Warum Apple das Apple-Auto aufgegeben hat

Florian Matthey
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Während es beim Projekt „Apple Car“ anfänglich um ein Apple-Auto ging, sind die Ambitionen mittlerweile kleiner geworden. Das Autonomie-System, will die New York Times wissen, werde zunächst in Shuttles zwischen Apples Büros zum Einsatz kommen.

Warum Apple das Apple-Auto aufgegeben hat

Bald wird es drei Jahre her sein, dass die ersten Gerüchte um ein komplettes Apple-Elektroauto aufkamen. Mittlerweile ist klar, dass Apple zumindest vorerst nicht zum Autohersteller werden will. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen seit einiger Zeit auf die Entwicklung autonomer Systeme, die auch in Autos zum Einsatz kommen sollen. Auf kalifornischen Straßen sind bereits Lexus-SUVs mit dem Apple-System unterwegs, und Apple-CEO Tim Cook hat die Forschung im Bereich Autonomie und autonomes Fahren mehrfach bestätigt.

Die New York Times berichtet jetzt ausführlich über die Entwicklung des „Project Titan“. Dafür hat sich die Zeitung fünf Personen unterhalten, die mit dem Projekt vertraut sind – allerdings nicht namentlich genannt werden möchten. Vielen Mitarbeitern, die zur Anfangszeit des Projekts Mitglied des Teams wurden, habe man zunächst erklärt, man arbeite an dem „nächsten großen Ding“, das die Automobilindustrie in Detroit überrennen werde.

Dann habe es aber immer wieder Rückschläge und Differenzen über die Ausrichtung des Projekts gegeben. Beispielsweise sei man sich nicht einig gewesen, ob man ein komplett autonomes Fahrzeug – sogar ohne Lenkrad und Pedale und mit Augmented-Reality-Elementen auf der Windschutzscheibe – oder ein semi-autonomes bauen wolle, das der Fahrer auch selbst steuern kann. Letzteres erinnert an Teslas „Autopilot“, dessen Funktionsweise dieses Video zeigt:

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Tesla: Hardware für autonomes Fahren im Model S

Auch habe man versucht, die „Lidar“-Abstandssensoren ins Auto zu integrieren, damit sie keinen hässlichen Hubbel auf dem Dach mehr darstellen. Selbst das Rad habe Apple neu erfinden wollen: Statt normalen Rädern sollten sich an der Unterseite des Autos Kugeln befinden, mit denen sich das Auto in alle Richtungen hätte bewegen können. Solche manchmal auch verrückt anmutende Ideen sind bei einem komplett neuen Projekt nichts Ungewöhnliches; im „Project Titan“ haben sie aber offenbar für zu viel Unruhe gesorgt. Vor einem Jahr soll dann Apples Senior Vice President Bob Mansfield die Kontrolle übernommen haben und das Projekt auf autonome Systeme statt ein komplettes Apple-Auto zurückgefahren haben. Seitdem funktioniere die Arbeit mit weniger Reibung – aber eben auch mit einer weniger weitreichenden Vision.

Ein „Apple-Auto“ ist aktuell also ein Auto eines anderen Herstellers mit einem Apple-Autonomie-System – so wie eben die Test-Lexus auf den Straßen Kaliforniens. Dort sollen, wie die New York Times ebenfalls erfahren hat, bald aber auch „Apple-Shuttles“ unterwegs sein: Apple möchte Kleinbusse mit dem eigenen Autonomie-System zu den einzelnen Bürogebäuden in Cupertino und Palo Alto fahren lassen, damit Mitarbeiter nicht mit eigenen Fahrzeugen oder eigens organisierten Fahrgemeinschaften zur Arbeit kommen müssen.

All das ist natürlich weniger aufregend als ein komplettes Apple-Auto – allerdings vorerst wohl ein realistischerer Schritt. Auch scheint es nicht so zu sein, dass Apple die Idee eines eigenen Autos komplett aufgegeben hat: Die New York Times verweist zu Recht darauf, dass Apple immer das komplette Produkt „kontrollieren“ möchte.

Quelle: New York Times