Nikon hat jetzt eine Outdoorkamera im Programm. Wir haben ein Exemplar der Coolpix AW100 in die Redaktion bekommen und uns einen Blick darauf natürlich nicht nehmen lassen. Was leistet die wasserdichte, stoßgeschützte und kälteresistente Knipse?
Die Nikonos, das waren (und sind) Unterwasserlegenden unter den analogen Spiegelreflex-Kameras. Nikon hat sich sehr viel Zeit gelassen, um die erste digitale Kompakte zum Abtauchen auf den Markt zu bringen: Die Coolpix AW100 gibt es noch nicht lange, während die Modelle der Konkurrenz schon in der dritten Generation sind. Im Sommer haben wir auf macnews.de bereits zwei Kompaktkameras für den Unterwassereinsatz verglichen: Die Panasonic Lumix FT 3 mit der Olympus Tough TG-810. Vergleichsbilder können wir mit der Nikon nun leider keine mehr anfertigen, in einem kleinen Blick auf das Produkt wollen wir dennoch schauen, ob sich die AW100 als Urlaubsknipse eignet.
Über Stock und Stein bei Wind und Wetter
Wasserdicht ist die Nikon Coolpix AW100 bis 10 Meter, stoßgeschützt bis 1,5 Meter Fallhöhe. Kälteresistent ist die Kamera bis Minus 10 Grad. Sie ist also für den Skiurlaub (oft) geeignet. Die Temperatur ist tatsächlich nicht zu vernachlässigen. Der Sensor einer meiner “normalen” Kameras hat sich bei minus 15 Grad und einer halben Stunde an der frischen Luft für immer verabschiedet.
Diese “Outdoor-Werte” entsprechen damit so in etwa den Konkurrenzmodellen.
Das Gehäuse besteht aus deutlich mehr Plastik als die (teuereren) FT3 und TG-810. Der Verschluss für Akku und SD-Karte – bei einer Unterwasserkamera ein heikles Bauteil – wirkt auf mich dagegen deutlich vertrauenserweckender als der der Panasonic. Die Bedienelemente liegen weicher auf dem Gehäuse, vor allem der Auslöser ist ungewohnt beweglich. Die Druckpunkte sind klar erkennbar, nicht aber Nikon-typisch.
Umfangreiche Ausstattung
Wie es sich für eine Outdoor-Kamera heutzutage schon gehört, hat Nikon GPS eingebaut. Es wird durch einen elektronischen Kompass und eine integrierte Weltkartenansicht ausgebaut. Die weiteren Daten:
Bildsensor mit 16 Megapixel
Full-HD-Filme
ISO-Empfindlichkeit 125 bis 3200
Brennweite 28 bis 140 mm (Kleinbild entsprechend)
Blende 1:3.9 – 4.8
Motivprogramme und ein paar nette Effekt-Filter
Bildstabilisator
Highspeed-Aufnahmen mit bis zu 7,1 Bildern pro Sekunde
16 Megapixel hat Nikon auf den kleinen Chip gepfeffert – das klingt nach vorprogrammierten Bildrauschen. Die rückwärtige Belichtung soll aber zu einer höheren Lichtausbeute führen, der dem wieder entgegenwirkt. Die Videoauflösung ist FullHD. Ein RAW-Format gibt es nicht. Für einen ordentlichen Weißabgleich unter Wasser soll ein entsprechender Modus sorgen.
Und wie sehen nun bei Nikon die Fotos aus? So:
Das Bild ist mit ISO 400 bei trübem Tageslicht aufgenommen. In der 100-Prozent-Ansicht ist Bildrauschen erkennbar. Für eine Kompaktkamera liegt es in sehr zivilisiertem Rahmen:
Andere Knipsen rauschen deutlich stärker.
Ein Vergleichsbild der Nikon P7000, das Topmodell der Coolpix-Kameras, zeigt weniger Rauschen, aber auch eine leicht geringere Schärfe. Das Bild ist marginal kontrastreicher und wärmer als das der AW100:
Ein deutlich rauschfreieres Bild erhält man erst mit der Nikon 1 V1, die bei unserem Testmotiv einen etwas kühleren Weißabgleich macht.
Trotz Plastikgehäuse stellte sich die Nikon Coolpix AW100 als vernünftiges Outdoor-Modell heraus. Die Bildqualität ist ihrer Klasse angemessen, der Straßenpreis von rund 260 Euro liegt unter den UW-Topmodellen der Konkurrenz. Anspruchsvollen (Hobby-)Fotografen wird so eine Kompaktkamera natürlich nicht genügen, schon allein mangels der manuellen Einstellmöglichkeiten. Als Zweitkamera hat die wasserdichte AW100 auf jeden Fall einen Platz in der Hosentasche verdient.