Shingeki no Kyojin – Attack on Titan: Sie sind das Essen und wir sind die Jäger!

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Der Anime „Shingeki no Kyojin“, besser bekannt als „Attack on Titan“, wurde mir allein im Feedback-Podcast gefühlte dreihundert Mal empfohlen. Sogar Kollege Leo lobte das Teil (und dessen Intro) schon in den Himmel. Die Shonen-Serie ist in Japan und der Welt gerade der heiße Scheiß, viele Fans betiteln das Titanen-Gekloppe als den Retter der Anime-Saison. Ich bin jetzt 18 Folgen drin. Und  sowohl begeistert als auch skeptisch.

Bevor es losgeht, solltet ihr euch auf jeden Fall das Intro zur Serie anschauen. Dann bekommt ihr nicht nur eine gute Vorstellung davon, worum es in der Serie gehen könnte, der Titel des Artikels macht dann auch gleich viel mehr Sinn. Angucken!

Sie sind das Essen und wir sind die Jäger!

In „Attack on Titan“ wurde die Menschheit von einer riesigen Bedrohung in die Enge gedrängt und lebt nun eingeschlossen von drei großen Mauern in einem verhältnismäßig kleinen Königreich. Riesig im wahrsten Sinne des Wortes übrigens, denn bei besagter Bedrohung handelt es sich um Titanen, die in der Regel 3 bis 15 Meter groß werden. Seit über 100 Jahren lebten die Menschen in Frieden, die Titanen wurden erfolgreich von der Mauer ferngehalten. Bis eines Tages... naja, ihr könnt es euch denken.

Dieses Szenario wäre nur halb so interessant, wenn da nicht das Design der Titanen wäre. Die Riesen sehen aus wie männliche Menschen. Nackt, ohne Geschlechtsorgane und oft mit breiten, unnatürlichen Grinsen. Unnatürlich auch deshalb, weil viele der Viecher keine Lippen haben. Wer beim Introsong aufgepasst hat, wird sich zudem denken können, was diese Monster mit den Menschen machen. Es ist einfach ein sehr abstoßendes Bild, wenn einer der Titanen einen Menschen in der Hand hält und ihn langsam gen Mund führt. Die perfekten Monster also.

Verzweiflung ist in den ersten Folgen das Hauptthema von „Attack on Titan“. Dicht gefolgt von Rache, Selbstzweifel, Angst. Mir gefällt dabei vor allem, wie die Serie mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. Gerade in den ersten Folgen hatte ich das Gefühl, ein gewisser George R. R. Martin hätte hier seine Finger im Spiel – so krass geht „Attack on Titan“ mit seinen Charakteren um. Leider ist mir der Anime in der Hinsicht nicht konsequent genug.

Dafür finde ich den Umgang mit dem Mysterium „Titan“ vorbildlich. Woher kommen die Titanen? Warum essen sie die Menschen? Sind sie intelligente Wesen? Was ist ihr Ziel? Die Antworten auf diese Fragen gibt mir „Attack on Titan“ Stück für Stück, ohne dabei (bisher) das große Geheimnis zu lüften. Spannung ist eine der größten Stärken von Hajime Isayama, dem Schöpfer des Mangas, auf dem „Shingeki no Kyojin“ basiert.

Zwischen großen Schlachten und großen Verlusten gibt es immer mal wieder ruhige Folgen – manchmal sogar Comic Relief-Episoden, die meines Erachtens nur dafür da sind, die Charaktere wie auch die Zuschauer in Sicherheit zu wiegen. Der Cast besteht übrigens aus teilweise sehr ernsten, teilweise sehr gewollt schrulligen Charakteren. Bei manchen fällt es mir schwer, sie ernst zu nehmen, vor allem, wenn dann noch die hauptsächlich deutsche Namensgebung dazukommt. Erwin, Rainer, Hannes – im Japanischen klingen diese Namen geradezu exotisch.

Die Animation ist gerade bei den Kämpfen gegen die Titanen wahnsinnig gut. Im Kontrast dazu steht der recht häufige Einsatz von Standbildern in ruhigen Momenten. Sehr gut finde ich den treibenden Soundtrack, der das Drama der Serie herrlich überschwinglich unterstreicht und der Action die nötige Intensität gibt.

„Attack on Titan“ hatte mich seit Folge 1. Das ungewöhnliche Szenario und die einfallsreiche Action fesseln so sehr wie der unbarmherzige Griff eines Titanen. Damit ihr aber nicht nur auf meine Meinung hören müsst, hier noch die von Leo und Robin:

Leos Meinung zu „Attack on Titan“

„Titan“ ist psychologisch und spielt gleichermaßen mit Urängsten und zwischenmenschlicher Spannung, was ich sehr respektiere. Und wenn es sich auch mehr als einen Aspekt von „Evangelion“ borgt, entwickelt es einen eigenen, düsteren und bedrückenden Reiz, den man so kaum woanders findet – wenn der „Traumatisiertes Mädchen ohne Gefühlsregungen“-Stereotyp innerhalb der ersten zehn Folgen bei sage und schreibe drei Charakteren auftaucht, weiß man schon in etwa, welche Art Anime man vor sich hat.

Es ist aber nicht alles eitel Sonnenschein. Die Berg-und-Talfahrt zwischen Action- und Dramaepisoden dürfte ruhig ein bisschen weniger holperig sein (sowohl in Fragen der Dynamik als auch der Animation), der selten auftauchende, gut gemeinte, aber unbeholfene Comic Relief wäre wohl besser weggelassen worden und die Serie ist insgesamt nicht ganz so clever, wie sie denkt, denn wenn man einen Twist schon sechs Folgen im Voraus ahnt, geht doch ein Teil der Spannung flöten.

Das, und die unvermeidliche Tatsache, dass ein Geheimnis seinen Reiz verliert, wenn man es erklärt – die Titanen sind am schrecklichsten, so lange man nichts über sie weiß, und jedes neue Detail entzaubert sie ein bisschen. Das Paket ist allerdings insgesamt sehr rund und, vor allem, intensiv. Sollte man nicht verpassen.

Robins Meinung zu “Attack on Titan”

Die ersten sieben Folgen lang war ich bereit, „Titan“ in die Top 3 meiner Lieblings-Anime aufzunehmen. So etwas hatte ich schlicht noch nicht gesehen: Ganz bewusst wurde mit Anime-Klischees gespielt, nur um den Zuschauer in Sicherheit zu wiegen und ihn anschließend mit einer überraschend realistischen Visualisierung des Leidens und Sterbens dutzender Charaktere zu schockieren. Es war völlig egal, wie toll die Rede des Hauptcharakters war, wie episch der Soundtrack gerade im Hintergrund spielte: Irgendetwas ging immer schief und meist war nüchtern präsentiertes, endloses Leid die Folge.

Leider scheint „Titan“ diese Eigenschaft mit jeder weiteren Folge immer mehr zu verlieren. Mittlerweile sehe ich es als sehr gutes Anime mit Momenten der Genialität, das jedoch sehr viel gewöhnlicher ist, als es von sich selbst denkt. Die Cliffhanger am Ende vieler Folgen sind regelmäßig schockierend, doch wenn die Antwort auf „Das haben die doch jetzt nicht wirklich gemacht?!“ regelmäßig „Nö, verarscht. Ätsch!“ ist, dann verlieren sie irgendwann ihre Wirkung.

Trotzdem: „Attack on Titan“ hat einen ganz eigenen, wunderschönen Zeichen-Stil, ist in den Kampf-Szenen sensationell animiert und präsentiert ein von Anfang an interessantes und sehr kreatives Universum. Ich will unbedingt wissen, woher die Titanen kamen und was sie genau sind – auch wenn ich befürchte, dass die Antworten sehr viel langweiliger sein werden, als die Fragen.

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