Apple Store Berlin: Kameras vor Gäste-WCs und im Meetingraum (Kommentar)

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Videoüberwachung bei Geschäften aller Art. Auch im neuen Berliner Apple Store am Kurfürstendamm blicken die künstlichen Augen herab auf Kunden und Mitarbeiter. Viele Besucher dürften erstaunt sein, wenn sie erfahren, wo sie ständig auf Schritt und Tritt gefilmt werden.

Apple Store Berlin: Kameras vor Gäste-WCs und im Meetingraum (Kommentar)

Apple hat es dieser Tage nicht leicht. Der Aktienkurs beständig unter Druck, Ebbe bei Produktankündigungen und aus deutschen Landen erhält der Hersteller in seiner Funktion als Einzelhändler den Big Brother Award verliehen. Die umfassende Videoüberwachung der Angestellten hatte die Jury dabei im Blickfeld. Einem aktuellem Bericht (Zeit Online) zufolge wurden die gröbsten Schnitzer mittlerweile beseitigt, Apple bewegt sich wieder auf dem Boden der deutschen Gesetzmäßigkeit. Ist das Thema damit vom Tisch, darf König Kunde wieder unbeschwert den Einkaufstempel betreten und der Kauflust frönen?

Apple Store Berlin: Überwachungskameras im Check

Letzte Woche eröffnete Apples bisher größter Store in Deutschland. Der Ku’damm stand Kopf beziehungsweise an. Ungläubiges Staunen bei nicht eingeweihten Statisten am Rande des Geschehens, leibhaftige Begeisterung bei Kunden und Mitarbeitern der Kultmarke. Es sei ihnen vom Herzen gegönnt.

Einen Tag zuvor durfte die Presse das Berliner Gebäude bestaunen. Wir folgten der Einladung und berichteten. Unser Blick galt jedoch nicht nur der beeindruckenden Architektur des klassizistischen Kleinods. Wir wollten wissen: An welchen Stellen filmt Apple den Kunden? Das Ergebnis mag Optimisten überraschen, Pessimisten hingegen fühlen sich in ihrer Vermutung bestätigt – Apple entgeht letztlich nichts. Selbstverständlich finden sich die unscheinbaren schwarzen Kameraäuglein im großen Verkaufsraum, gelegen im Erdgeschoß. Sollten Kunden ohne zu zahlen zugreifen, findet sich hier die perfekte Gelegenheit. Eine Überwachung ist verständlich, angemessen. Auch das Treppenhaus, die Flure, das Apple-Theater (Theatre) sind mit den Überwachungskameras ausgestattet. Unterm Strich: Kein Skandal, Alltag im Jahre 2013.

Kritikwürdig: Kameras vor Gäste-WCs und im Briefing Room

Kritisch wird es jedoch vor allem in zwei Räumen des Berliner Apple Stores. In der dritten Etage befinden sich, wie auch im Untergeschoss, die Gäste-Toiletten. Bevor man diese erreicht, durchquert man einen dazugehörigen, abgetrennten Vorraum. Wir staunten nicht schlecht: Auch hier befinden sich überall Kameras. Warum? Ist die Überwachung des eigentlichen Treppenhauses nicht ausreichend, um für Schutz und Ordnung zu sorgen? In den Toiletten selbst verzichtet Apple auf die Überwachung.

Erstaunt zeigten wir uns auch über die Präsenz von Überwachungskameras im „Briefing Room“. Diese abgetrennte Räumlichkeit ist dem Business Team von Apple und seinen Geschäftskunden vorbehalten. Weltweit unterhält Apple 27 dieser Meetingräume in den Stores. Zwei davon gibt es in Deutschland – Hamburg und jüngst Berlin. Der Hersteller umschreibt die Funktion wie folgt: „Wer die Erfordernisse seines Unternehmens gern näher besprechen möchten, vereinbart am besten einen Termin für ein Briefing. Dabei steht das Business Team in ruhiger und entspannter Atmosphäre im Store zur Verfügung – entweder vor den üblichen Geschäftszeiten oder in einem speziell reservierten Briefing Room. Wir erarbeiten zusammen mit dem Unternehmen die richtige Lösung, egal ob Hardware, Software oder Dienstleistungen.“

Zutritt erhält man vorderhand also nur mit einer ausdrücklichen Terminvereinbarung. Warum filmt Apple diese besonders wichtige und auf Diskretion geeichte Kundengruppe? Ich möchte als Geschäftspartner jedenfalls von Apple während eines vertraulichen Gespräches nicht gefilmt werden – B2B funktioniert so nicht. Gerne hätten wir von Apple gewusst, ob Business-Kunden vor dem eigentlichen Meeting im „Briefing Room“ auf die Videoüberwachung hingewiesen werden. Auch hätte uns interessiert, ob diese Geschäftspartner der Aufzeichnung widersprechen können.

Leider sah sich der Hersteller außerstande, auf diese und weitere Fragen von GIGA APPLE zu antworten. Stattdessen verwies man auf ein allgemeines Statement. Dieses gab Apple Mitte April gegenüber der Nachrichtenagentur dpa ab und zielte auf den zuvor erhaltenen Big Brother Award. Apple bezeichnete die Anschuldigungen der Jury darin als falsch. Die Kameras dienten zur Unterstützung „beim Schutz der Kunden und Mitarbeiter“. Apple führte weiter aus: „Wir respektieren die Privatsphäre jedes Einzelnen, der einen Apple Store besucht oder dort arbeitet, und das beinhaltet auch die Platzierung der Sicherheitskameras“.

Videoüberwachung: Apple als Negativbeispiel

Nicht alles was rechtens ist, ist auch richtig. Moral und Gesetz tanzen umeinander und finden nicht immer zusammen. Dies gilt auch für das oftmals heraufbeschworene Allheilmittel der Videoüberwachung. Bedauernswert: Wir haben uns daran gewöhnt. Ein normaler Großstädter wird im Laufe des Tages mehrmals und ungewollt im Bewegtbild festgehalten – in der U-Bahn, auf der Straße, im Supermarkt. Ist letztlich Star seiner eigenen Peepshow mit einem exklusiven Zuschauerkreis.

Zugegeben: Es wäre zu billig, den Zeigefinger nur in Richtung Apple zu heben. Der kalifornische Hersteller ist wohl nicht besser oder schlechter als der Discounter um die Ecke. Und doch: Apple und deren Anwender verstanden sich bisher als Teil der guten Kraft. Wollten anders sein und anders denken. Gemessen wird man an der eigenen Moral. Oder war es am Ende doch bloße PR?

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Fotos: Sebastian Trepesch

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