen einwandfrei (eine Funktion, die nicht nur mitgebrachten Zuschauern an der Strecke dienen soll: Auf einsamen Radtouren etwa kann so auch der besorgte Partner nachprüfen, ob man noch in Bewegung ist).

Negativ aufgefallen ist mir bei einem anderen Lauf jedoch, dass ein fehlendes GPS-Signal während des Trainings die Statistik ordentlich vermiest: Diese Zeit wird nämlich mit 0 km/h in in die Durchschnittsbewertung aufgenommen. Läuft man also eine Stunde mit 10km/h, davon aber die Hälfte ohne GPS-Signal, darf man sich hinterher über eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5km/h „freuen“. Honoriert wird das ganze dann mit einer Schnecke für den langsamsten Kilometer. Die perfekte Lösung wäre für mich die Option, Geschwindigkeiten von unter 1 km/h beispielsweise einfach als Pause zu interpretieren und nicht mitzuzählen. Damit wären dann auch Ampelstopps oder kurze Trinkpausen weniger beeinflußend.

Auswertung / Portal

Um einen Überblick über die eigenen Trainingserfolge zu bekommen, bietet runtastic ein eigenes Fitnessportal an, in dem alle Aktivitäten chronologisch gespeichert werden. Hier kann man zudem die Werte nachträglich editieren sowie Strecken importieren oder exportieren. Einige Statistiken sind frei verfügbar; wer eine fundierte, analytische Auswertung haben möchte, muss das runtastic GOLD-Abo abschließen. Eine eigene Strecke erstellen oder von anderen hochgeladene Strecken nachlaufen, ist ebenfalls möglich – in der Community stehen tausende Strecken zur Verfügung. Leider kann man sich nicht per Smartphone entlang dieser navigieren lassen.

Das Portal bietet zudem zahlreiche Optionen zur Interaktion mit anderen Sportlern: Ob Freundesliste, Nachrichtenfunktion oder Kilometervergleich – hier ist einiges möglich. Wer einen vorgefertigten Trainingsplan benötigt, wird ebenfalls fündig, muss dafür aber teilweise auch tiefer in die Tasche greifen (so kosten beispielsweise die Trainingspläne von Olympia-Sieger Dieter Baumann bis zu 25 Euro.)

Fazit

runtastic eignet sich gleichermaßen für Einsteiger und Freizeitsportler bei verschiedenen Sportarten. Die Bedienung ist schnell verstanden, der übersichtliche Aufbau der App führt den Nutzer ohne Umwege zu den gesuchten Funktionen und Werten. Das Online-Portal überzeugt ebenfalls. Abzüge gibt es für die zu kleine Darstellung der aktuellen Werte während des Workouts. Für den professionellen Einsatz ist runtastic mangels festlegbarer Herzfrequenz-Zonen während der Aktivität und fehlendem Intervall-Training (eine Funktion, die laut Webseite aber in Arbeit ist) weniger geeignet. Eine Navigation entlang einer vorher gewählten Strecke ist ebenfalls nicht möglich. Da runtastic stetig verbessert wird, darf man sich sicherlich auf die eine oder andere zukünftige Funktion freuen.

Die Vorteile der Pro-Version liegen vor allem in der Möglichkeit zur Aufzeichnung der Herzfrequenz (via Bluetooth-Brustgurt), der Live-Tracking-Unterstützung sowie der integrierten Sprachausgabe.

runtastic auf einen Blick:

Pro

  • Ansprechendes Interface
  • Übersichtliche Zwischenzeitentabelle
  • Audio-Feedback
  • Gutes Online-Portal mit eigener Community
  • Strecken in Karten von Google Maps, OpenStreetMaps oder OpenCycleMaps darstellbar
  • Export der Laufstrecken (GPX, KML, TCX)
  • Import von Aktivitäten (GPX und TCX)
  • Tausende Strecken europaweit aufrufbar
  • Unterstützt Bluetooth-Brustgurte

Kontra

  • Darstellung der Werte während der Aufnahme zu klein
  • Keine Bildschirmdrehung möglich
  • Geschwindigkeitsmittelung trotz fehlendem GPS-Signal
  • Keine Laufpausen-Erkennung
  • Keine Navigation entlang importierter Strecken

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Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

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