Die Vieh Chroniken - Knuddel-Duddel-Doing-Doing

Leserbeitrag
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Manchmal haben es Spiele-Entwickler wirklich nicht gerade leicht. Da entwickelt man eines der erfolgreichsten Adventeure-Spiele der letzten Jahre, steht sogar schon für ein Add-on in den Startlöchern und dann machen einen wirtschaftliche Querelen einen Strich durch die Rechnung. Gemeint ist das deutsche Entwicklerstudio King Art, das 2009 mit dem "Book of Unwritten Tales" ein klasse Spiel ablieferte und nun endlich mit "Die Vieh Chroniken" zurückkehrt.

Die Vieh Chroniken - Knuddel-Duddel-Doing-Doing

Zwei Publisherwechsel hat es gebraucht, um den “Vieh Chroniken” endlich zu ihrem heutigen Auftritt in der GIGA-Redaktion zu verhelfen. Nachdem der ursprüngliche Publisher HMH Interactive Insolvenz anmelden musste und der eingesprungene Vertriebspartner JoWooD kein Glück bedeutete, war es letztlich die Crimson Cow, die sich als Geburtshelfer des Viehs erweisen konnte. Während wir gerade den guten alten Kapitän Nate Bonnett, bekannt aus dem Vorgänger, über das Deck eines fliegenden Schiffes klicken, fällt uns auf, dass das ewige Hin und Her den “Vieh Chroniken” eigentlich sogar ganz gut getan hat.


Schließlich ist das als Prequel angelegte, klassische Point & Click Adventure in der Zwischenzeit von einem kleinen Add-on zu einem Vollpreistitel herangewachsen. Das liegt vor allem daran, dass sich Entwickler King Art durch die Probleme schlichtweg mehr Zeit für die neuen Abenteuer von Nate und seinem Vieh nehmen konnte. Ganze fünf Kapitel umfassen die “Vieh Chroniken” nunmehr. Glaubt man den Aussagen der Entwickler, dann liegt die Spieldauer ihres Werkes zwischen 10 und 12 Stunden. Das mag zwar kein Vergleich mit dem ziemlich umfangreichen Vorgänger sein – mehr als ein Add-on ist das aber allemal.

Das ist aber bei Weitem nicht die einzige Änderung. Beim Probespielen fällt uns sofort auf, dass die Render-Sequenzen aus “The Book of Unwritten Tales” durch längere In-Game-Sequenzen ersetzt wurden. Das rückt “Die Vieh Chroniken” näher an die guten, alten Adventuretage der 90er, lässt aber auch einiges Präsentation-Potential ungenutzt liegen. In den von uns gespielten Abschnitten wirkte das Spiel somit schön traditionell, bisweilen aber auch ein bisschen trocken.


Überhaupt scheint die Geschichte um den Beginn der großen Freundschaft zwischen Nate und dem Vieh eher behäbige Töne anzuschlagen. Angereichert mit zahlreichen popkulturellen Zitaten, fordert uns der Humor der “Vieh Chroniken” immer wieder ein zu kleines Schmunzeln auf – große Lacher konnte wir uns bisher leider noch nicht abringen. Die Notwendigkeit einer Sozialversicherung für Flugschiffkapitäne, eine Gallionsfigur mit Figur-Problemen, ein Yetiforscher, der sich selbst für einen Yeti hält und ein Passwort namens “Knuddel-Duddel-Doing-Doing” – das ist alles recht süß und herzlich vorgetragen; vom Stuhl fielen wir aber wie gesagt deshalb noch nicht.


Sehr viel besser gefielen uns dagegen die gewohnt guten Rätselaufgaben, die insbesondere im späteren Verlauf des Spiels angenehm fordernd waren und größere Logiklücken ausließen. Auch der rege Einsatz von Mini-Games fiel in den von uns gespielten Bereichen kaum negativ auf. Mal galt es ein Schloss mit einer Geschicklichkeitsübung zu knacken, mal musste ein Farbrätsel in der Form eines Malspiels gelöst werden. Mehr als eine nette Auflockerung des klassischen Point & Click-Betriebs darf man sich hier aber auch nicht erhoffen.

Wer sich von “Die Vieh Chroniken” überfordert fühlt, der darf zwischen zwei Schmierigkeitsgraden wählen, wobei uns in den leichteren Gefilden mit Hotspotanzeige und kürzeren Rätselketten auf die Sprünge geholfen wird.

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