Am Rande der CES hatten wir das Gametel der schwedischen Firma Fructel entdeckt: Ein Gamepad-Aufsatz, der mit den meisten Android-Smartphones und Tablets per Bluetooth gekoppelt werden und so als Eingabegerät für Spiele verwendet werden kann. Zurück in Deutschland haben wir gleich ein Testexemplar angefordert und uns das Gametel-Pad genauer angeschaut.

Gametel Controller: Test des Bluetooth-Gamepads zum Anstecken

Gametel im Testvideo

In unserem Testvideo zeige ich das Gametel-Pad und einige Spiele, die mit dem Accessoire zusammenarbeiten.

Einrichtung des Gametel-Controllers

Das Gametel kommuniziert mit dem Android-Gerät per Bluetooth und emuliert dabei im Prinzip Keyboardtasten. Die etwas mühselige Kopplung über das Android-Bluetooth Menü kann man sich hingegen sparen – es reicht, wenn man sich die Gametel-App aus dem Market installiert. Nach der Installation startet man die Anwendung, Bluetooth wird in der App aktiviert, dann muss man durch längeres Drücken der Start-Taste auf dem Pad Bluetooth aktivieren, danach wird der Nutzer beim Koppeln beider Geräte von der App begleitet.

Um das Pad zu nutzen, muss man allerdings noch die „Gametel“-Softwaretastatur aktivieren, also Swype, SwiftKey oder was auch immer man gerade benutzt, ausschalten. Diese deaktiviert sich aber selbsttätig wieder, sobald die Kopplung beendet wird; in den Einstellungen der Gametel-App kann man festlegen, welche Tastatur danach automatisch als Fallback aktiviert wird. Diese Lösung mag ein wenig umständlich erscheinen – ist aber leider notwendig, weil Smartphones, die noch kein Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ besitzen, auf anderem Weg keine externen Controller zulassen. Das mag nicht ganz so intuitiv sein wie etwa das Einstecken des Tablets in das Dock beim ASUS Transformer Prime, aber man gewöhnt sich daran.

Hardware und Mechanik

Die schwedischen Ingenieure von Fructel haben sich ein paar gute Gedanken gemacht: Der Klammer- und Federmechanismus des Gametel spannt das Gerät über dem Pad ein und kann mit fast allen Smartphones umgehen. In unserem Test funktionierte das Gametel mit dem Galaxy Nexus, dem Samsung Galaxy S und S2, sowei dem Huawei Ideos X3 zusammen. Beim Galaxy Nexus und dem Huawei stellten wir ein leichtes Wackeln in der Apparatur fest. Ein bisschen Vorsicht vorausgesetzt, kann man damit aber trotzdem spielen.

Das T-Mobile G1 war zu breit für den Gametel-Controller, das Sony Ericsson Xperia Play funktionierte aufgrund seiner Dicke gerade so, wobei sich über den Sinn einer Kopplung bei diesem Smartphone natürlich gestritten werden kann. Es lassen sich Geräte mit einer Breite von bis zu 7,2 cm einspannen – sicher ist also, dass das Gametel nicht das Samsung Galaxy Note einspannen kann.


Generell kann man das Gametel dank Bluetooth natürlich auch verwenden, ohne dass physischer Kontakt zwischen Pad und Controller besteht. Das ist zum Beispiel beim Spielen auf Tablets praktisch. Außerdem kann man so auch mehrere Gametels anschließen – bis zu vier Controller gleichzeitig sind möglich.

Im Gametel ist ein 250 mAh-Akku fest eingebaut. Laut Herstellerangaben soll dieser 9 Stunden Spielen ermöglichen, dies entsprach auch den Werten in unserem Test. Wiederaufladen ist über ein handelsübliches MicroUSB-Kabel möglich, mit dem man auch die meisten Android-Smartphones lädt – kein zusätzliches Kabel mit sich herumschleppen zu müssen ist dabei wirklich praktisch.

Die Kernkompetenz des Gametel Controllers sind natürlich die Tasten. Und diesen kann man ein ordentliches Zeugnis ausstellen: Zwar liegen sie relativ nah beieinander – Daniel hat die größten Hände in der Redaktion und er findet, dass es „gerade so“ geht – aber das digitale 8-Wege-Steuerkreuz, die vier regulären und die zwei digitalen Schulterbuttons bieten einen gut abgestimmten Druckpunkt.

Das Gehäuse ist etwas kantig, das Material ist Hartplastik – nichts, worüber man nach Hause schreiben müsste. Trotzdem klappert beim Gametel nichts, das Pad ist gut genug verarbeitet.

Beim Handling muss man sich daran gewöhnen, dass das Smartphone als Quasi-Konsolendisplay deutlich schwerer ist als der Gamepad-Teil, es herrscht also Übergewicht am oberen Ende, was beim Handling ein wenig gewöhnungsbedürftig ist.

Spiele-Unterstützung des Gametel Controllers

Weil das Gametel technisch gesehen eine Bluetooth-Tastatur ist, laufen damit nur Spiele, die entweder frei konfigurierbare Steuerung besitzen oder direkt aufs Gametel optimiert sind. Und das sind bislang nicht viele – zahlreiche Gassenhauer wie GTA3 und Shadowgun funktionieren nicht mit dem Pad. Eine leider noch recht überschaubare Liste von Spielen findet sich entweder in der Gametel-App oder auf der Gametel-Seite. Immerhin sind einige Hochkaräter trotzdem dabei: Samurai 2: Vengeance, Sonic 4, Reckless Racing und Asphalt 5 laufen mit dem Aufsteckpad.

Der beste Einsatzzweck sind aber immer noch – siehe Video – Konsolenemulatoren: Das Gametel anzustecken und zwischendurch einfach mal eine Runde Super Mario Land, Street Fighter 2 oder Rock’n’Roll Racing auf dem Smartphone oder Tablet zu spielen, macht einfach unheimlichen Spaß, natürlich sofern man ein Faible für Retrogames hat. Die gängigen Emulatoren wie GBCoid und SNESoid – erhältlich nur noch über den SlideME-Market – arbeiten problemlos mit dem Gametel zusammen. Notwendig ist nur, jeweils unter Settings -> Other Settings -> Use Input Method zu aktivieren und danach die Tasten einmal unter Input Settings -> Key Mappings richtig einzustellen.

Gametel – kaufen oder nicht?

Das Gametel kostet derzeit noch rund 60 Euro. Ob einem dieser doch recht stolze Preis angesichts der noch geringen Spieleunterstützung wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Als gelegentlicher Retrozocker mit Faible für Spieleunterhaltung der 8- und 16-Bit-Ära finde ich das Gametel durchaus spaßig.

Das Gametel funktioniert auch mit iPhones und iPads und kann in Deutschland derzeit nur beim Online-Händler Yomoy.de bezogen werden.

Gametel kaufen: Yomoy.de | Produktseite: Gametel.se

Fotos vom Gametel Controller

* gesponsorter Link